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Nur jeder Dritte bleibt bei Krankheit Zuhause

Im Herbst beginnt für gewöhnlich die Erkältungssaison und viele Menschen bekommen Atemwegserkrankungen von Schnupfen über Coronainfekte bis zur Grippe. Das und andere Krankheiten hindern viele Beschäftigte jedoch nicht daran, zur Arbeit zu gehen. Nur knapp jeder dritte Erkrankte bleibt derzeit zu Hause. Drei von zehn Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen (33 Prozent) gingen in den vergangenen vier Wochen trotz Erkrankung in der Firma ihrem Job nach. Was noch viel erschreckender ist: Jeder Vierte (24 Prozent) wurde sogar vom Arbeitgeber explizit darum gebeten, auch krank zum Arbeitsplatz zu kommen.

Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Job-Plattform hokify, an der in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 800 Beschäftigte teilgenommen haben. Was speziell das Corona-Virus betrifft, so kam eine Studie der provona BKK zu dem Ergebnis, dass neun Prozent der Angestellten trotz eines positiven Tests bei einem milden Krankheitsverlauf im Betrieb arbeiten.

35- bis 45-Jährige schonen sich am wenigsten

Vor allem die mittlere Altersgruppe neigt dazu, sich nicht zu Hause auszukurieren: Von den Mitarbeitenden zwischen 35 und 45 Jahren haben 84 Prozent schon einmal bei Krankheit gearbeitet. Der vermutliche Grund: Viele von ihnen steuern auf den Höhepunkt ihrer Karriere zu und wollen sich keine Schwächen leisten. Bei den Jüngeren arbeiten etwas mehr als zwei Drittel (69 Prozent), bei Krankheit weiter, während der Anteil bei den Beschäftigten über 55 Jahren mit 62 Prozent am geringsten ist.

Unterschiedliche Gründe für Anwesenheit trotz Krankheit

Die Gründe für den Präsentismus trotz Krankheit sind vielfältig: Rund ein Drittel (32 Prozent) möchte das eigene Team nicht durch das Fernbleiben von der Arbeit belasten. Knapp ein Viertel (24 Prozent) geht wegen eines wichtigen Termins oder Auftrags krank zur Arbeit. Immerhin gut jeder fünfte Befragte (22 Prozent) befürchtet sogar, den Job zu verlieren, wenn er seiner Arbeit bei Krankheit nicht nachgeht. Und weitere 21 Prozent geben an, dass es für ihre Tätigkeit keine Vertretung im Unternehmen gibt. Infolgedessen ist Präsentismus weit verbreitet, was eine Studie der Techniker Krankenkasse und des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung bestätigt.

Risiken bei Präsentismus für Kollegen und die Erkrankten selbst

Gehen Beschäftigte krank zur Arbeit, besteht die Gefahr, dass sich Kollegen und Kolleginnen bei ihnen anstecken. Tatsächlich fühlen sich 85 Prozent der befragten Beschäftigten unwohl, wenn andere trotz Krankheit in die Firma kommen. Aus der guten Absicht, die anderen durch Abwesenheit nicht zu belasten, resultiere somit ein zusätzliches Risiko für alle, sagt Karl Edlbauer, Geschäftsführer von hokify, zumal bei Ansteckung ein Großteil des Teams ausfallen könne. Abgesehen von der Ansteckungsgefahr nehmen kranke Mitarbeitende bei Präsentismus auch in Kauf, die eigene Genesung zu verzögern oder einen chronischen Verlauf der Krankheit zu riskieren, wenn sie sich nicht schonen und auskurieren – das gilt auch im Homeoffice.

„Besonders Führungskräfte haben hier eine Vorbildfunktion und sollten dementsprechend nicht krank zur Arbeit kommen”, mahnt Edlbauer. Im Unternehmen müsse ein klarer Umgang mit dem Thema Krankheit am Arbeitsplatz gelebt werden, um negative Folgen zu vermeiden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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