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Generation Z braucht Orientierungshilfe

Der Lockdown hat bei den 16 bis 24-Jährigen bewirkt, dass sie sich zurückziehen, die Zukunft recht pessimistisch sehen und immer weniger risikobereit sind. Arbeitgeber müssen deshalb die jungen Menschen aus ihrem “Schildkrötenpanzer” herausholen, sind sich zwei Generation Z-Experten sicher.  

Die Gen-Z-Recruitings-Expertin Svenja Rausch ermutigt Personaler besonders jetzt Präsenz zu zeigen. (Foto: Jobteaser)
Die Gen-Z-Recruitings-Expertin Svenja Rausch ermutigt Personaler besonders jetzt Präsenz zu zeigen. (Foto: Jobteaser)

Sie sind sozial isoliert, machen ihren Abschluss mithilfe von virtuellen Kursen und finden durch fehlende Praktika nur schwer Zugang in die Arbeitswelt. “Der Generation Z geht es überhaupt nicht gut”, sagt Emotionsforscher Markus Küppers von der Agentur “September Strategie & Forschung”. Gemeinsam mit der Gen-Z-Recruiting-Expertin Svenja Rausch von der Plattform “Jobteaser” hat er im April und September 2020 rund 1500 Studierende befragt. Das Ergebnis: Die 16- bis 24-Jährigen stehen durch die Corona-Pandemie vor Herausforderungen, die nachhaltig prägen könnten, wie sie sich selbst sehen und was sie von der Arbeitswelt erwarten.

“Bei der Generation Z hat sich der Schildkrötenreflex eingestellt”, sagt Küppers. “Sie ziehen sich zurück.” Denn die jungen Erwachsenen würden der Zukunft recht pessimistisch entgegenblicken, gingen davon aus, dass sie jederzeit durch Krisen und Jobverlust in Notlagen geraten könnten. Dadurch sinke ihre Risikobereitschaft. Stattdessen stelle sich eine Starre bei ihnen ein. “Sie können sich nicht ausprobieren”, so der Emotionsforscher. “Dabei ist dies für die Entwicklungsphase, in der sie sich befinden, von äußerster Wichtigkeit.”

Die Studierenden suchen mehr Beratungsangebote wie Career Days und Messen – auch virtuelle.

Finanzielle Engpässe und Praktika-Verlust

Die Studierenden stehen noch vor zwei weiteren Problemen: Ein Drittel der von Rausch und Küppers Befragten gaben an, Probleme bei der Finanzierung ihres Studiums zu haben. Denn durch die Pandemie sind zahlreiche Studentenjobs – beispielsweise in der Gastronomie oder im Tourismusbereich – weggebrochen. Auch haben viele der Befragten Sorge, ihren Abschluss in dem von ihnen geplanten Zeitraum nicht machen zu können. Denn 30 Prozent der Studierenden haben durch die Pandemie ihren Praktikumsplatz verloren, der für einen Abschluss Voraussetzung ist. Zehn Prozent von ihnen sind auch wegen der finanziellen Engpässe wieder zu Hause eingezogen, viele sind orientierungslos. “Nur 13 Prozent der Befragten haben eine Vorstellung davon, wie ihr beruflicher Weg aussehen soll”, sagt Rausch. Daraus ergebe sich eine hohe Nachfrage an Orientierungsangeboten: “Die Studierenden suchen mehr Beratungsangebote wie Career Days und Messen – auch virtuelle”, so die Gen-Z-Recruitings-Expertin.

Personaler sollen Studierende auffangen

Für den Arbeitgeber ergibt sich aus den Befragungsergebnissen, dass derzeit Präsenz stark gefordert ist. Personaler sollen klar kommunizieren, dass es in ihrem Unternehmen Weiterentwicklungschancen für die junge Generation gibt. “Es geht jetzt darum, die Studierenden aufzufangen und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, um sie aus ihrer Starre herauszuholen”, erklärt Rausch. Dabei solle auch bedacht werden, dass große Teile der Generation Z Angst haben, ihr “Corona-Abi” und “Corona-Studium” zähle nicht so viel, wie die Abschlüsse vor der Pandemie. Personaler sollten deshalb durch aktives Recruiting direkt auf geeignete Kandidaten zugehen und ihnen dadurch zeigen, dass sie gesehen und wertgeschätzt werden, so Svenja Rausch. Auch sollte verdeutlicht werden, dass neben Abschluss und Berufserfahrungen Soft Skills zählen.

Emotionsforscher Markus Küppers ist überzeugt, dass sich bei der Generation Z eine neue Demut einstellen wird. (Foto: September Strategie & Forschung)
Emotionsforscher Markus Küppers ist überzeugt, dass sich bei der Generation Z eine neue Demut einstellen wird. (Foto: September Strategie & Forschung)

Um das angeknackste Selbstvertrauen der Generation Z zu stärken, sollten Personaler Perspektiven aufweisen, indem sie von Vorbildern erzählen, die auf ihrem beruflichen Werdegang Risiken eingegangen sind und damit erfolgreich waren. Das könne auf Recruiting-Veranstaltungen aber auch durch entsprechende Rekrutierungs-Kampagnen geschehen. Die jungen Erwachsenen sollen so ermutigt werden, selbst auf die Suche nach geeigneten Stellen zu gehen, sagt Emotionsforscher Küppers.

Ich bin davon überzeugt, dass sich eine neue Demut bei der Generation Z einstellen
wird.

Damit stünden Arbeitgeber und Generation Z wieder mehr auf Augenhöhe, sagt Svenja Rausch. Vor der Pandemie forderten die jungen Erwachsenen viel vom Arbeitgeber – besonders was die Unternehmenswerte anging. “Ich bin davon überzeugt, dass sich durch die gesammelten Erfahrungen in der Corona-Pandemie eine neue Demut bei der Generation Z einstellen wird”, sagt Markus Küppers. Der Emotionsforscher kann sich zudem zwei gegenteilige Verhaltensmuster der jungen Generation in der Zukunft vorstellen. Entweder würden sie sicheren Arbeitsverhältnissen große Bedeutung zukommen lassen und dabei Arbeitgeber wie Behörden bevorzugen, die ihnen Sicherheit aber vielleicht ein langweiligeres Tätigkeitsfeld bieten. Oder sie würden stärker das Einzelgänger-Dasein suchen und von einem Job zum nächsten springen.