In letzter Zeit wird häufig über die Vier-Tage-Woche diskutiert. Dabei sind verschiedene Optionen im Spiel, sowohl mit den gleichen Arbeitsstunden wie bisher als auch mit reduzierten Arbeitsstunden mit weniger oder dem gleichen Gehalt. Eine aktuelle Umfrage der Jobsuchmaschine Jooble hat untersucht, für wie wahrscheinlich Beschäftigte in Deutschland die Einführung der Vier-Tage-Woche halten, welche positiven und negativen Aspekte sie damit verknüpfen und unter welchen Bedingungen sie mit einer verkürzten Arbeitswoche einverstanden wären. An der Umfrage vom vierten Quartal 2023 bis zum ersten Quartal dieses Jahres nahmen 1119 volljährige Beschäftigte aus verschiedenen Branchen teil.
Realistische Perspektive in fünf Jahren
Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer sollten angeben, ob sie es für realistisch halten, dass Deutschland in den nächsten fünf Jahren auf die Vier-Tage-Woche umsteigt. 40 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass Deutschland definitiv darauf umstellt, und weitere 36 Prozent denken, dass dies unter nicht näher benannten „bestimmten Voraussetzungen“ geschehen wird. Nur ein Viertel (24 Prozent) glaubt nicht, dass ein Übergang zur Viertagewoche in den kommenden fünf Jahren realistisch ist.
Bedingungen müssen stimmen
Gefragt danach, ob sie bei einer Vier-Tage-Woche damit einverstanden wären, täglich mehr Stunden zu arbeiten, antworteten mit 44 Prozent die meisten, das hänge von den Bedingungen des Arbeitgebers ab. Rund ein Drittel (35 Prozent) würde einer verlängerten Arbeitszeit zustimmen und etwa ein Fünftel (21 Prozent) würden sich nicht dazu bereiterklären.
Was das Gehalt betrifft, so geht mehr jeder zweite Befragte (56 Prozent) davon aus, dass sich die Höhe der Vergütung bei einer verkürzten Arbeitswoche nicht ändern würde. Jeder Dritte (33 Prozent) denkt, dann weniger Lohn zu bekommen, während elf Prozent glauben, dass der Lohn sogar steigen wird. Auf die explizite Frage, ob sie eine Stelle mit einer Vier-Tage-Woche bei geringerer Bezahlung annehmen würden, antwortete knapp die Hälfte (47 Prozent), das hänge vom Prozentsatz der Gehaltskürzung ab. 27 Prozent sagten, sie würden ein solches Angebot ablehnen, während es 26 Prozent in Betracht ziehen würden.
Wenn sie die Wahl zwischen einem Unternehmen mit Vier-Tage-Woche und einem mit Fünftagewoche hätten, die die gleichen Gehälter und Sozialleistungen anbieten, würde mit 86 Prozent die große Mehrheit das erste Unternehmen bevorzugen. Für den Arbeitgeber mit Fünf-Tage-Woche entschied sich niemand. Die restlichen 14 Prozent gaben an, die Zahl der Wochenarbeitstage würde ihre Entscheidung nicht beeinflussen.
Vorteile: Gesundheit und Work Life Balance
Die Beschäftigten wurden weiterhin zu Vor- und Nachteilen befragt, die sie generell mit einer Vier-Tage-Woche verbinden. Dafür sollten sie aus einer Reihe von Vorgaben auswählen. Unter den potenziellen Vorteilen erhielt der positive Einfluss auf die Gesundheit den größten Zuspruch: Gut drei Viertel der Befragten (78 Prozent) sind der Ansicht, dass sie bei weniger Arbeitstagen mehr Zeit für die Erholung hätten. Dazu passt, dass rund zwei Drittel (67 Prozent) von einer verbesserten Work Life Balance ausgehen. Außerdem verspricht sich jeder Zweite (51 Prozent) von der Vier-Tage-Woche, dass sie die Produktivität steigert. Weitere 47 Prozent glauben, dass sich die Selbstdisziplin erhöht und Arbeitsaufgaben schneller erledigt würden.
Nachteile: Höhere Arbeitsbelastung und/oder weniger Geld
Die Befragungsergebnisse auf der negativen Seite zeigen, dass die Beschäftigten die Vier-Tage-Woche vor allem mit einer erhöhten Arbeitsbelastung verbinden: 61 Prozent erwarten diese. Auf den ersten Blick ein Widerspruch dazu, dass 78 Prozent Vorteile für die Gesundheit genannt haben. Doch hier kommt es eben darauf an, wie die Vier-Tage-Woche gestaltet wird – ob mit verkürzter Arbeitszeit oder längeren Arbeitstagen – und diese Möglichkeiten hatten die Befragten offenbar im Blick. Als zweitwichtigsten Nachteil geben 57 Prozent Gehaltskürzungen an; mehr als jeder Zweite geht anscheinend davon aus, dass sie bei der Vier-Tage-Woche auf weniger Arbeitsstunden kämen und Gehaltseinbußen in Kauf nehmen müssten. Auch befürchten 37 Prozent, dass sich die Zahl der Urlaubstage verringern könnte. Zu den genannten Nachteilen gehört unter anderem auch, dass jeder sechste Befragte (16 Prozent) glaubt, die die Vier-Tage-Woche könne ihre Produktivität beeinträchtigen.
Insgesamt zeigen die Befragungsergebnisse, dass sich viele Beschäftigte durchaus mit der Vier-Tage-Woche anfreunden könnten, aber eher nicht, wenn sie eher zu größerer Arbeitsbelastung oder höheren Lohneinbußen führt.
Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

