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Rethinking HR – Zeit für eine echte Transformation

 

Prof. Dr. Jörg Ritter, Quadriga Hochschule, und Prof. Dr. Rainer Strack stehen zusammen auf der Bühne des BPM
Prof. Dr. Jörg Ritter, Quadriga Hochschule, und Prof. Dr. Rainer Strack, BCG, stellten die Studie in Berlin vor. / Quelle: Quadriga

Die aktuelle Ausgabe des “Harvard Business Manager” verriet bereits im Vorfeld der offiziellen Studienpräsentation, was es mit der Studie “Rethinking HR” auf sich hat: Die Ergebnisse, so das bei Top-Managern gern gelesene Magazin, zeichneten ein erschreckendes Bild des deutschen Personalmanagements. Die Lage sei sogar dramatisch. Schaut man jedoch genauer auf die Ergebnisse, muss man feststellen: Sie sind nicht überraschend – andere Studien zur digitalen Transformation von HR kommen im Kern zu ähnlichen Ergebnissen. Und die Lage von HR ist zudem auch nicht unbedingt tragischer als in anderen Bereichen. Eindeutig ist aber: Die beschleunigte Arbeitswelt setzt Personalmanager erheblich unter Druck.

Für die Studie “Rethinking HR – Transforming Organization and People” haben The Boston Consulting Group (BCG), Egon Zehnder, die Quadriga Hochschule Berlin und der Bundesverband der Personalmanager (BPM) qualitative Interviews mit mehr als 40 Vorständen aus allen Funktionsbereichen sowie Personalchefs und Spitzen von Gewerkschaften geführt. Darüber hinaus wurden über 1300 Personalmanager schriftlich zu zwei Themenfeldern der Transformation befragt. Dieser Teil der Studie war in die ebenfalls auf dem Personalmanagementkongress vorgestellte BPM- Berufsfeldstudie (“Personalmanagement als Beruf 2017”) integriert.

Die strategische Lücke

Laut Befragung ergeben sich zum Teil erhebliche Lücken zwischen einem wünschenswerten Zielzustand und den eigenen Kompetenzen. Demnach halten es 93 Prozent der Befragten für wichtig, dass HR eine Verbindung zwischen Unternehmensstrategie und Personalthemen herstellt, aber nur 53 Prozent schätzen die derzeitigen HR-Kompetenzen ihrer Organisation dafür als hoch ein. Ein ähnliches Bild liefern die Antworten zu der Frage, ob sich HR als Moderator des Wandels sieht und die Innovations- und Transformationsmentalität im Unternehmen stärkt. 84 Prozent halten diese Aufgabe für wichtig, aber nur 43 Prozent sehen hier HR-Kompetenzen. Schließlich offenbaren sich die größten Kompetenzschwächen beim Thema Agilität. Hier sehen sich auch nur 63 Prozent der Befragten in der Rolle, sich als Entwickler von innovativen, das heißt agilen und kollaborativen Arbeitsweisen zu positionieren. Und: Nur 21 Prozent schätzen ihre Kompetenz dazu als hoch ein. Entsprechende Tools werden auch nur selten genutzt, obwohl ihr Vorteil durchaus erkannt wird.

Die digitale Lücke

Den größten Handlungsbedarf offenbart die Studie in der Digitalisierung von HR-Prozessen und im Einsatz von HR-Analytics. Die Personalmanager wurden gefragt, wie sie den Handlungsbedarf bei der Digitalisierung in fünf bis zehn Jahren sehen. Drei von vier Befragten (74 Prozent) halten es für wichtig, dass HR zukünftig “Designer” (so der Wortlaut der Frage) effizienter Prozesse sein wird, ausreichende Kompetenzen liegen dazu aber nur bei 35 Prozent der Befragten vor. Den Einsatz von Artificial Intelligence (AI) im People Management erachtet sogar nur gut die Hälfte der Befragten zukünftig als wichtig. Nur 16 Prozent sehen hier momentan hohe Kompetenzen in der HR- Organisation.

Transforming Organization & People Model

Aus diesen und weiteren Ergebnissen haben die Studienautoren ein Modell entwickelt, das vier Gestaltungsfelder in den Fokus nimmt, um die HR-Arbeit zukunftsfähig zu machen.

  • Fokus 1: Die Organisation – Strategic Direction & Transformation Architecture
  • Fokus 2: Die Arbeit – Performance Navigation
  • Fokus 3: Die Mitarbeiter – People Enablement
  • Fokus 4: Die HR-Plattform – HR-Solutions & Operations

Die Studienautoren verstehen das Modell als Denkrahmen, um neue Rollen und Kompetenzen im Unternehmen gezielt aufzubauen. Ohne Fokussierung und neue Wege drohe die HR-Transformation zu scheitern. Dass diese Transformation möglich und machbar ist, zeigte eine mit hochrangigen HR- Vertretern besetzte Podiumsdiskussion im Anschluss an die Studienpräsentation. Der letztjährige Gewinner des Deutschen Personalwirtschaftspreises, Heraeus-CHRO Roland Hehn, TUI- Personalvorstand und BPM-Präsidentin Elke Eller, Google-Personalchef Frank Kohl-Boas, Zalando- Personalchefin Frauke von Polier, Karsten Ottenberg, CEO von BSH Hausgeräte – sie alle haben sich auf den Weg gemacht, die HR-Arbeit in ihren Unternehmen zu verändern. Ohne Panik, aber durchaus mit einem berechtigten Handlungsdruck.

Autor: Erwin Stickling, Herausgeber

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