Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Studie: Weiterbildungsanbieter wieder zuversichtlicher

Der Wuppertaler Kreis, Verband der führenden Weiterbildungsdienstleister in Deutschland, hat kürzlich seine Trendstudie 2022 herausgebracht. Sie zeigt, dass sich die wirtschaftliche Lage, die in den vergangenen zwei Jahren unter corona-bedingten Schließungen und Einschränkungen des Präsenzbetriebs gelitten hat, jetzt wieder erheblich verbessert hat. Die Weiterbildungsdienstleister erwarten wieder eine positive Entwicklung ihrer Umsätze; die Nachfrage zieht bereits wieder an. Insbesondere vor dem Hintergrund der Digitalisierung haben die Kundenunternehmen derzeit einen hohen Bedarf an Qualifizierungsmaßnahmen.

Nachfrage nach Seminaren steigt wieder

2021 führten die Mitglieder des Wuppertaler Kreises über 118.000 Seminare, Tagungen und Weiterbildungsveranstaltungen durch, an denen mehr als 1,4 Millionen Fach- und Führungskräfte der Wirtschaft teilgenommen haben. Offene Seminare und Tagungen machen mit 37,3 Prozent immer noch den höchsten Umsatzanteil aus. Firmeninterne Seminare stehen mit 23,7 Prozent an zweiter Stelle. Maßnahmen für öffentliche Auftraggeber machen 18 Prozent aus, Lehr- und Studiengänge 16 Prozent und auf Sonstiges wie etwa Forschung oder Hotelbetrieb entfallen fünf Prozent. Vor allem bei offenen Seminaren und Tagungen sowie firmeninternen Maßnahmen steigt die Nachfrage jetzt wieder. Auch verschobene Projekte und Qualifizierungsprogramme können derzeit zum Teil nachgeholt werden. Für Lehr- und Studiengänge und für Maßnahmen der Arbeitsförderung erwartet die Mehrzahl der Weiterbildungsanbieter im laufenden Jahr stabile Umsätze.

Die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt an sich, aber vor allem die Corona-Zeit und damit einhergehende Maßnahmen wie Reiseverbote, Veranstaltungsabsagen und Homeoffice, haben den digitalen Wandel in der Weiterbildung erheblich beschleunigt. Viele Institute haben in den vergangenen zwei Jahren ihre Angebote in digitale oder hybride Formate umgewandelt und einzelne Anbieter haben 2021 sogar vollständig auf digitale Weiterbildung umgestellt. Die Mehrheit der Dienstleister beurteilt ihre Erfahrungen des vergangenen Jahres als besser als zuvor erwartet. Allerdings entwickelte sich der Bereich der Präsenzseminare schlechter als ursprünglich vorhergesehen.

Herausforderungen bei der Umsetzung digitaler Weiterbildungsangebote

Derzeit richten sich die Weiterbildungsdienstleister darauf aus, zukünftig einen hohen Anteil ihres Umsatzes mit digitalen Angeboten zu erzielen. Das bedeutet auch, dass sich die Weiterbildungsexperten und -expertinnen selbst digitales Methodenwissen aneignen müssen, um Inhalte online vermitteln zu können. Die technischen Probleme auf Dienstleisterseite sind laut der Studie allerdings inzwischen weitgehend gelöst. Die größten Herausforderungen bei der digitalen Umsetzung ihrer Bildungsangebote sind für die Weiterbildungsunternehmen die technische Ausstattung der Teilnehmer und -teilnehmerinnen der Maßnahmen sowie deren digitale Kompetenzen und das Problem, Dienstleister für die technische Realisierung zu finden. Die am dritthäufigsten genannte Herausforderung besteht wie bereits vorher in der Gestaltung der Lernprozesse und der pädagogisch-didaktischen Umsetzung.

Die Weiterbildungsdienstleister wurden auch danach gefragt, worin sie die Stärken von Online-Formaten sehen. Hier steht die Vermittlung von Fachwissen im Vordergrund, gefolgt von der Vermittlung von Branchenkenntnissen und dem arbeitsplatznahen Lernen. Letzteres, die Bereitstellung von digitalen Bildungsprodukten auf Weiterbildungsplattformen, um Beschäftigte unmittelbar im Arbeitsprozess zu unterstützen, wird nach Aussage der Anbieter künftig ein wichtiger Schwerpunkt sein. Die Vermittlung sozialer Kompetenzen wie zum Beispiel Persönlichkeitsentwicklung und Führung wird hingegen auch in Zukunft bevorzugt in Präsenzformaten stattfinden.

Ausblick: mehr Wettbewerb, höhere Kosten

Für die nähere Zukunft erwarten die Weiterbildungsanbieter eine Verschärfung des Wettbewerbs, vor allem durch die Konkurrenz kleinerer Dienstleister, die Unternehmen bei der Entwicklung digitaler Formate unterstützen. Die Branche rechnet außerdem damit, dass interne Weiterbildungsdienstleister der Unternehmen künftig zunehmend auf dem externen Markt in den Wettbewerb eintreten. Das könnte zu deutlich steigenden Kosten führen und zu einem Erfolgsrisiko für die Weiterbildungsanbieter werden, so dass sich bezüglich der Erwartungen für 2023 eine gewisse Unsicherheit erkennen lässt, so die Studie.

Die vollständige Trendstudie 2022 steht hier zum Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.