MBA: Wie Business Schools Führungskräfte ausbilden

Trotz geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten ist die Nachfrage nach MBA-Programmen hoch. Im Fokus stehen Praxisbezug, klare Kompetenzprofile und der reflektierte Einsatz von KI.

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Weiterbildung und lebenslanges Lernen sind angesichts der Wissens- und Technikexplosion, die praktisch alle Bereiche der Wirtschaft erfasst, wichtiger denn je. Doch ist der klassische Master of Business Administration, mit dem sich angehende Führungskräfte für Leitungsaufgaben qualifizieren, noch immer das Mittel der Wahl? Beim Round Table der Personalwirtschaft schätzten Vertreterinnen und Vertreter von Business Schools und Hochschulen die Nachfrage insgesamt positiv oder sogar sehr positiv ein. Das Interesse am MBA sei stabil oder wachse, insbesondere im Executive-Segment.

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Hohe MBA-Nachfrage trifft auf starken Wettbewerb

Mehrere Programmverantwortliche berichteten von anhaltend hohem Interesse, vor allem an berufsbegleitenden und praxisnahen Formaten. Führungskräfte investierten weiterhin in Weiterbildung, auch weil Transformation, Digitalisierung und Fachkräftemangel den Qualifizierungsdruck erhöhen. Gleichzeitig verschärfe sich der Wettbewerb unter den MBA-Anbietern, insbesondere technologisch ausgerichtete MBAs stünden zudem in Konkurrenz zu globalen Programmen, die stark auf Digitalisierung und KI setzen.

Als zentrales Leitmotiv über alle MBA-Programme hinweg wurde der Umgang mit Unsicherheit beschrieben: MBA-Ausbildungen sollten Führungskräfte befähigen, auch unter volatilen Bedingungen tragfähige Entscheidungen zu treffen. Strategisches Denken, Entscheidungsfreude und die Fähigkeit, mit unvollständigen Informationen zu arbeiten, gelten mehr denn je als Kernkompetenzen, hieß es im Expertenkreis. Hinzu kämen Transformations- und Veränderungskompetenzen, da Unternehmen sich permanent an neue Markt-, Technologie- und Arbeitsbedingungen anpassen müssten.

Führung, Transformation und Verantwortung

Neben analytischen Fähigkeiten rücken klassische Führungskompetenzen wieder stärker in den Fokus, war die einhellige Meinung bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Round Table. Im Mittelpunkt der Programme stünden folgerichtig die Bedeutung von Verantwortung, emotionaler Intelligenz und der Fähigkeit, Menschen durch Veränderungsprozesse zu führen. Transformation müsse nicht nur technologisch, sondern auch kulturell verstanden werden. Überdies müssten Führungskräfte lernen, Teams Orientierung zu vermitteln, ihnen Sinn zu vermitteln und unterschiedliche Interessen auszubalancieren. Nachhaltigkeit und verantwortungsvolles Management spielten dabei ebenfalls eine wachsende Rolle.

Strategisches und unternehmerisches Denken

In etlichen MBA-Programmen werden verstärkt strategische und unternehmerische Perspektiven aufgegriffen. Studierende sollten lernen, Geschäftsmodelle zu hinterfragen, neue Wachstumsoptionen zu entwickeln und Innovationen wirtschaftlich zu bewerten. Gerade in unsicheren Zeiten gelte es, langfristige Perspektiven mit kurzfristiger Handlungsfähigkeit zu verbinden. Internationale und interkulturelle Kompetenzen blieben dabei essenziell, da Führung zunehmend in globalen Kontexten stattfinde. Der MBA soll hierfür ein integriertes Verständnis von Strategie, Organisation und Marktumfeld vermitteln, hieß es in der Diskussion.

Künstliche Intelligenz als Werkzeug

Der Umgang mit Künstlicher Intelligenz ist nach Einschätzung der MBA-Verantwortlichen ein zentrales Querschnittsthema. KI sei inzwischen systematisch in die Curricula integriert, dabei stehe weniger das technische Detailwissen im Vordergrund als vielmehr die Frage, wie KI sinnvoll in Entscheidungsprozesse eingebunden werden kann. Künstliche Intelligenz werde als Unterstützungs- und Analyseinstrument verstanden, nicht als Ersatz für menschliches Urteilsvermögen. Kritisches Denken, Kontextverständnis und ethische Reflexion gelten weiterhin als unverzichtbar. Entscheidend sei ein ausgewogener Ansatz: Studierende sollten lernen, KI praktisch einzusetzen – etwa bei der Datenanalyse, Strategieentwicklung oder Innovationsprojekten.

Zugleich sollten sie sich aber die Grenzen, Risiken und gesellschaftlichen Implikationen bewusst machen. Der verantwortungsvolle Umgang mit KI, Transparenz und akademische Integrität spielten dabei eine wichtige Rolle, so die MBA-Verantwortlichen. Leitlinien und didaktische Konzepte sollten sicherstellen, dass KI als Lernhilfe genutzt wird, ohne den eigenständigen Denk- und Lernprozess zu ersetzen.

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Fallstudien und Simulationen in der MBA-Ausbildung

Ein klassisches Merkmal der MBA-Ausbildung ist das Lernen anhand von Fallstudien. Nach Ansicht der Fachleute werden sie das didaktische Rückgrat bleiben, da sie besonders geeignet sind, um komplexe Entscheidungssituationen realitätsnah abzubilden. Dabei verschiebe sich der Fokus zunehmend auf aktuelle, praxisnahe und oft unternehmensbezogene Fälle.

Ergänzt würden Fallstudien zunehmend durch Simulationen, Projektarbeiten und interdisziplinäre Formate. In geschützten Lernumgebungen könnten Studierende lernen, strategische Entscheidungen zu treffen und deren Konsequenzen unmittelbar erleben. Reale Projekte, häufig in Kooperation mit Unternehmen oder Organisationen, erhöhten den Praxisbezug zusätzlich. Diese Formate sollen den Transfer in den beruflichen Alltag erleichtern und die Handlungssicherheit der Teilnehmenden stärken, so die MBA-Experten.

Berufsbegleitende Formate

Berufsbegleitende MBA-Programme sind in Deutschland besonders gefragt – mehr als im internationalen Kontext. Sie ermöglichen es Führungskräften, Weiterbildung mit beruflichen Verpflichtungen zu verbinden. Gleichzeitig stellen sie hohe Anforderungen an didaktische Konzepte, da Theorie-Praxis-Transfer, zeitliche Flexibilität und inhaltliche Tiefe miteinander vereinbart werden müssen, erläuterten die Teilnehmenden des Round Table. Digitale Lehrformate, hybride Modelle und modulare Strukturen spielten dabei eine wichtige Rolle.

Einigkeit bestand unter den Expertinnen und Experten darüber, dass MBA-Programme sich kontinuierlich weiterentwickeln müssen. Die Geschwindigkeit technologischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen erfordere flexible Curricula und regelmäßige inhaltliche Updates. Um Programme zukunftsfähig auszurichten und neue Zielgruppen zu erschließen, müsse der MBA der Zukunft weniger statisch, stärker individualisierbar und noch enger an reale Führungspraxis angebunden sein.

Statements der MBA-Expertenrunde

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Christina Petrick-Löhr betreut das Magazinressort Talent & Learning sowie die Berichterstattung zur Aus- und Weiterbildung. Zudem ist sie verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft sowie den Deutschen Personalwirtschaftspreis. Foto: FBM

Christina Petrick-Löhr betreut das Magazinressort Talent & Learning sowie die Berichterstattung zur Aus- und Weiterbildung. Zudem ist sie verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft sowie den Deutschen Personalwirtschaftspreis.