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Kluge Gestaltung – gute Mitarbeiterbindung

Portrait von Wilhelm-Friedrich Puschinski

Personalwirtschaft: Was macht aus Arbeitnehmersicht eine gute bAV aus?

Wilhelm-Friedrich Puschinski: Eine gute bAV entspricht den Bedürfnissen des Mitarbeiters. Anders als noch zehn Jahren beschäftigen sich Arbeitnehmer heute nämlich intensiv mit dem Thema Altersversorgung und haben genaue Vorstellungen davon, wie eine bAV aussehen soll, die zu ihrem Leben passt.

Wie muss eine bAV ausgestattet sein, damit sie die Bedürfnisse der Mitarbeiter erfüllt?

Selbstredend gibt es keine allgemeingültige Antwort. Wir konnten aber in einer Studie die wesentlichen Merkmale herausfiltern, die alters- und zielgruppenübergreifend die Bedürfnisse und Erwartungen der Mitarbeiter an eine bAV beschreiben.

Absolut wichtig für Beschäftigen ist die aktive und kümmernde Rolle des Arbeitgebers. Die Mitarbeiter haben in Fragen der Altersvorsorge sehr großes Vertrauen in ihren Arbeitgeber, da er anders als privatwirtschaftliche Anbieter kein persönliches Geschäftsinteresse hat. Sie selbst denken nicht in Durchführungswegen und möchten sich auch nicht den Kopf auch über Kapitalanlagemöglichkeiten zerbrechen. Sie wollen die bAV in der sicheren Hand ihres Arbeitgebers wissen, der außerdem durch Kollektivverträge ein besseres Preis-Leistungsverhältnis anbieten kann. Daher wissen sie es sehr zu schätzen, wenn der Arbeitgeber ein System auswählt, ein Angebot unterbreitet und es verständlich erläutert.

Wenn nun eine bAV-Angebot auf dem Tisch liegt: Nach welchen Kriterien wird es von Mitarbeitern beurteilt?  

Vor allem muss die bAV sicher sein und flexibel. Das sind mit Abstand die wichtigsten Forderungen. Sicherheit wiegt für Beschäftigte höher, als eine hohe Rendite. Sie möchten bei der Alterssicherung keine Risiken eingehen. Ebenso wichtig ist ihnen Flexibilität. Auf die bAV bezogen heißt das: Sie möchten die Höhe der Einzahlungen anpassen können je nach Phase im Lebens- und Berufszyklus; ebenso legen sie viel Wert auf flexible Auszahlungsoptionen. Die einen wünschen eine monatliche Rente, andere eine Kapitalauszahlung und dritte eine Kombination aus beidem. Dies wird von Mitarbeiter als bedarfsgerecht empfunden.

Außerdem gewinnt die Absicherung im Risikofall an Bedeutung. Da nicht alle Arbeitgeber die Risikoabsicherung selber finanzieren wollen und Mitarbeiter durchaus bereit sind, hierfür eigenes Geld auszugeben, denken viele Unternehmen darüber nach, diese separat über Entgeltumwandlung anzubieten. In diesem Fall empfiehlt es sich, dass der Arbeitgeber attraktive und bezahlbare Produkte vorauswählt und den Mitarbeiter informiert.

Wie wichtig sind Eigenanteil und Matching-Beitrag bei der bAV?

Wir haben festgestellt, dass sich die bAV bedarfsgerechter durch eine gemischte Finanzierung gestalten lässt. Insbesondere eignen sich Modelle, bei denen eine Eigenleistung des Arbeitnehmers vom Unternehmen bezuschusst wird (das so genannte Matching). Interessanterweise wertschätzen Mitarbeiter den Arbeitgeberbeitrag deutlich stärker, wenn sie dessen Höhe durch ihre Eigenleistung beeinflussen können. Die Wertschätzung gegenüber der bAV steigt signifikant, die Identifikation mit dem System erhöht sich ebenso wie die Teilnahmequote an der Entgeltumwandlung.

Welchen Einfluss hat die Kommunikation im Rahmen einer bedarfsgerechten bAV?   

Mitarbeiter, die ihre bAV gar nicht genau kennen, können sie für sich nicht optimal nutzen und sind auch nicht in der Lage zu beurteilen, ob sie bedarfsgerecht ist – dann empfinden sie ihre bAV auch als nicht passend. Hingegen fühlen sich 76 Prozent der Mitarbeiter, die ihre bAV als bedarfsgerecht eingestuft haben, gut informiert, jedoch nur 31 Prozent derjenigen, die mit ihrer betrieblichen Altersvorsorge nicht so zufrieden waren. Das heißt, die Kommunikation ist ein wesentliches Mittel, um eine bedarfsgerechte bAV überhaupt erst zu realisieren. Nur der gut informierte und nicht überforderte Mitarbeiter kann seine Entscheidungen passend zu seinem Leben- und Karrierezielen treffen.

Das heißt aber auch: ‚One size fits all‘ funktioniert nicht. Wie aufwendig ist die Administration?

Der Administrationsaufwand lässt sich durchaus gut eingrenzen, vor allem wenn das Thema Administrierbarkeit schon bei der Gestaltung eines Pensionsplans berücksichtigt wird. So kann zum Beispiel die gewünschte Höhe der Eigenbeteiligung einmal jährlich abgefragt werden. Damit bleibt die Anzahl der zusätzlich notwendigen Prozesse für die Umsetzung der Mitarbeiterwünsche überschaubar. Einige der Mitarbeiterwünsche haben die Arbeitgeber in jüngster Zeit auch schon integriert, was auch für eine leicht durchführbare Administration spricht. So sehen beispielweise laut › bAV-Index die seit 2016 eingeführten Pläne schon zu 95 Prozent die flexible Wahl der Auszahlungsform vor.

Was haben Unternehmen davon, wenn sie sich auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einstellen?

Der Mehrwert ist enorm und übersteigt den Aufwand bei weitem. Eine bedarfsgerechte bAV spielt ihre Vorteile in der Rekrutierung aus: 43 Prozent der befragten Mitarbeiter geben an, dass die bedarfsgerechte bAV ein wichtiger Grund war, sich für ihren Arbeitgeber zu entscheiden. Bei einer nicht bedarfsgerechten oder neutral bewerteten bAV trifft dies nur auf 13 Prozent der Befragten zu. Auch die Wechselabsichten lassen sich beeinflussen. Für 58 Prozent der Befragten war ihre als bedarfsgerecht empfundene bAV ein zentraler Grund, bei ihrem Arbeitgeber zu bleiben. Eine als weniger passende eingestufte bAV hinderte nur 17 Prozent an einem Wechsel. Eine gut gestaltete bAV hat also spürbare personalpolitische Effekte. 

Von: Christiane Siemann

Der Deutsche bAV-Index 2018 steht hier zum kostenlosen Download bereit.

Dies ist ein Beitrag aus unserem aktuellen Special von Willis Towers Watson › hier.