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Muss der Arbeitgeber die Einrichtung des Homeoffice bezahlen?

Die Bank ING Deutschland zahlt ihren Mitarbeitenden teilweise die Ausstattung für das Homeoffice. Vor Kurzem hat die Bank begonnen, ihren Beschäftigten ein einmaliges Budget in Höhe von 1.500 Euro für die Einrichtung ihres Arbeitsplatzes zu Hause zur Verfügung zu stellen. Doch bei einer Einmalzahlung soll es nicht bleiben: Alle fünf Jahre werden die ING-Mitarbeitenden von ihrem Arbeitgeber ein Ausstattungsbudget in Höhe von 1.000 Euro erhalten, um ihre Ausrüstung auf dem neusten Stand zu halten, heißt es vonseiten der ING.

Derzeit wird das Geld noch direkt auf das Konto der Mitarbeitenden überwiesen, später soll das Guthaben in Form eines Gutscheins ausgeteilt werden, der für einen unternehmensinternen Online-Store gilt. Aktuell ist der Online-Store noch nicht verfügbar. Welches Mobiliar und technische Equipment die ING-Beschäftigten auswählen, steht ihnen frei. Sie können selbstständig festlegen, wie sie ihren Arbeitsplatz gestalten. “Bei der Höhe des Budgets haben wir uns daran orientiert, was sich unsere Mitarbeitenden – zusätzlich zu der vom Arbeitgeber gestellten technischen Grundausstattung – anschaffen würden”, sagt Sebastian Harrer, Personalchef der ING Deutschland. “Dies haben wir gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen vom Einkauf und Facility Management kalkuliert.” Bei der Planung habe sich die ING-Personalabteilung zudem stark an den Werten Eigenverantwortung und Flexibilität orientiert, die nach eigenen Aussagen gemeinsam mit dem 2019 begonnenen Wandel zur agilen Bank die Zusammenarbeit im Unternehmen charakterisieren sollen. Das Ausstattungsbudget erhalten alle Mitarbeitenden – egal ob sie im Homeoffice oder im Büro arbeiten. Zudem gilt: “Das im Online-Shop erworbene Equipment geht in das Eigentum des Mitarbeitenden über.”

Allianz zahlt Mitarbeitenden Zuschüsse für die Büroausstattung

Auch bei der Allianz erhalten Mitarbeitende ein Ausstattungsbudget, wobei dies mit einmaligen 300 Euro weit unter dem von der ING bereitgestellten Budget liegt. Zusätzlich erhalten Mitarbeitende Gelder, um einzelne Ausstattungselemente zu beschaffen.: “Wir bezuschussen den Kauf eines hochwertigen Bürodrehstuhls mit 150 Euro”, sagt eine Unternehmenssprecherin. “Alternativ erhalten die Mitarbeitenden einen steuer- und sozialversicherungsfreien Zuschuss von mehr als 100 Euro für den Erwerb ergonomischer Homeoffice-Ausstattung. Das Angebot kommt bei den Beschäftigten sehr gut an.”

Der Arbeitnehmer hat grundsätzlich einen Aufwendungsersatzanspruch, den er auch gerichtlich durchsetzen kann.

Mit ihrem Angebot tun die ING und die Allianz aber nicht nur ihren Mitarbeitenden etwas Gutes, sondern gehen auch ihrer Pflicht nach. Denn: “Der Arbeitgeber ist für die Einrichtung des Homeoffice zuständig und trägt grundsätzlich die damit verbundenen Kosten beispielsweise für das Mobiliar und die technischen Geräte”, sagt Arbeitsrechtlerin Dr. Joanna Zoglowek von der Kanzlei CMS Hasche Sigle. Auch laufende Kosten im Homeoffice – etwa Miete, Strom und Internet – könnten anhand von Pauschalen des Arbeitgebers dem Arbeitnehmer teilweise erstattet werden. Wer als Arbeitgeber dem auf Bitte des Arbeitnehmers nicht nachkommt, laufe der Gefahr aus, verklagt zu werden. “Der Arbeitnehmer hat grundsätzlich einen Aufwendungsersatzanspruch, den er auch gerichtlich durchsetzen kann”, sagt Rechtsanwältin Dr. Zoglowek. Dies beziehe sich auf alle Aufwendungen, die der Arbeitnehmer im überwiegenden Interesse des Arbeitgebers getätigt hat und die der Arbeitnehmer als erforderlich halten durfte.

Ausnahmen gibt es allerdings: Wenn dem Mitarbeitenden ein Arbeitsplatz vor Ort im Betrieb zur Verfügung gestellt wird und er oder sie ausschließlich auf eigenen Wunsch ins Homeoffice zieht. Die oben genannten Ansprüche kommen zudem laut Dr. Zoglowek grundsätzlich nur für das Arbeiten von zu Hause aus in Betracht. “Bei mobiler Arbeit entfällt die Einrichtung eines kompletten Arbeitsplatzes”, sagt die Rechtsanwältin. In diesem Fall müsse der Arbeitgeber lediglich die technische Ausstattung stellen.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.