Weiterbildung ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die Zukunft, diese Erkenntnis ist bei den weitaus meisten Unternehmen angekommen. Immerhin 87 Prozent der für die TÜV Weiterbildungsstudie 2026 befragten Unternehmen halten die Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden für wichtig oder sehr wichtig. Das klingt eindrucksvoll – doch tatsächlich ist dieser Wert im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozentpunkte gesunken. Gleichzeitig sagt heute jedes achte Unternehmen, Weiterbildung sei wenig oder gar nicht wichtig. 2024 war es nur jedes zwanzigste. Noch deutlicher fällt die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit aus, wenn man auf die strategische Verankerung blickt: Nicht einmal jedes dritte Unternehmen verfügt über eine schriftlich fixierte Weiterbildungsstrategie.
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Wie viel investieren Unternehmen in Weiterbildung?
Auch die Ressourcen sind begrenzt. Fast zwei von drei Unternehmen geben pro Mitarbeitenden und Jahr weniger als 1000 Euro für Weiterbildung aus – ein knappes Drittel sogar unter 500 Euro. Magere sieben Prozent investieren 2000 Euro oder mehr. Und die zur Verfügung stehende Zeit ist ebenfalls überschaubar: Bei der Hälfte der Unternehmen stehen den Beschäftigten drei bis fünf Arbeitstage jährlich für Weiterbildung zur Verfügung, bei einem knappen Viertel sogar nur ein bis zwei Tage. Im Vergleich zu 2024 hat sich der Anteil der Unternehmen, die mehr als neun Tage ermöglichen, halbiert und liegt nur noch bei acht Prozent.
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Die Studie
Für die TÜV Weiterbildungsstudie 2026 wurden 500 Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden in Deutschland befragt. Antworten gaben Weiterbildungsverantwortliche, Geschäftsführungsmitglieder sowie Vorstände, branchenübergreifend und in drei Unternehmensgrößenklassen.
Welche Kompetenzen haben 2026 höchste Priorität?
Schwerpunkt bei Digitalkompetenzen Am dringlichsten wird Weiterbildungsbedarf bei digitalen Anwendungskompetenzen gesehen – von digitalen Grundkenntnissen bis zum Umgang mit KI-Tools. Auf dem zweiten Rang folgen Führungskompetenzen wie Mitarbeiterführung, Teamentwicklung und Konfliktlösung, dicht gefolgt von persönlichen und sozialen Kompetenzen. Mit Blick auf die sogenannten Future Skills sehen 88 Prozent soziale Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit und Kreativität als wichtig an. 70 Prozent nennen technologische und digitale Kompetenzen, darunter KI- und Datenkompetenzen sowie Cybersecurity.
Warum hinkt die KI-Qualifizierung dem KI-Einsatz hinterher?
Das KI-Paradox Besonders auffällig ist die Diskrepanz rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Mehr als die Hälfte der Unternehmen setzt generative KI-Tools bereits im Arbeitsalltag ein. In jedem zweiten Betrieb wird gleichzeitig ein hoher Weiterbildungsbedarf im Bereich KI gesehen. Eine entsprechende Mitarbeiterschulung hat es aber in gerade einmal einem guten Viertel der Unternehmen bereits gegeben.
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Kommentar: Höchste Priorität für Weiterbildung
Kurz vor seinem Abschied aus dem Amt als Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) durfte ich Professor Friedrich Hubert Esser ausführlich zu seinen Ideen rund um die berufliche Bildung befragen (siehe Seite 50). Besonders bemerkenswert fand ich seinen Vorschlag, sich von der strikten Trennung von Aus- und Weiterbildung zu verabschieden. Stattdessen solle es ein „integriertes Berufslaufbahnkonzept geben“, mit der Möglichkeit, sich – analog zum akademischen Modell – immer weiter zu qualifizieren bis hin zum Äquivalent eines Doktortitels.
Die Idee ist in zweierlei Hinsicht wichtig: Zum einen unterstreicht sie die Gleichwertigkeit beider Berufswege, was mehr als überfällig ist. Zum anderen zeigt sie die Relevanz und die Notwendigkeit kontinuierlicher Qualifizierung. Unter dem Stichwort „lebenslanges Lernen“ wird dies seit vielen Jahren eher lauwarm propagiert. Die KI-getriebene Turbo-Transformation aber macht das Weiterbildungsthema zur brandheißen Überlebensfrage: für einzelne Unternehmen, für viele Branchen und für die Wirtschaft unseres rohstoffarmen Landes.
Grundsätzlich sehen Unternehmen das auch so – aber wie die TÜV Weiterbildungsstudie zeigt, hapert es an der Umsetzung: Wider besseren Wissens wird zu wenig Geld, zu wenig Zeit und zu wenig strategisches Kalkül in die Weiterbildung investiert. Die Rechnung dafür wird kommen – vermutlich allzu bald.
Christina Petrick-Löhr betreut das Magazinressort Talent & Learning sowie die Berichterstattung zur Aus- und Weiterbildung. Zudem ist sie verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft sowie den Deutschen Personalwirtschaftspreis.

