Eine aktuelle Studie hat bei Führungskräften nachgefragt, welche Faktoren für ihr Berufsleben die wichtigste Rolle spielen. Danach stehen Einflussnahme, Gestaltungswille und Macht für knapp drei Viertel (74 Prozent) der Managerinnen und Manager an erster Stelle, fast gleichauf mit dem Anspruch, ihre persönlichen Stärken und Begabungen einsetzen zu können (73 Prozent). Freude an der Führungsaufgabe nennen zwei Drittel (67 Prozent) der Führungskräfte. Es folgen die Sinnhaftigkeit der Aufgabe mit 56 Prozent, die Mitwirkung an Veränderungen in innovativen Unternehmen (47 Prozent) sowie Lernen und persönliche Weiterentwicklung (42 Prozent). Finanzielle Anreize und die Vergütung rangieren nach Aussage der Befragten mit 29 Prozent deutlich weiter hinten. Das sind Ergebnisse des neuesten Manager Barometers der Executive Search Beratung Odgers Berndtson. Dafür wurden von August bis September dieses Jahres 1.324 Führungskräfte aus deutschen Großunternehmen, Familienunternehmen und dem Mittelstand befragt.
Mehr als jede zweite Führungskraft wechselwillig
Derzeit geben rund drei Viertel der Befragten an, mit ihrem Job zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Dennoch hält mehr als die Hälfte (55 Prozent) einen Wechsel in den nächsten Monaten für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich. Die wichtigsten Motive sind eine mangelnde Perspektive – vor allem für Befragte aus dem Bereich Finanzdienstleistung – und veränderte Rahmenbedingungen im bisherigen Unternehmen, insbesondere in der Industrie.
Unternehmenskultur bei neuem Arbeitgeber am wichtigsten
Welche Faktoren sind für Führungskräfte ausschlaggebend bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers? Hier steht die Unternehmenskultur an der Spitze: Gut 82 Prozent der Befragten finden eine zu ihnen passende Unternehmenskultur sehr wichtig – das ist der höchste Wert seit 2019, als diese Frage erstmals im Manager Barometer gestellt wurde. Dazu zählen neben sogenannten weichen Faktoren wie die Art des Umgangs miteinander und die Form der Ansprache auch Benefits. Je älter die Führungskräfte, umso wichtiger ist ihnen die Unternehmenskultur. Innovationsfähigkeit ist für knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) ein sehr wichtiges Kriterium bei der Wahl eines Arbeitgebers.
Einen Unternehmenspurpose, mit dem sie sich identifizieren können, bezeichnen 45 Prozent als äußerst relevant. Gut ein Drittel (36 Prozent) legt großen Wert auf eine starke Marktposition des Unternehmens. Es folgen ortsunabhängiges Arbeiten/Homeoffice mit 35 Prozent und die Möglichkeit zu flexibler Arbeitszeitgestaltung/Teilzeit mit 27 Prozent. Jüngere Führungskräfte legen deutlich mehr Wert auf flexible Arbeitszeiten und -orte als ältere. Dies sei eine Folge der Corona-Zeit, in der ortsunabhängiges Arbeiten zur Normalität wurde, so die Studie. Eine Umsatz- oder Gewinnbeteiligung ist für gut ein Viertel der Befragten (26 Prozent) von wesentlicher Bedeutung und ein Fünftel (20 Prozent) findet die Verpflichtung des Unternehmens zu Nachhaltigkeit besonders wichtig.
Innovationsfähigkeit bei vielen Unternehmen nicht gegeben
Die Studie hat unter anderem das Thema Innovation näher beleuchtet, das ja von den Führungskräften als zweitwichtigstes Thema bei der Arbeitgeberwahl genannt wurde. Gut 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Innovationen die Grundlage für den Erfolg der deutschen Wirtschaft bilden und knapp 60 Prozent sind davon überzeugt, dass Innovationen für den Erfolg des eigenen Unternehmens ausschlaggebend sind. Tatsächlich bezeichnet aber nur gut ein Viertel der Befragten (27 Prozent) ihr Unternehmen als sehr innovativ. Bei Familienunternehmen können die sogar nur 24 Prozent bestätigen. Die Führungskräfte wurden auch danach gefragt, was sie primär unter Innovation verstehen. Aus ihrer Sicht ist sie in erster Linie Prozessoptimierung durch Digitalisierung; Produktinnovationen stehen erst an zweiter Stelle.
Moderne Führungsmodelle erst wenig verbreitet
Was moderne Führungsmodelle betrifft, wie Führen in Teilzeit oder im Tandem betrifft, so werden sie nur bei knapp einem so werden sie nur bei einem Drittel (31 Prozent) der Unternehmen praktiziert, in Familienunternehmen sogar nur bei weniger als einem Viertel (23 Prozent). Auch die Vier-Tage-Woche findet ist nur wenig verbreitet. Dazu kommt, dass mehr als jeder dritte Befragte (36 Prozent) den Führungsstil seines Unternehmens als patriarchal wahrnimmt; genommen. Bei den Familienunternehmen sind es sogar 43 Prozent. Auch gibt nur gut ein Viertel (27 Prozent) der Managerinnen und Manager an, dass in ihrem Betrieb eine offene Fehler- und Lernkultur gepflegt wird, in der Mitarbeitende angstfrei auf Missstände hinweisen können.
Angesichts der häufig konstatierten fehlenden Innovationskraft, der vielerorts noch verbreiteten traditionellen Strukturen und der zahlreichen wechselwilliger Führungskräfte müssen Unternehmen, die für die moderne Arbeitswelt nicht bereit sind, damit rechnen, dass ihre Managerinnen und Manager sich in anderen Firmen oder Branchen umsehen, so die Studie.
Die vollständigen Studienergebnisse stehen >hier zum Download bereit.
Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

