Deutsche Bahn: Pilotphase des Job‑Filters für Eltern beendet

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Update vom 11. Februar 2026:

Auf Anfrage unserer Redaktion teilt die Deutsche Bahn mit, dass der Filter „Ein Job für Eltern“ lediglich in einer Pilotphase war, die bereits im vergangenen Jahr anlief und nun beendet wurde. Daher sei der Filter von der Stellensuche heruntergenommen worden. Nun würde das Feedback ausgewertet. Eine DB-Sprecherin stellt zudem heraus: „Ob Eltern oder nicht – wir wertschätzen Vielfalt und begrüßen alle Bewerbungen – unabhängig von Lebensphase, Geschlecht, sexueller Identität, Nationalität, ethnischer und sozialer Herkunft oder Religion.“

Außerdem erhielt die Personalwirtschaft die Information, dass der Filter nur „bei rund 600 exemplarischen Stellenausschreibungen testweise eingeführt“ wurde. Da es sich um einen Piloten handelte, schwankte diese Zahl. Wichtig sei zu wissen: Hinter einer Ausschreibung steckten nicht nur eine, sondern mehrere Stellen, für welche Personal gesucht wird. Da der Filter also nicht bei allen Ausschreibungen der Stellensuche zum Einsatz kam, können die 84 angezeigten elternfreundlichen Jobs nicht mit allen 3.500 offenen Stellen im Portal (beides Stand 3. Februar) ins Verhältnis gesetzt werden.


Update vom 10. Februar 2026:

Vergangene Woche löste ein Linkedin-User eine enorme Diskussion zum Filter „Ein Job für Eltern“ beim Stellenportal der Deutschen Bahn aus. Neben Befürwortungen hagelte es auch Kritik. Grund dafür war unter anderem, dass nur etwa 2,4 Prozent der Stellen als für Eltern geeignet eingestuft wurden. Am heutigen Dienstag ist der Job-Filter verschwunden. Dort, wo er gemeinsam mit dem Filter „Jobs in der (Früh-)Rente“ platziert war, ist nun nichts mehr. Sorgte die Debatte für ein Umdenken bei dem Unternehmen? Die Redaktion der Personalwirtschaft hat bei der Deutschen Bahn angefragt.

Ursprünglicher Artikel vom 3. Februar 2026:

Deutsche Bahn: Neuer Job-Filter polarisiert auf Linkedin

HR muss dafür sorgen, dass sich Bewerber und Bewerberinnen auf der Karriereseite schnell zurechtfinden. Bei einem besonders großen oder differenzierten Stellenangebot helfen Filterfunktionen. Eine solche sorgt momentan im sozialen Netzwerk Linkedin für Furore. Die Rede ist von der Stellenbörse der Deutschen Bahn. Der Grund: Dort findet sich ein Filter mit dem Namen „Ein Job für Eltern“. Wählt der Nutzer diesen Filter aus, werden nur Jobs mit guter Vereinbarkeit von Beruf und Familie angezeigt. Derzeit gibt es knapp 3.500 offene Stellen im Portal der Deutschen Bahn. Nach Klick auf den Filter „Ein Job für Eltern“ sind es nur noch 84 Vakanzen.

Was für manche als Zeichen moderner Arbeitswelt gilt, finden andere eher fragwürdig. Losgetreten hat die Diskussion der Linkedin-User Moritz Bornwasser. In seinem Post schreibt er unter anderem: „Dieser kleine Suchfilter kann den entscheidenden Unterschied machen, wenn Eltern sich überlegen, eine neue Herausforderung anzunehmen.“ Das gelte insbesondere „in familienfreundlichen Unternehmen, denen es an Sichtbarkeit in diesem Bereich fehlt“.

Quelle: Eigener Screenshot

Große Resonanz auf Filter der Deutschen Bahn 

Fast 1.000 Menschen (Stand Dienstagmittag) gaben dem Beitrag daraufhin positives Feedback (Likes oder Applaus), über 130 kommentierten den Beitrag. Unter HR-Fachleuten, die sich an der Diskussion beteiligten, standen dabei vor allem folgende Fragen im Zentrum: 

  • Was qualifiziert eine ausgeschriebene Stelle als „Job für Eltern“? 
  • Und was sind die Implikationen einer solchen Kategorisierung? Sind die anderen Jobs nichts für Eltern? 

So schreibt Andrea Böckle, Partnerin der Unternehmensberatung Work Futurists, sie würde „brennend interessieren, was aus Sicht der deutschen Bahn eine Position für Kriterien erfüllen muss, damit sie für Eltern geeignet ist“. Das beschäftigt auch andere. Die HR-Führungskraft Jasmin Benn-Maksimovic äußert: „Weiß nicht, ob ich das so feiere. Für mich ist das im Umkehrschluss so, dass alle Jobs die darunter nicht aufgelistet sind, nicht für Eltern geeignet sind?” Lena Pieper, Gründerin eines HR-Start-ups, scheint es zu befürworten: „Mega gut! Warum keine Werbung dafür Deutsche Bahn? Ist doch ein richtig cooler Move!”

Die Spannweite der Reaktionen ist groß: von „absolut zeitgemäß” bis „Ist schon 1. April?”

Was sagt die Deutsche Bahn selbst? 

Dort, wo es die Filterfunktion „Jobs für Eltern” gibt, finden sich keine Informationen zur Intention der Deutschen Bahn. Auch Erklärungen fehlen. Vermutlich gibt es deshalb so viele und unterschiedliche Reaktionen. Lediglich an anderer Stelle seines Karriereportals verweist der Konzern in der Unterrubrik „Familie und Beruf“ auf „besonders familienfreundliche DB-Jobs“, ohne dies genauer zu erörtern. Vielmehr werden dort verschiedene gesetzliche und tarifliche Ansprüche sowie Incentives genannt, darunter „zeitlich sowie örtlich flexibles Arbeiten, Elternzeit, Kinderbetreuung, Fahrvergünstigungen, Versicherungsangebote und Job Sharing“. Offene Positionen lassen sich auch dort finden – nach Eingabe des gewünschten Bundeslands, Stadt oder Region.

Um zu erfahren, was es mit der Filterfunktion auf sich hat und welche Parameter für das Label „Jobs für Eltern” entscheidend sind, hat unsere Redaktion bei der Bahn angefragt. Eine Rückmeldung dazu liegt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht vor. Allerdings äußerte sich eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn – Product Owner vom DB Karriereportal – unter dem Posting:

„Mit dem Prädikat ‚Ein Job für Eltern‘ markieren wir Jobs, die besonders gut für Eltern geeignet sind, weil sie Sicherheit, unbefristete Verträge, flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten bieten. Das heißt natürlich nicht, dass Eltern sich nicht auch auf andere Stellen bei der DB bewerben können – aber bei über 500 Berufsprofilen wollen wir hier besonders passende Stellen in den Vordergrund rücken. Das machen wir übrigens auch mit Jobs in der (Früh-)Rente.“

Kann so ein Filter problematisch sein? 

Abgesehen von technischen und terminologischen Fragen, bewerten einige Nutzerinnen und Nutzer das Tool der Bahn als Marketing-getrieben und sind skeptisch. Andere äußern inhaltlich weitreichendere Kritik. So ist es laut Susanne Cianci, politische Sekretärin bei der IG Metall Stuttgart, nicht zielführend „Jobs in passend für Eltern oder nicht zu unterteilen“. Vielmehr gelte es, „die Arbeitswelt generell anzupassen, damit Eltern in ihren Bedürfnissen gesehen sind“. 

Auch arbeitsrechtliche Fragen stellen sich aus Sicht mancher User: So kommentiert Heiko Elbert, General Coucil beim Schweizer Kosmetik- und Lebensmittelkonzern Mibelle Group, er sei „gespannt, wann die ersten Nicht-Eltern die Diskriminierungskarte spielen“.  

Damit spielt er offenbar auf das Problem an, dass bestimmte Zuschreibungen in Stellenanzeigen gegen das Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verstoßen. Bei Ablehnung von Bewerbenden, die nicht in diese Kategorie fallen, existiert ein rechtliches Risiko für Entschädigungszahlungen. Könnten sich kinderlose, abgelehnte Bewerber oder Bewerberinnen auf Diskriminierung berufen? Beispiele aus der Vergangenheit sind unter anderem Attribute wie „Digital Native“ oder „Jung und dynamisch“.

[Zuerst veröffentlicht wurde der Artikel am 3. Februar 2026. Zuletzt aktualisiert am 11. Februar 2026. Wir werden das Thema für Sie weiter begleiten, sobald weitere relevante Reaktionen eintreffen.] 

Gesine Wagner betreut als Chefin vom Dienst Online die digitalen Kanäle der Personalwirtschaft und ist als Redakteurin hauptverantwortlich für die Themen Arbeitsrecht, Politik und Regulatorik. Sie ist weiterhin Ansprechpartnerin für alles, was mit HR-Start-ups zu tun hat. Zudem verantwortet sie das CHRO Panel.

Frank Strankmann ist Redakteur und schreibt off- und online. Seine Schwerpunkte sind die Themen Arbeitsrecht, Mitbestimmung sowie Regulatorik. Er betreut zudem verantwortlich weitere Projekte von Medienmarken der F.A.Z. Business Media GmbH.