Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Dreimal mehr Homeoffice-Angebote als vor zwei Jahren

Technik im Homeoffice
Im Homeoffice werden von Mitarbeitern andere Anforderungen an Teamfähigkeit und Computerwissen gestellt. Foto: © Girts-stock.adobe.com

Eine aktuelle Analyse von Jobinseraten in Deutschland zeigt, dass Arbeitgeber in ihren Stellenanzeigen seit zwei Jahren deutlich häufiger eine Homeoffice-Option erwähnen als in den Jahren zuvor. Je nach Wirtschaftszweig, Berufsgruppe und Region ist die Tendenz jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Für die Studie des Ifo Instituts und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) wurden mehr als 35 Millionen Stellenanzeigen aller relevanten Online-Jobbörsen von Januar 2014 bis März 2021 sowie Internetauftritte von über 200 Unternehmen ausgewertet.

Anteil der Homeoffice-Jobinserate von 3,3 auf zwölf Prozent gestiegen

Zwischen 2014 und 2018 lag der Anteil der Homeworker hierzulande zumeist unter zwei Prozent; lediglich ein leichter Anstieg war erkennbar. 2019 enthielten 3,3 Prozent aller Online-Stellenausschreibungen ein Angebot für Remote Work. Danach ist der Anteil der Jobinserate mit einer Option auf Homeoffice im Laufe der Corona-Krise bis März 2021 auf zwölf Prozent gestiegen – das ist mehr als dreimal soviel wie 2019. Am stärksten -nahm das Angebot, zu Hause zu arbeiten, in Berufen zu, deren Homeoffice-Potenzial vorher zwar vorhanden, aber nicht ausgeschöpft war. Dort betrug die Steigerung fast das Fünffache. Dies liegt laut der Studie nahe, dass Unternehmen Jobs, die für Telearbeit geeignet sind, in ihren Stellenanzeigen seitdem vermehrt entsprechend bewerben. Ein hohes Homeoffice-Potenzial weisen vor allem Jobs für Fachkräfte in der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie für Betriebswirte bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern auf. In der Branche Finanzen und Versicherungen hat sich der Homeoffice-Anteil von sechs Prozent in 2019 auf 24 Prozent im ersten Quartal 2021 vervierfacht. In der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche hat sich das Angebot von Remote Work von neun Prozent in 2019 über 17 Prozent in 2020 auf 27 Prozent im März 2021 verdreifacht. Das Angebot, zu Hause zu arbeiten, hat sich aber nicht nur in einzelnen Wirtschaftszweigen, sondern branchenübergreifend erhöht. Das gilt zum Beispiel auch für die Sektoren Gesundheit und Sozialwesen, Erziehung und Unterricht sowie auch das Gastgewerbe.

Telearbeit ändert die Kompetenzanforderungen an Mitarbeiter

Aus der Studie geht auch hervor, dass Stellen, die explizit für das Arbeiten von zu Hause aus ausgeschrieben sind, in den Qualitätsanforderungen stark von anderen Angeboten abweichen. In mehr als drei Vierteln dieser Jobinserate (79 Prozent) wird Anpassungsfähigkeit an Veränderung genannt, während dies in Stellenanzeigen ohne Homeoffice-Option bei zwei Dritteln (66 Prozent) der Fall ist. An zweiter Stelle steht Teamfähigkeit mit 63 Prozent gegenüber 54 Prozent bei Inseraten ohne Möglichkeit für Telearbeit. Kenntnisse in der Computernutzung werden mit 43 Prozent nahezu doppelt so häufig erwähnt als bei Präsenz-Jobs (22 Prozent).

Durch die Verlagerung der Tätigkeit nach Hause entfallen eingespielte Abläufe, sowohl im sozialen Kontext als auch bei der Arbeitsorganisation an sich. Dies spiegelt sich in den von den Unternehmen nachgefragten Kompetenzen wider,

sagt KU-Forscherin Christina Langer.

Gesunkenes Stadt-Land-Gefälle bei Remote Work seit 2019

Für die Auswertung wurde auch untersucht, ob sich die Home-Office-Option in den Stellenausschreibungen je nach Region unterscheidet. Hier zeigt sich, dass Remote Work zwar wesentlich häufiger in Ballungsräumen und in Westdeutschland angeboten wird, ein Anstieg aber auch außerhalb urbaner Gebiete zu beobachten ist: Im Vergleich zu 2019 ist das Stadt-Land Gefälle in dieser Hinsicht um 30 Prozent gesunken. Besonders hohe Anteile an Homeoffice-Stellen im Zeitraum zwischen März 2020 und März 2021 verzeichneten unter anderem Städte wie München (17 Prozent), Köln und Bonn (je 16 Prozent und Berlin (15 Prozent), aber auch kleine Landkreise wie Gifhorn (21 Prozent) und Lichtenfels (17 Prozent).

Insgesamt gehe aus den Studienergebnissen deutlich hervor, dass Unternehmen ihre Arbeitsorganisation verstärkt auf das Homeoffice ausrichten, so Christina Langer. Die Annahme vieler Führungskräfte, Telearbeit würde die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter beeinträchtigen, hat sich laut Studie nicht bestätigt. Für die Zukunft des Homeoffice sei es allerdings entscheidend, dass Unternehmen dazu bereit sind und die Kapazitäten aufweisen, ihre Art der Führung auf eine hybrid arbeitende Belegschaft anzupassen.

Ein Aufsatz mit weiteren Ergebnissen der Studie kann > hier heruntergeladen werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.