Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Uta Zech: „Stefan befördert Stefan und nicht Sabine“

Am 10.März veranstaltet der Verband Business & Professional Women (BPW) Germany im 14. Jahr in Folge den Equal Pay Day. Denn der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern ist immer noch groß. BPW-Präsidentin Uta Zech erklärt im Interview woran das liegt und was dagegen getan werden kann.  

Uta Zech ist überzeugt; wir brauchen striktere Gesetze, um eine Lohngleichheit zu erreichen. (Foto: BPW Germany)
Uta Zech ist überzeugt; wir brauchen striktere Gesetze, um eine Lohngleichheit zu erreichen. (Foto: BPW Germany)

Frau Zech, in der aktuellen Kampagne für den Equal Pay Day 2021 teilen sogenannte Game Changer aus den unterschiedlichsten Unternehmen mit, wie sie sich für Lohngerechtigkeit einsetzen. Damit sind sie Teil einer Bewegung, die schon seit Jahren aktiv ist. Wo stehen wir derzeit hinsichtlich Lohngerechtigkeit?

Uta Zech: 2008 haben wir in Deutschland mit der Equal-Pay-Day-Kampagne angefangen, um auf den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern aufmerksam zu machen. Damals waren es 23 Prozent, jetzt sind wir bei 19 Prozent. Die Zahlen werden vom Statistischen Bundesamt anhand von europaweiten Kriterien festgelegt. In Europa liegt die Gender Pay Gap bei 14,1 Prozent. Damit gehört Deutschland zu den Schlusslichtern in Europa.

Das scheint überraschend, gilt Deutschland in den meisten Bereichen doch als modernes Vorreiterland.

Ja, es gibt zwar viele gute Ansätze wie das “FüPo-Gesetz” (Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen) oder das Entgelttransparenzgesetz. Leider bringen diese Gesetze die Sache nur zögerlich und in sehr kleinen Schritten voran. Sie sind zu unkonkret und enthalten keine Sanktionen. Auch könnten die Verpflichtungen klarer formuliert und regelmäßig eingefordert werden. Transparente Kriterien, wie Arbeit beurteilt wird, würden faire Bezahlung in Unternehmen voranbringen.

Unternehmen müssen Erwerbsarbeit und unbezahlte Familienarbeit zusammendenken.

Diese klaren Gesetze existieren allerdings noch nicht. Warum fällt es vielen Arbeitgebern, Personalerinnen und Personalern schwer, Frauen und Männer als Arbeitskräfte gleich zu behandeln?

Rollenstereotype gehören bestimmt zu den größten Hindernissen. Es ist immer noch keine Selbstverständlichkeit, dass Väter mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen. Familien- und Hausarbeit sind immer noch Frauensache. Doch gerade das ist oft ein Karriereknick in Erwerbsbiografien von Frauen. Unternehmen müssen Erwerbsarbeit und unbezahlte Familienarbeit zusammendenken und einpreisen statt Care-Arbeit als Schadensfall zu sehen.

Kann die Corona-Pandemie daran etwas verändert haben?

Definitiv. Die Pandemie und der damit verstärkt einhergehende Umzug ins Home Office haben Männer mehr in den Familienalltag integriert. Diese Flexibilität von Arbeitsort und Zeit löst alte Denkmuster und damit verbundene Stereotypen auf und schafft neue Chancen. Was wir durch Corona auch erlebt haben, ist, wie essentiell Pflege- und Erziehungsberufe für unsere Gesellschaft sind – Berufe, in denen hauptsächlich Frauen arbeiten.

Das klingt nach einer Menge, das es zu beachten gibt. Warum sollten die Personalerinnen und Personaler dennoch diese Arbeit auf sich nehmen?

Wenn einmal klar definierte Kriterien festgehalten sind, nach denen das Gehalt der Mitarbeitenden berechnet wird, dann schafft dies auf recht unkomplizierte Weise eine Lohntransparenz, die allen zugutekommt. Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend stellt einen Gleichstellungscheck für kleine und mittlere Unternehmen zur Verfügung. Dieser Check lohnt sich. Ein Betrieb, der sich transparent aufstellt und Vereinbarkeit von Arbeit und Familie gewährleistet, wird als guter und sympathischer Arbeitgeber angesehen. Es gibt auch Studien, die besagen, dass Unternehmen mit gemischten Teams bessere Ergebnisse erzielen und die Mitarbeitenden kreativer sind. Und dann geht es natürlich vor allem auch um Herstellung von Gerechtigkeit und gesellschaftliche Verantwortung. Dafür brauchen wir so viele mutige Personaler und Personalerinnen wie möglich. Denn Lohngerechtigkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Uta Zech ist Präsidentin des Verbands Business & Professional Women Germany, einem der größten Netzwerke für Unternehmerinnen und berufstätige Frauen weltweit. Mit rund 30.000 Mitgliedern organisiert der Verband jährliche im März den Equal Pay Day, um auf die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern aufmerksam zu machen.