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Zielgruppenansprache: Wer sucht wo nach Infos zu Jobs und Beruf?

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Unternehmen in Deutschland haben zunehmend Probleme, geeignetes Personal zu finden. Die Rede ist immer häufiger von einem Kandidatenmarkt, das heißt, Jobsuchende können sich ihre Arbeitgeber selbst auswählen. Gleichzeitig ist die Wechselbereitschaft der Beschäftigten hoch. Um die begehrten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen rekrutieren zu können, ist es für Unternehmen deshalb wichtig, die Quellen zu kennen, in denen sich Beschäftigte und Berufseinsteiger und -einsteigerinnen vorrangig über Beruf und Karrierethemen informieren. Der „Trend Report Recruiting“ von Trendence, Beratungs- und Marktforschungsunternehmen für Data-Driven Recruiting & Employer Branding, hat das Nutzungsverhalten von Studierenden, berufserfahrenen Akademikern und Akademikerinnen sowie Fachkräften erfragt. An der Erhebung von April 2022 bis März 2023 nahmen 42.817 potenzielle Bewerber und Bewerberinnen teil.

Akademische Professionals setzen auf Jobportale und Business Netzwerke

Kandidaten und Kandidatinnen mit akademischer Ausbildung und Berufserfahrung informieren sich hauptsächlich in Online-Jobbörsen und Business-Netzwerken rund um die Themen Beruf und Karriere. An erster Stelle bei diesen Befragten steht die Jobseite Indeed, auf die gut ein Drittel (35 Prozent) zugreift. Es folgen die beruflichen Netzwerke Linkedin mit 33 Prozent und Xing mit rund 32 Prozent. Dahinter rangiert mit Stepstone wieder eine Jobbörse. Der Anteil ist allerdings gegenüber 2021 (42 Prozent) auf 29 Prozent und damit deutlich gesunken. Auf Platz fünf befindet sich die Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu mit 24 Prozent. Alle weiteren Informationsquellen erreichen weniger als 20 Prozent.

Hochschulnachwuchs sucht auf Jobbörsen auch Karriereinfos

Auch bei den Absolventen und Absolventinnen nimmt die Jobbörse Indeed den ersten Rang ein, wenn es darum geht, sich um Beruf und Karriere zu informieren – hier liegt der Anteil bei mit rund 45 Prozent noch höher als bei den Professionals, die bereits über Joberfahrung verfügen. Die Folgeplätze nehmen Linkedin (34 Prozent), Stepstone und Xing (je 29 Prozent) ein, während Kununu nur auf 17 Prozent kommt. Das Ergebnis zeigt, dass sich akademische Talente unter anderem stark in Quellen informieren, über die auch die direkte Jobsuche möglich ist. Das heißt, so Trendence, dass sie bei Indeed & Co. neben einem umfangreichen Angebot an Stellenanzeigen auch die Karriereinformationen erwarten, die ihre Jobsuche bereichern. Die Handlungsempfehlung an Unternehmen, die sich an diese Zielgruppe wenden, lautet deshalb, dass sie sich breit aufstellen sollten, wenn sie ihre Arbeitgebermarke im Netz präsentieren. Führende Jobbörsen seien für die Arbeitgeberkommunikation genauso sinnvoll wie Arbeitgeberbewertungsportale, aber auch Nischen-Jobbörsen. Was die Business-Netzwerke betrifft, sollten Xing und Linkedin gleichermaßen bedient werden

Fachkräfte müssen zielgruppengerecht angesprochen werden

Das Informationsverhalten der Fachkräfte im Hinblick auf berufliche Themen sieht erwartungsgemäß anders aus als bei akademisch gebildeten Kandidaten und Kandidatinnen. Zwar steht auch hier Indeed mit einem Nutzungsgrad von 36 Prozent an der Spitze und hat seit dem letzten Jahr die Bundesagentur für Arbeit auf Platz zwei verdrängt, dennoch spielt die Jobbörse der BA mit 25 Prozent weiterhin eine wichtige Rolle. Interessant ist, dass letztes Jahr Ebay Kleinanzeigen in die Top Drei dieser Zielgruppe aufgestiegen ist und derzeit einen Anteil von 23 Prozent einnimmt. Auf den Plätzen vier und fünf befinden sich Stepstone (22 Prozent) und Xing (18 Prozent). Linkedin kommt mit 15 Prozent erst auf den siebten Rang. Berufliche Netzwerke sind damit für die sogenannten Blue Collars weniger relevant als für die zuvor genannten Zielgruppen. Für Unternehmen, die sich an nicht akademische Fachkräfte adressieren und möglichst alle Kandidatengruppen mit nur einer Internetpräsenz erreichen wollen, lautet die Empfehlung, auf große Generalisten-Jobportale wie Indeed zu setzen und auch dort Arbeitgeberinformationen zu kommunizieren. Gleichzeitig sollten Arbeitgeber aber auch die Spezialisten-Seiten für Fachkräfte im Blick behalten wie die Jobseite der BA, Kleinanzeigen oder meinestadt.de (mit 16 Prozent auf Platz sechs).

Für Blue Collars werden Instagram & Co. sowie WhatsApp auch zur Jobsuche wichtiger

Ein weiteres Ergebnis der Befragung ist, dass Soziale Medien außerhalb von beruflichen Netzwerken inzwischen für Jobinformation und -suche mehr an Bedeutung gewinnen, wenngleich sie bei Akademikern und Akademikerinnen bislang eine geringere Rolle spielen als für Fachkräfte. Bei den Blue Collars nimmt hierbei Facebook immer noch Platz eins ein, jedoch sind Instagram, WhatsApp, YouTube und TikTok im Aufwind, so dass Unternehmen zumindest beim Recruiting von Fachkräften auch diese Seiten berücksichtigen sollten, so der Report. Auf jeden Fall werde die direkte Kommunikation mit Kandidaten und Kandidatinnen wichtiger, so die Studie. Unternehmen, die beim Recruiting in dieser Hinsicht kreative Lösungen erarbeiten, um ob und Arbeitgebermarke zu präsentieren, würden künftig davon profitieren.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.