1978: Von Wissensmanagement und Kommunikation

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Wie man die Mitarbeitenden am besten informieren kann, war schon 1978 eine wichtige Frage. Eine so wichtige, dass die Personalwirtschaft dem Thema seinerzeit gleich zwei Beiträge widmete. Denn: „Der mitdenkende und mitverantwortlich handelnde Arbeitnehmer ist immer mehr gefragt“, wie es Schriftleiter Helmut Frey in der November-Ausgabe formuliert. Deshalb seien schlecht informierte Mitarbeiter teure Mitarbeiter – was damals wie heute wohl jeder Personalverantwortliche unterschreiben würde.

Doch wie konnte man Mitarbeitende damals niedrigschwellig informieren, ganz ohne E-Mail, Teams oder virtuelle Meetings ? Natürlich am Schwarzen Brett. Zwar gab es 1978 mit dem Programm CBBS die erste Computer-Mailbox der Geschichte – in den meisten Unternehmen war Kommunikation jedoch noch ganz überwiegend analog. Fragen zu Formaten und Kompabilitäten stellten sich dennoch. Denn, wie in der Januar-Ausgabe zu lesen ist, „sieht die betriebliche Wirklichkeit doch so aus, daß sich jedes Labor, jede Werkstatt, jedes Büro sein eigenes schwarzes Brett beschafft. Dies führe laut dem Autoren Braun dann „zu einem Wust verschiedener Formate, verschiedener Materialien und verschiedener Gestaltungen.“ Sein „Tipp des Monats“: Ein Grundbrett für zehn Anschläge (DIN A 4) und ein Erweiterungsbrett für vier Anschläge (DIN A 4). Nicht fehlen dürfe das Firmensymbol. Und: „Fest installierte Klemmvorrichtungen haben den Vorteil, […] daß sie ein vorgegebenes Ordnungsschema erzwingen.“

Frey hat in seinem Beitrag gut ein Dreivierteljahr später noch einen anderen Vorschlag: „Betriebe mit eigener Werkszeitschrift haben es leicht, ihren Mitarbeitern berufsbezogene Informationen zugänglich zu machen.“ Allerdings, bemängelt der Personalwirtschaft-Chef, würde eine solche Werkzeitschrift vor allem in kleinen Unternehmen als „sozialer Klimbim“ abgetan und seien sowieso zu teuer.

Doch die Überzeugung dass schon alle Mitarbeitenden irgendwie erfahren würden, was in der Firma wichtig ist, war damals so trügerisch und gefährlich wie heute. Denn gezielte Mitarbeiterinformation, so Frey, ist „ein geeignetes Mittel, Gerüchten und Spekulationen mit allen negativen Auswirkungen entgegenzuwirken.“ Wohl wahr.

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Interview des Jahres

1978 war es sieben Jahre her, dass das reformierte Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) in Kraft trat – gegen den Protest vor allem aus dem Arbeitgeberlager. Einer der damaligen Befürworter der Reform war Dr. Wolfgang Wegmann, 1978 geschäftsführender Gesellschafter der Firma Kuntze. Er habe bei der Verabschiedung 1971 die Wirksamkeit der Reform gesehen, berichtet er im Interview mit der Personalwirtschaft, insbesondere in Bezug auf § 2.1: In diesem wird nämlich die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Betriebsparteien gefordert. 

Im Interview in der Mai-Personalwirtschaft zeigte sich Wegmann dann jedoch eher ernüchtert: „Die Kritiker der ersten Stunde“, so Wegmann, scheinen „die Entwicklung realistischer eingeschätzt zu haben.“ Unter anderem bemängelte er den „permanenten Profilierungszwang der Gewerkschaften zum Zwecke der Bestandserhaltung bzw. Steigerung ihrer Mitgliederzahlen.“ Manch ein heutiger Leser dürfte sich da an die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer erinnert fühlen. 

Tatsächlich war 1978 kein gutes Jahr für den Betriebsfrieden. So standen in dem Jahr Betriebsratswahlen an. Zugleich, so die Tagesschau in einem Jahresrückblick für das Jahr 1978, gingen in diesem Jahr 4,5 Millionen Arbeitstage durch Streiks oder Aussperrungen verloren. Im Jahr 2022 waren es beispielsweise lediglich 674.000 Arbeitstage, um diese Zahlen in Relation zu stellen.


Zahl des Jahres

ITler werden von Arbeitgebern heutzutage hofiert, wo es nur geht – auch mit überdurchschnittlichen Gehältern. Das war nicht immer so. 1978, so meldete die Personalwirtschaft in ihrer September-Ausgabe in Berufung auf eine Untersuchung der Kienbaum Vergütungsberatung, müssten EDV-Fachkräfte im Schnitt mit 2.000 bis 3.000 DM Monatsgehalt zufrieden sein. Sie lagen damit im westdeutschen Durchschnitt von rund 26.000 DM Jahresgehalt. Eine Datentypistin, heißt es weiter, läge bei etwa 1800 DM/Monat. Und: „Die Ausstattung mit Zusatzleistungen – Altersversorgung, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Unfallversicherung, usw. – ist nicht besser als bei den übrigen Berufsgruppen.“ Die ausführlichen Ergebnisse konnte man übrigens direkt bei Kienbaum anfordern: Per Post oder telefonisch. 


Cover des Jahres

Das Zusammenspiel von Tradition und Technik, in einem Bild zusammengefasst. Auf dem Cover der Juni-Ausgabe sieht man die 1963 erbaute Erdfunkanlage Raisting, mit der mit Nachrichtensatelliten kommuniziert wird, im Vordergrund ein Bauer, der einem Pferd mit einem Pflug folgt. Kaum besser könnten die Umbrüche der 1970er Jahre bebildert werden. So wurde 1978 das erste Retortenbaby geboren, Drucker und Setzer streikten – aus Angst, ihre Arbeitsplätze an einen Computer zu verlieren. Zugleich gab es jedoch weiterhin viel Handarbeit in der deutschen Wirtschaft. Einen inhaltlichen Bezug zur Erdfunkanlage – oder zur Landwirtschaft – gab es in der Ausgabe der Personalwirtschaft allerdings nicht.


Witz des Jahres

Die 1970er Jahre waren auch die Hochzeit des Kalten Krieges. Die Konfrontation zwischen Ost und West war in vollem Gange, aber auch erste Rufe nach Abrüstung wurden laut. 1978 stellte der damalige US-Präsident Jimmy Carter fest: Die Zahl der Atomwaffen habe ein so alarmierendes Ausmaß angenommen, dass endlich Vereinbarung zur Rüstungskontrolle getroffen werden müssten, so die Tagesschau. Erleichterung brachten da Witze wie dieser aus der Februar-Ausgabe der Personalwirtschaft:  

 
Radio Eriwan antwortet: 
 Frage: Was ist der Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus? 
Antwort: Im Kapitalismus wird der Mensch von Menschen ausgebeutet. Im Sozialismus ist es umgekehrt.  

Info

Catrin Behlau koordiniert die Magazinproduktion der Personalwirtschaft organisatorisch und thematisch. Sie leitet gemeinsam mit Rebecca Scheibel die Redaktionen der HR-Medien von F.A.Z. Business Media. Ihre thematischen Schwerpunkte liegen im Berufsbild HR.