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Mitarbeiterfluktuation frühzeitig verhindern

Menschen fangen Zahlen mit Kescher.
Mit prädiktiver Analyse gegen Mitarbeiterfluktuation ankämpfen, Bild: Culture Amp

Verlassen Mitarbeiter das Unternehmen, dann ist das meist mit hohen Kosten verbunden: Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger ist teuer und bindet Kapazitäten, Prozesse werden durch die Vakanzen gestört und Kollegen, die die liegengebliebene Arbeit übernehmen müssen, fühlen sich überlastet oder werden krank. All das kann negative Auswirkungen auf die Motivation der verbliebenen Belegschaft haben und einen ungewollten Dominoeffekt in Gang setzen – ganz zu schweigen vom Know-how, das möglicherweise zum Wettbewerb abwandert.

Eine Deloitte-Studie hat die durchschnittlichen Grundkosten für Mitarbeiterfluktuation bereits 2018 mit 14.900 € beziffert, bei Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern lag dieser Wert aufgrund der Komplexität der Abläufe sogar bei mehr als 17.000 €. Mittlerweile dürften die mit einer Neubesetzung verbundenen Aufwendungen weiter angestiegen sein, denn die Pandemiesituation hat die Wechselfreudigkeit der Arbeitnehmer noch beschleunigt. So planen laut einer Studie von Personio 45% der Arbeitnehmer in den nächsten Monaten einen Jobwechsel. Der derzeitige Arbeitsmarkt spricht durchaus für dieses Vorhaben: 58% der Unternehmen wollen innerhalb des nächsten Jahres neue Mitarbeiter einstellen. Vor allem Technologieunternehmen und der IT-Bereich von Unternehmen stehen unter Druck und suchen händeringend nach Fachkräften.

Frühzeitig Risiken erkennen

Menschen in Coworking-Space.

Demnach kann das rechtzeitige Wissen darüber, welchen Gruppe oder Teams über einen Wechsel nachdenken, einem Unternehmen hohe Kosten einsparen. Wenn sich dann auch noch die konkreten Gründe für den Wunsch nach einem neuen Arbeitsplatz identifizieren lassen, dann können Unternehmen mit gezielten Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung gegensteuern.

Doch wie kommen HR-Verantwortliche an diese Informationen, die ihnen helfen, besser zu verstehen, warum Mitarbeiter das Unternehmen verlassen wollen? Abgesehen von Exit-Gesprächen mit Mitarbeitern, die bereits gekündigt haben, nutzen bisher wenig Unternehmen die Chance der prädiktiven Analytik. Dabei bietet die Methode die Möglichkeit herauszufinden, weshalb die Employee Experience von den Mitarbeitern als unzureichend empfunden wird. Denn auch in Personalgesprächen kommunizieren Mitarbeiter nicht immer offen, wo der Schuh drückt. Hinzu kommt, dass es meist ein ganzes Bündel an diffusen Gefühlen ist, die Mitarbeiter zu einem Wechsel bewegen.

Genaue Einschätzungen eröffnen Handlungsspielraum

Die prädiktive Analysefunktion der Culture Amp-Plattform kann Einschätzungen abgeben, ob und wer im Unternehmen an einen Wechsel denkt. Die Datenplattform für Employee Experience arbeitet dabei mit einem Modell, das auf der Auswertung riesiger Datenmengen basiert und deshalb sehr genaue Ergebnisse liefert.

Insgesamt verfügt die Culture Amp Plattform, die Themenbereiche wie Employee und Candidate Experience, Employee Engagement sowie Employee Performance umfasst, über umfangreiche Daten von weltweit über 4500 Unternehmen. Allein in den letzten 12 Monaten sind im Rahmen von Mitarbeiterbefragungen in ca. 450 Unternehmen mit einer westeuropäischen Präsenz rund 4,5 Millionen Fragen beantwortet worden. Auf der Basis dieser Datenbank erreicht die Plattform so genaue Vorhersagen, wie sie sonst nur mit großen internen Teams für Personalanalytik und Data Science erzielt werden. Ein Teil dieser historischen Daten werden mit den aktuellen Resultaten aus den Mitarbeiterumfragen eines Unternehmens verknüpft und analysiert.

Signale für Unzufriedenheit analysieren

Dashboard.

Dabei geht es um mehr als nur die Frage “Wo sehen Sie ihren Arbeitsplatz in zwei Jahren?”. Es werden unter anderem Antworten auf unterschiedliche Fragen aus Mitarbeiterbefragungen sowie demographische Informationen berücksichtigt, um Aussagen darüber zu treffen, welche Gruppen oder Teams mit großer Wahrscheinlichkeit von Fluktuation betroffen sein werden. Es gibt also weitaus subtilere Signale, die anzeigen, ob sich Mitarbeiter gedanklich mit einem Wechsel befassen. Dazu gehören z.B. sich verändernde Muster über mehrere Mitarbeiterumfragen hinweg zum Thema Employee Engagement, die auf komplexe Art und Weise zusammenspielen und entsprechende Hinweise liefern. Diese Muster sind jedoch nicht leicht zu durchschauen, denn wie engagiert Mitarbeiter sind und wie groß ihre emotionale Verbundenheit zum Unternehmen ist, hängt von Faktoren wie Arbeitsklima, Führungsstil oder der Kommunikationskultur ab. Diese Aufgabe übernimmt die KI der Plattform und berücksichtigt bei ihrer Analyse eine Kombination von offensichtlichen und subtilen Signalen, um konkrete Fluktuationsrisiken zu erkennen.

Mit den Erkenntnissen, die Personalabteilungen aus einer solchen Datenanalyse ableiten können, lassen sich anschließend konkrete Verbesserungsbereiche identifizieren und unmittelbare, zielgerichtete Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung umsetzen. Auch wenn nicht alle wechselwilligen Mitarbeiter gehalten werden können – mit jedem Kandidaten, der aufgrund eines entsprechenden Kulturwandels und guten Angeboten zur Weiterentwicklung im Unternehmen bleibt, können Kosten gespart und der Abfluss von Know-how eingeschränkt werden.