50.000 Stellen sollen beim Volkswagen-Konzern in Deutschland wegfallen. Eine dramatische Zahl, die aber nicht ganz aus dem Nichts kommt. Denn der größte Autobauer der Bundesrepublik restrukturiert schon seit Jahren. Wie ist der Konzern an den Punkt gekommen, so harte Einschnitte fahren zu müssen? Was bisher geschah.
Die ersten Stellenstreichungen bei VW
Erstmals im Jahr 2006 traf der Konzern die Entscheidung, 20.000 Stellen abzubauen. Grund dafür waren die damaligen Verluste in den sechs westdeutschen Werken. Interessanterweise hatte der Konzern im selben Jahr zwar das beste Absatzwachstum seiner Firmengeschichte verzeichnet. Doch die Produktion in den besagten Werken war nur zu 60 Prozent ausgelastet.
Zehn Jahre später gab es einen harten Einschnitt in die Firmengeschichte: den Dieselskandal. Aufgrund dessen Konsequenzen mussten 2016 im Volkswagen-Konzern erneut Stellen gekürzt werden. Damals war geplant, 30.000 Stellen bis 2025 abzubauen – davon 23.000 an deutschen Standorten. Doch im Rahmen der VW-Restrukturierung sind nicht nur Stellenstreichungen vorgesehen, sondern es sollen auch rund 9.000 neue Stellen in Zukunftsfeldern, wie der Digitalisierung, Software-Entwicklung und Batterie- und Elektromobilitätskompetenzen entstehen. Personalerinnen und Personaler wissen: Ein Stellenabbau kann auf unterschiedliche Arten und Weisen durchgeführt werden.
Sozialverträglicher Stellenabbau: Aber wie?
Bei VW erfolgt der Personalabbau sozialverträglich. So werden den Mitarbeitenden Altersteilzeit oder Aufhebungsverträge mit hohen Abfindungen angeboten. Laut Angaben der WirtschaftsWoche befinden sich die Abfindungen in einer Spanne von 17.700 Euro, im Tarifbereich bei mindestens fünf Jahren Betriebszugehörigkeit und 404.700 Euro für alle, die mindestens 20 Jahre bei Volkswagen beschäftigt sind. Die Höhe der Abfindungen orientiert sich an der jeweiligen Einordnung in Tarifgruppen.
Für Angestellte, die bereits seit über fünf Jahren im Konzern arbeiten und sich innerhalb von zwei Wochen melden, um das Abfindungsangebot anzunehmen, gibt es zudem eine Turboprämie von 50.000 Euro. Betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgeschlossen. Zusätzlich sollten die Stellen reduziert werden, indem dann unbesetzte Stellen nicht mehr nachbesetzt werden.
Doch das schien noch nicht genug zu sein, um die Personalkosten zu senken und das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Deshalb folgte 2023 das nächste Stellenabbau-Programm. In den Worten von VW hieß das „Performance-Programm“. Das Performance-Programm startete 2023 und sah eine 20-prozentige Reduktion der Personalkosten im Verwaltungsbereich vor. Dies diente dem Ziel, eine Rendite von 6,5 Prozent bis 2026 zu erreichen.
Generell ist die Restrukturierung bei Volkswagen begründet in einer Mischung aus schlechten wirtschaftlichen Ergebnissen und der Notwendigkeit, durch veränderte Marktbedingungen und die Technologisierung neue Jobprofile zu schaffen. Das gilt auch wieder ein Jahr später, nämlich 2024.
Die jüngsten Stellenabbaue bei VW
Nach langen Verhandlungen einigte sich Volkswagen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall auf einen weiteren Plan zum Stellenabbau. Offiziell wurde hier von einer „Grundsatzvereinbarung zur Wettbewerbsfähigkeit“ gesprochen. Gunnar Kilian, damaliges Vorstandsmitglied und zuständig für den Bereich Personal, verkündete zu besagter Zeit, dass sich Volkswagen mit dem Plan wettbewerbsfähig für die Zukunft aufstelle. „Mit der Vereinbarung ‚Zukunft Volkswagen‘ hat die Volkswagen AG sich gemeinsam mit der Arbeitnehmerseite auf ein Zielbild verständigt, das Beschäftigungssicherung, wirtschaftliche Stabilität und technologische Spitzenposition im Bereich nachhaltiger Mobilität vereint“, schrieb er auf LinkedIn.
Das sollte unter anderem durch eine finanzielle Arbeitskostenentlastung von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr bis 2030 geschaffen werden. Kilian prognostizierte damit mittelfristige Kosteneffekte von über 4 Milliarden Euro pro Jahr. Doch wie genau wollte Volkswagen die Kosten senken?
Die Grundsatzvereinbarung sah einen erneuten sozialverträglichen Abbau bis 2030 von mehr als 35.000 Stellen an deutschen Standorten vor. Der Abbau sollte wieder mit denselben Mitteln wie 2016 erfolgen. In der Folgezeit nahmen recht viele VW-Mitarbeitende das Angebot an oder gingen auch aufgrund des demografischen Wandels in den Ruhestand. Wie unter anderem das Handelsblatt damals berichtete, waren im Sommer 2025 bereits 20.000 vertraglich fixe Austritte ausgemacht, womit der Konzern über die Hälfte dieses Ziels schon jetzt erreichte.
Dennoch sieht sich der Konzern dazu genötigt, weiter nachzuschärfen und zusätzliche Stellen abzubauen. Bis 2030 sollen nun nicht nur 35.000 Stellen wegfallen, sondern 50.000.
Sorge vor Standortschließung bei Volkswagen
Trotz enormem Stellenabbau waren Standortschließungen lange Zeit außer Frage gewesen. Das könnte sich jetzt ändern. Auch wenn der VW-Betriebsrat alles dafür zu tun scheint, dass dies nicht Realität wird. „Standortschließungen und auch betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen“, teilte Betriebsratschefin Daniela Cavallo, vergangene Woche gegenüber der Welt mit. Zwei Automodelle, die am Standort Osnabrück gebaut werden, sollen zukünftig auslaufen. Ob das Werk dann noch gebraucht wird, scheint fraglich. Bis Ende dieses Jahres will VW über den Standort Osnabrück entscheiden.
Bisher hat sich der Rüstungskonzern Rheinmetall als Interessent für den Standort gemeldet. Rheinmetall plant dort, schusssichere Fahrerhäuser für Militärlaster fertigen zu lassen, heißt es in der Automobilwoche. Das Werk hat rund 2.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die noch auf eine Entscheidung über ihre Zukunft warten.
Gründe für die Einschnitte im Mutterkonzern sind vor allem steigender Kostendruck, die Transformation zur Elektromobilität und schwankende Nachfrage in wichtigen Märkten. „Wir wollen im anspruchsvollen Umfeld unsere Verbrennerfahrzeuge technologisch wettbewerbsfähig halten, fortgesetzt in begeisternde Elektrofahrzeuge und neueste Softwarelösungen für unsere Kunden investieren und unsere regionale Präsenz, vor allem in den USA ausweiten“, sagt Arno Antlitz, CFO und COO der Volkswagen Group. Dies sei nur bei weiterhin konsequenter Kostensenkung möglich.
VW-Premiummarken Audi und Porsche auf Talfahrt
Volkswagen verzeichnete 2025 seit der Dieselskandal-Krise den größten Gewinneinbruch. Der Gewinn fiel im Vergleich zum Vorjahr um fast die Hälfte. Die Lage bei den Premiummarken des Konzerns ist teilweise noch gravierender.
Insbesondere bei Porsche fiel der Ergebniseinbruch drastisch aus. Der Konzernumsatz sank 2025 um 9,5 Prozent auf 36,27 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis brach um 92,7 Prozent auf 413 Millionen Euro ein. Hauptursachen waren außerordentliche Aufwendungen von rund 3,9 Milliarden Euro, etwa für die Neuausrichtung der Produktstrategie, Batterieaktivitäten und US-Zölle. Die operative Umsatzrendite fiel dadurch von 14,1 auf 1,1 Prozent.
Basierend auf dieser wirtschaftlichen Entwicklung beabsichtigt Porsche Stellen weiter abzubauen. Porsche soll Unternehmensangaben nach „schlanker und schneller“ werden. Michael Leiters, seit Anfang 2026 neuer Chef des Unternehmens, kündigte auf der Jahrespressekonferenz an, dass die Führungsstruktur verschlankt und Hierarchien abgebaut werden sollen. Ein konkreter Zeitplan oder Zahlen, wie viele Stellen zusätzlich wegfallen werden, sind noch nicht bekannt. In einem vorausgegangenen Sparprogramm wurde beschlossen, dass 3.900 Stellen bei Porsche bis 2029 abgebaut werden sollen. In der Region Stuttgart sollen demnach rund 1.900 Stellen sozialverträglich abgebaut werden. Darüber hinaus sind die Verträge von rund 2.000 befristet Beschäftigten bereits ausgelaufen. Dazu sollen nun noch mehr kommen.
Auch bei Audi sind die Absatzzahlen rückläufig: Die Verkäufe lagen 2,9 Prozent unter dem Vorjahr und sogar mehr als 14 Prozent unter dem Rekordjahr 2023. Branchenbeobachter und -beobachterinnen rechnen daher damit, dass auch die kommende Bilanz erneut als „herausfordernd“ beschrieben wird. Bereits Anfang vergangenen Jahres kündigte der Autobauer Audi an, bis Ende 2029 insgesamt 7.500 Arbeitsplätze in Deutschland zu streichen. Von diesen und weiteren finanziellen Einschnitten aufseiten der Beschäftigten verspricht sich das Unternehmen, mittelfristig mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr zu sparen, wie es der Tagesschau mitteilte.
Unsicherheit bei VW-Mitarbeitenden
Für die Beschäftigten bedeutet die Transformation zusätzliche Unsicherheit: Ein großer Stellenabbau auf der einen Seite steht einer einschneidenden Weiterentwicklung des Unternehmens auf der anderen Seite gegenüber. Letzteres zeigt sich anhand von massiven Investitionen in Elektrifizierung, Software und neue Geschäftsmodelle – Maßnahmen, die kurzfristig Kosten verursachen, langfristig aber die Wettbewerbsfähigkeit sichern sollen.
Tonia Schöler ist Volontärin bei der Personalwirtschaft.

