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Wie Sprechtraining Führungskräften helfen kann

Unsere Stimme verrät viel mehr, als uns bewusst ist. Stimmanalysen können inzwischen Alter, Krankheiten und auch Körpergröße anhand von stimmlichen Signalen gut bestimmen. Um zu motivieren, inspirieren und zu überzeugen braucht es das Charisma der Stimme. Zu diesem Schluss kommen in den vergangenen Jahren immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Disziplinen, unter anderem aus der Kommunikationspsychologie.

Für Führungskräfte sind diejenigen Bausteine in Stimme und Sprechweise wichtig, die Kompetenz, Selbstbewusstsein und Leidenschaft transportieren. Akustisches Charisma ist hier eine Mischung aus Faktoren wie Sprechtempo, Lautstärke, Satzbau, Pausen, Betonungen, Stimmhöhe und der weitgehende Verzicht auf Füllgeräusche. Anders gesagt: Solche Sprecherinnen und Sprecher sind wie Musik in unseren Ohren. Sie machen uns das Zuhören leicht. Denn in der gesprochenen Sprache gilt: Es darf nicht anstrengend sein! Sonst schaltet das Gehirn des Gegenübers in den Stand-by-Modus.

Wie spricht man nun charismatisch? Das Sprechtempo darf gern dynamisch sein, dann signalisiert es Leidenschaft. Konkret bedeutet das: vier bis fünf Silben pro Sekunde. Spricht jemand langsamer, wirkt es wenig mitreißend. Spricht jemand schneller, wird es auf Dauer anstrengend, zuzuhören. Ein zu hohes Tempo geht auch zulasten von guten, herausgehobenen Betonungen.

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Unser Dezember-Magazin

Der Gastbeitrag ist zuerst in unserem Dezember-Heft erschienen. Dieses hat den Schwerpunkt Recruiting international und verrät ihnen, was Sie beim Suchen und Finden von Talenten auf der ganzen Welt beachten müssen. 

Warum der hörbare Punkt wichtig ist

Beim Satzbau gilt: Wer seine Gedanken in kleine Portionen aufteilen kann und diese auch stimmlich gut voneinander absetzt, wirkt kompetent. Außerdem ist es wiederum leicht, diesen Sprechenden zu folgen. Eine gute Struktur schon in der Vorbereitung anzulegen ist hilfreich, zum Beispiel in Form von Listen: „Drei Dinge sind für uns im kommenden Jahr wichtig: erstens … zweitens … drittens.“ Besondere Bedeutung kommt dem Satzende zu, dem deutlich hörbaren Punkt. Wenn am Ende eines Gedankens die Stimme entschlossen „landet“, kommen auch die Botschaften an. Der hörbare Punkt vermittelt Selbstbewusstsein – und er bewirkt, dass wir dem Sprechenden eher vertrauen. Ist die Stimme einmal unten, fällt es uns auch leichter, eine kurze Sprechpause durchzuhalten. Auch das ist ein Signal für Selbstbewusstsein.

Es kommt übrigens nicht so sehr darauf an, welche Stimme wir von Natur aus haben. Jede Stimme hat das Potenzial, charismatischer zu klingen. Steve Jobs beispielsweise hatte eine relativ hohe Männerstimme. Entscheidend war, wie er mit dieser Stimme gearbeitet hat – in die stimmlichen Höhen und die Tiefen. In lauteren und in ruhigeren Passagen. Für seine Keynotes nutzte er Varianz, ein melodisches, gut strukturiertes Auf und Ab.

Auch andere Superstars im akustischen Charisma, wie beispielsweise der ehemalige US-Präsident Barack Obama, haben dem Thema Stimme und Sprechweise Zeit gewidmet. Sie haben sich coachen lassen und ernsthaft trainiert. Hierfür gibt es viele Ansätze. Zum einen über Sprechübungen und Atemtechnik, zum anderen über innere Klarheit, kurze Sätze, gute Pausen, eine aktive Mimik und auch die Körpersprache. Denn unsere Hände sprechen auch mit: Wir hören es, ob jemand seine Gestik einsetzt oder nicht. Lebendige Inhalte mit Beispielen, Vergleichen und Ich-Botschaften statt toter Materie im Nominalstil helfen ebenfalls dabei, die Aufmerksamkeit des Publikums zu halten.

Die Arbeit an der eigenen Sprechweise ist gerade für das digitale Miteinander hochaktuell. Im Videocall haben wir – neben etwas Mimik und kaum Gestik – vor allem unsere Stimme als Führungsinstrument. Wenn wir sie gut nutzen und unsere Potenziale ausschöpfen, können wir leichter motivieren, inspirieren und überzeugen.

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