Die Erwartungen an Arbeitgeber wandeln sich. Doch was macht Unternehmen für Talente attraktiv? Eine aktuelle Untersuchung liefert Erkenntnisse zu den Bedürfnissen und Wünschen von Beschäftigten. Erfahren Sie, wie Sie als Arbeitgeber punkten können.
Die Arbeitskultur verändert sich. Spielt Künstliche Intelligenz (KI) bei diesem Wandel eine Rolle? Ja, und das ebenso wie andere Faktoren, darunter flexibles Arbeiten, das Bedürfnis der Mitarbeitenden nach Sicherheit und die Verunsicherung angesichts der wirtschaftlichen Lage.
Vor allem zeichnet sich der Wandel auch dadurch aus, dass Mitarbeitende Abschied nehmen möchten von der sogenannten Hustle Culture, einer Kultur, in der Arbeiten bis über die Belastungsgrenzen hinaus an der Tagesordnung ist. Über dem Limit zu arbeiten, kann durch flexibles Arbeiten wie Homeoffice begünstigt werden. Die Grenzen zwischen privat und beruflich verschwimmen dabei, eine Always-on-Mentalität ist die Folge. Diese Arbeitshaltung hinterfragen nun viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Doch was ist den Beschäftigten in der neuen Arbeitswelt wichtig? Dazu gibt die globale Aon Employee Sentiment Study 2025 Aufschluss. Unternehmen und Personalverantwortliche finden darin Impulse, wie sie in Zeiten wachsenden Wettbewerbs, knapper Budgets und veränderter Erwartungen seitens der Beschäftigten Talente finden und bestmöglich fördern. Diejenigen, die wissen, was Mitarbeitende brauchen, um sich am Arbeitsplatz wohlzufühlen, haben die besten Chancen nicht nur auf eine ausreichende Personaldecke, sondern auch auf eine motivierte Belegschaft.
Eines ist in dem Wandel klar: Eine Arbeitskultur, die die besten Talente anzieht, umfasst nicht nur Standardleistungen wie Homeoffice oder ein gutes Gehalt, ein Jobfahrrad oder einen GratisObstkorb. Heutzutage gehört mehr dazu. Es braucht eine HR-Strategie, die fest in der Unternehmenskultur verankert ist und die Angebote umfasst, die den persönlichen Bedürfnissen der Beschäftigten gerecht werden.
In Unternehmen ist hier offensichtlich noch Luft nach oben: Rund ein Drittel (34 Prozent) der Befragten in Deutschland gibt an, dass es auf bestehende Benefits zugunsten einer attraktiveren Auswahl an Zusatzleistungen verzichten würde. Global gesehen, sind es sogar zwei Drittel (63 Prozent), die das sagen.
In Deutschland wichtig: Auskommen im Alter und bezahlter Urlaub
Besonders wichtig sind den Beschäftigten in Deutschland Angebote zur Altersversorgung sowie bezahlter Urlaub: Die Benefits Altersvorsorge (Retirement Savings) sowie bezahlter Urlaub (Paid Timeoff) stehen in allen Generationen – also von den Babyboomern bis hin zur Generation Z – an erster oder zweiter Stelle der Benefits, die sie am meisten schätzen.
Auch beliebt sind Angebote zum flexiblen Arbeiten und zur Work-Life-Balance. Dies gilt fast ausnahmslos über alle Generationen hinweg. Einzig in der Generation Z tauchen an dritter und vierter Stelle Angebote zur Krankenversicherung und zur medizinischen Versorgung auf.
Wertschätzung in respektvollem Arbeitsumfeld
Mitarbeitende erwarten zudem, gesehen zu werden, mit ihren Lebensplänen, Wertvorstellungen und in verschiedenen Lebensphasen, in denen sich ihre Bedürfnisse auch ändern können. Darauf sollten Arbeitgeber bei der Gestaltung von Benefits Rücksicht nehmen. All dies hat viel mit Wertschätzung zu tun. Wertschätzung bedeutet dabei auch, dass Arbeitgeber unterschiedliche Lebensmodelle tolerieren und dies nicht nur zeigen, indem sie ihrem Gegenüber Respekt zollen, sondern auch in der Gestaltung des Arbeitsumfelds – inklusive Benefits. Doch gerade in diesem Bereich besteht in vielen Unternehmen Handlungsbedarf: Ein Drittel der Beschäftigten (34 Prozent in Deutschland, 63 Prozent global) würde das bestehende Benefitangebot gegen eine bessere Auswahl von Benefits eintauschen. Es stellt sich die Frage, ob Arbeitnehmer die Benefitpakete ihrer Arbeitgeber gänzlich kennen. Das ist fraglich, denn Studien haben immer wieder gezeigt, dass es oft an der Kommunikation hapert und Mitarbeitende nicht immer die Benefits kennen, die ihr Arbeitgeber anbietet. Welche Art der Kommunikation Mitarbeitende mit ihren Arbeitgebern bevorzugen, zeigt die aktuelle Studie ebenfalls: Größtenteils wünschen sich die Beschäftigten, per EMail informiert zu werden (54 Prozent). Auch der persönliche Kontakt ist wichtig (46 Prozent).

Apropos Wertschätzung: Beschäftigte, die hybrid arbeiten, fühlen sich am meisten wertgeschätzt. Ihre Zahl liegt mit 46 Prozent in Deutschland etwas höher als im globalen Durchschnitt (40 Prozent). Bei den Mitarbeitenden, die ausschließlich im Homeoffice arbeiten, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese sich nicht ausreichend wertgeschätzt fühlen, um 52 Prozent höher. Bei Personen, die ausschließlich im Büro arbeiten, sind es zehn Prozent.
Top-Wünsche: Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden
Neben der Unterstützung bei der Altersversorgung (45 Prozent) wünscht sich eine fast genauso große Anzahl von Beschäftigten in Deutschland (39 Prozent) Angebote im Bereich Wellbeing. Der Megatrend Gesundheit spiegelt sich auch global wider: Hier wünscht sich sogar knapp die Hälfte der Beschäftigten (49 Prozent) WellbeingAngebote, und mehr als ein Drittel (37 Prozent) legt Wert auf Angebote zum Thema Frauengesundheit.
Knapp ein Drittel (30 Prozent) der Beschäftigten in Deutschland hat auf seiner Wunschliste Angebote bei der Kinderbetreuung stehen. Auch die Sorge vor finanziellen Engpässen und das Thema der Pflege von Angehörigen sind präsent: Fast jeder Vierte (24 Prozent beziehungsweise 23 Prozent) würde eine Unterstützung seines Arbeitgebers für einen Notfallfonds oder bei der Pflege von Angehörigen schätzen.
Unterschiede im internationalen Vergleich
Ein internationaler Vergleich zeigt, dass Mitarbeitende in verschiedenen Ländern Benefits durchaus unterschiedlich bewerten. Für Beschäftigte in den USA etwa (ebenso in Indien) ist die Krankenversicherung die am meisten geschätzte Zusatzleistung. In anderen Regionen dagegen spielen Angebote zur Altersversorgung keine Rolle (zum Beispiel in Singapur) oder nur eine untergeordnete Rolle (zum Beispiel in China).
Global betrachtet, wünschen sich Beschäftigte nahezu aller Generationen – mit Ausnahme der Babyboomer – an erster Stelle Angebote zur Krankenversicherung. Die Bedeutung der Altersversorgung dagegen wächst im globalen Vergleich erst mit zunehmendem Alter der Beschäftigten. Während sie bei den jungen Generationen Z (1995–2010) und Millenials (1980–1994) an fünfter Stelle liegt, belegt sie bei den Babyboomern (1946–1964) den ersten Platz.
Gefragt nach den entscheidenden Kriterien bei der Auswahl des Arbeitsplatzes, nennen Talente an erster Stelle ein überdurchschnittliches Gehalt und Benefits (39 Prozent in Deutschland, 47 Prozent global). Außerdem gelten flexible Arbeitszeitmodelle (36 Prozent in Deutschland, 17 Prozent global) sowie ein Arbeitsplatz, der Freude verspricht (34 Prozent in Deutschland, 21 Prozent global), als attraktiv.
KI im Kopf
Auch Künstliche Intelligenz beeinflusst die Stimmung unter Mitarbeitenden. Sie schwankt zwischen Sorge und Unsicherheit über die neuen Möglichkeiten und Freude über die Chance, sich durch neue Fähigkeiten eine Art Bedeutungshoheit über den eigenen Job zu sichern.
Jeder vierte deutsche Studienteilnehmer (24 Prozent) tut sich allerdings schwer, den Einfluss von KI auf seine eigene Arbeit einzuschätzen. Auf internationalem Level sind das mit 15 Prozent deutlich weniger. Dagegen sagen 33 Prozent in Deutschland, dass sie durch KI stärker motiviert werden, sich weiterzubilden, um relevant – übersetzt heißt das: weiterhin gebraucht – zu bleiben und sich zugehörig zu fühlen. Zugehörigkeit gehört im New Work neben Diversität, Gleichstellung und Inklusion zu den wesentlichen Rahmenbedingungen, um eine attraktive Arbeitskultur zu schaffen.
Info
Zur Studie
Die globale Aon „Employee Sentiment Study 2025“ richtete sich an 9202 Beschäftigte zwischen 18 und 64 Jahren in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden. Die Befragung fand im August 2024 in 23 Ländern statt. Die Zahlen in diesem Text beziehen sich, sofern nicht anders erwähnt, auf die Studienergebnisse in Deutschland.
Perspektiven
HR-Verantwortliche spielen in Organisationen eine Schlüsselrolle als strategische Partner der Unternehmensführung. Ihnen obliegt es, fähige, motivierte und resiliente Teams aufzubauen, die sich unterstützt und gefördert fühlen und stark genug sind, um sich den sich wandelnden Anforderungen und technischen Fortschritten anzupassen. Die Studie zeigt, in welcher Umgebung Motivation und Talent am besten gedeihen, wo Arbeitgeber ansetzen können und müssen, um im Wettbewerb zu punkten.
Für HR geht es somit auch darum, genau hinzusehen, um valide Erkenntnisse zu erhalten und auf dieser Basis die richtigen Entscheidungen zu treffen. Vor diesem Hintergrund wird es für Betriebe immer wichtiger, Daten auszuwerten, um zum Beispiel Gehälter mit den Mitbewerbern vergleichen zu können. Unterstützen können dabei Datenbanken. Sie ermöglichen wertvolle Einblicke in Markttrends und Vergütungsstrategien. Auch das hilft Unternehmen, die Stimmung unter den Mitarbeitenden zu heben und somit noch besser TopTalente anziehen zu können.
Autor
Rüdiger Klee
Head of Sales Health Solutions | Human Capital Account Executive
Aon
ruediger.klee@aon.de
www.aon.de
Nicht jedes Geschenk des Arbeitgebers kommt bei den Beschäftigten gut an (Foto: Shi – stock.adobe.com).
