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Frauenquote – Deutschland Schlusslicht von zehn Ländern

männliche Hand stellt Scrabble-Stein mit Frauenfigur an Spitze einer Pyramide
Eine Frau an der Spitze? Wenn es um Chancen durch gesetzliche Quoten gilt, steht Deutschland in Europa vergleichsweise schlecht da. Foto: © Wolfilser/StockAdobe

In Europa haben zehn Nationen – acht osteuropäische EU-Mitglieder sowie Zypern und Malta – keinerlei gesetzliche Ziele für mehr Geschlechtergerechtigkeit in den Führungsetagen von Unternehmen definiert. Elf Nationen sprechen rechtlich unverbindliche Empfehlungen aus, etwa Dänemark, Schweden, Großbritannien, Irland, Griechenland, Polen, Rumänien und die Türkei. Rechtlich bindende Quoten für eine ausgewogenere Beteiligung von Frauen
und Männern an der Unternehmensspitze gibt es in zehn Ländern.

Norwegen ist Gleichstellungsspitzenreiter

Unter den zehn Staaten mit gesetzlichen Vorgaben hat Norwegen auf einer Skala von 0,5 bis 5 mit einem Index von 4,1 die wirksamste Regelung. Der Wert bemisst sich unter anderem danach, wie hoch die Quote ist, in welchem Teil der Unternehmen und für welche Gremien sie gilt und wie stark die Konsequenzen bei Missachtung sind. Auf den Folgeplätzen rangieren, teilweise mit erheblichem Abstand, Italien, Portugal, Spanien, Belgien, Frankreich, Island, Österreich und die Niederlande. Deutschland befindet sich mit einem Indexwert von lediglich 1,85 auf dem zehnten und damit letzten Platz. Das sind Ergebnisse der Studie “Ambition oder Symbolpolitik? Europäische Geschlechterquoten für Führungspositionen im Vergleich” des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung.

Deutsche Quote ist niedriger, gilt nur für wenige Firmen und nicht für Vorstandsposten

Die Frauenquote in Deutschland sieht zwar – im Unterschied zu Island oder Spanien – Sanktionen bei Missachtung vor, diese fallen laut Analyse jedoch relativ mild aus. Dass Deutschland so schlecht abschneidet, liegt daran, dass die Quote mit 30 Prozent niedriger ist als in einigen anderen Ländern, wo sie zwischen 33 bis 40 Prozent liegt, und weil sie nicht für Vorstandsposten und nur für die 107 Unternehmen gilt, die sowohl börsennotiert als auch paritätisch mitbestimmt sind.

Andere Länder, andere Regelungen

In den deutlich besser platzierten Ländern müssen meist zumindest alle börsennotierten sowie staatlich kontrollierte Unternehmen die Gleichstellungsziele erfüllen. In Frankreich, den Niederlanden, Spanien, Island und Österreich gilt die Quote darüber hinaus auch für private Unternehmen ohne Börsennotierung ab einer bestimmten Größe, zum Beispiel 50 Mitarbeiter in Island, 250 in den Niederlanden (plus mindestens 35 Millionen Euro Nettoumsatz) oder 500 in Frankreich. In Österreich werden alle privaten Unternehmen ab 1000 Beschäftigten – in der Analyse die höchste Untergrenze – einbezogen.

Bei Ausweitung der Frauenquote könnte Deutschland Platz vier erreichen

Die deutsche Position im Ranking könnte sich spürbar verbessern, wenn die Geschlechterquote auf alle börsennotierten und staatlich kontrollierten Unternehmen ausgedehnt würde. Dadurch würde die bisherige Reichweite von 107 Unternehmen auf circa tausend erhöht, bei Einbeziehung aller privaten Kapitalgesellschaften wären es sogar mehrere tausend Firmen. Gälte die Quote dann noch nicht nur für Aufsichtsräte, sondern auch für Vorstände und gäbe es schärfere Sanktionen bei Nichteinhaltung, könnte Deutschland sich auf Rang vier verbessern, so die Autoren.

Die vollständige Studie steht zum > Download zur Verfügung.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.