Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Finden Rüstungsunternehmen und Bundeswehr nun leichter Mitarbeitende?

Die Bundesregierung hat jüngst bekannt gegeben, 100 Milliarden Euro in die Bundeswehr im Jahr 2022 zu investieren. Damit sollen die Verteidigungsbehörde besser aufgestellt und neue, modernere Waffen eingekauft werden. Doch Geld ist hierbei nicht alles. Um den Plan aufgehen zu lassen, benötigt zum einen die Bundeswehr mehr Personal. Zum anderen brauchen Unternehmen in der Rüstungsindustrie mehr Fachkräfte, um besagte Ausrüstung herzustellen. Eine Aufgabe, die für HR-Expertinnen und -Experten auch unter dem bisherigen doch eher negativen öffentlichen Ruf der Branche nicht einfach zu sein scheint – so die Annahme.

Doch der Ukraine-Krieg könnte das Image der Verteidigungs- und Rüstungsindustrie verbessern. Fragt sich nur, ob dies überhaupt nötig ist. Denn das Bewerbungsaufkommen in der Rüstungsindustrie etwa bei Heckler & Koch und Rheinmetall sowie bei der Bundeswehr ist schon seit ein paar Jahren laut eigenen Aussagen überraschend gut. Von einem zusätzlichen Bewerbungsanstieg könne bisher nur in einem kleinen Umfang gesprochen werden.

Bundeswehr freut sich über mehr Interessenten

„Wir registrieren seit dem Ausbruch des Kriegs eine erhöhte Zahl an Interessentinnen und Interessenten, die über das in unserem Internetauftritt hinterlegte Kontaktformular oder über unsere Karrierehotline Kontakt mit uns aufnehmen“, sagt eine Sprecherin der Bundeswehr Köln. Dementsprechend seien in den vergangenen Wochen auch mehr Erstgespräche vereinbart und durchgeführt worden. Ob sich im Nachgang wirklich mehr Talente bei der Bundeswehr bewerben, müsse abgewartet werden.

Für die Bundeswehr sei ein solcher Anstieg allerdings nicht unbedingt nötig, um funktionsfähig zu sein. „Wir verzeichnen ein konstant hohes Interesse an unserer Institution und jährliches Bewerbungsaufkommen“, sagt die Bundeswehr-Sprecherin. Konkret heißt das: Zwischen den Jahren 2018 und 2020 haben sich jährlich im Schnitt rund 50.000 Menschen als Soldaten beworben und mehr als 80.000 für eine Stelle im Bereich der zivilen Arbeit innerhalb der Behörde. Eingestellt wurden etwa 19.000 Soldaten und Soldatinnen pro Jahr sowie rund 5.000 zivile Mitarbeitende. Doch in speziellen Bereichen habe auch die Bundeswehr Probleme, neue Beschäftigte zu finden. „Das Gewinnen von Fachkräften, wo wir mit der Wirtschaft oder anderen öffentlichen Einrichtungen in Konkurrenz stehen, bleibt auch für uns eine Herausforderung“, so die Sprecherin und nennt hier im Besonderen die Gewinnung von IT-Spezialisten, Medizinerinnen und Juristen.

Employer Branding nicht nur an politische Sicherheit geknüpft

Auch die Rüstungsunternehmen Heckler & Koch und Rheinmetall zeigt sich zufrieden mit dem derzeitigen Bewerberaufkommen – aber auch dem der vergangenen Jahre. „Wir erhalten nach wie vor gute Bewerbungen“, sagt ein Sprecher von Heckler & Koch. Das sei aber auch vor dem Kriegsausbruch in der Ukraine der Fall gewesen. Das Unternehmen habe vielmehr bereits 2014 eine Nachfrage- und damit verbundene Produktionssteigerung beobachtet. „Seit der russischen Annexion der Krim hat sich der Bedarf an Waffen spürbar erhöht“, sagt der Sprecher. Daraufhin sei die Produktion modernisiert und mehr Personal eingestellt worden. Um neuen Angestellte zu finden, betone Heckler & Koch allerdings nicht nur den Beitrag zur Sicherheit und Frieden, den das Unternehmen leiste, sondern präsentiere sich vor allem als regionaler Arbeitgeber und Spielwiese für technikaffine Menschen. Letztere beiden Attraktivitätsmerkmale haben sich durch den Ukraine-Krieg nicht verändert.

3.000 neue Stellen sollten besetzbar sein

Von größeren Auswirkungen hört man dahingegen von Rheinmetall. Wie unter andere die Westfälische Rundschau berichtet, sieht Unternehmenschef Armin Pappenberger sein Unternehmen nun schon mit Aufträgen für die kommenden rund zehn Jahre ausgelastet. Bei der Bekanntgabe der Unternehmenszahlen sprach Pappenberger davon, wie Rheinmetall von Aufträgen für Munition, Panzer und andere Militärfahrzeuge überrannt werde. Das größte Problem sei es nun, diese Aufträge auch ausfüllen zu können.

Dafür wolle er bis zu 3.000 zusätzliche Fachkräfte einstellen, die Hälfte davon in Deutschland. Ein Großteil dieser neuen Mitarbeitenden soll schon bis zum Jahresende gefunden sein. Sorgen, diese Beschäftigten zu finden, hat der Rheinmetall-Chef nicht. Alleine 2021 seien in Deutschland rund 64.000 Initiativbewerbungen beim Rüstungsunternehmen eingegangen. Damit ist die Zahl der Bewerbungen mehr als doppelt so hoch wie die Mitarbeitendenzahl, die derzeit weltweit bei etwa 25.000 liegt. Ob der Ukraine-Krieg hier einen zusätzlichen Schub an Bewerbungen beschert, bliebt abzuwarten.

Während Rheinmetall freudig die positive Entwicklung des Unternehmens teilt, zeigen sich andere Unternehmen der Rüstungsindustrie zurückhaltend. So etwa Diehl Defense. Laut der Süddeutschen Zeitung hat das Unternehmen 2020 mit einem Umsatz von rund einer halbe Milliarden Euro das zweitbeste Jahr der Firmengeschichte (seit 1902) verzeichnet und schreibt derzeit rund 200 Stellen aus – eine Entwicklung, die wohl nichts mit dem Ukraine-Krieg zu tun hat. Auf Anfrage der Personalwirtschaft sagt ein Unternehmenssprecher dazu nur so viel: „In der Tat haben wir unbesetzte Stellen, das aber schon seit einige Zeit und unabhängig von den aktuellen Ereignissen in der Ukraine. Deshalb möchten wir Abstand davon nehmen, die beiden voneinander unabhängigen Themen in einem kausalen Zusammenhang miteinander zu besprechen.“

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.