Der Obstkorb in der Mitarbeiterküche ist ein allseits bekannter Benefit. Doch eine neue Analyse der Indexgruppe zeigt, dass er in Stellenausschreibungen gar nicht mehr so beliebt ist. Lediglich 0,3 Prozent aller Jobangebote erwähnten ihn im Mai 2026. Eine wenig überraschende Entwicklung und manch Jobsuchende/r wird da kurz aufatmen. Denn sie dürften recht frustriert sein, wenn sie während der aufwendigen Stellensuche auch noch jene Anzeigen aussortieren müssen, die mit Benefits werben, die lange ihren Zenit überschritten haben. Nichts sagt deutlicher: „Wir gehen nicht mit der Zeit“, als die Erwähnung von ein paar Bananen und Äpfeln auf LinkedIn.
Ist der Obstkorb schon erwartbarer Standard?
Fachleute gehen angesichts der Ergebnisse der Untersuchung davon aus, dass Firmen heutzutage mit dem Obstkorb nicht mehr bei Jobsuchenden punkten können, weil diese den Vitamin-Benefit bereits als Standard sehen. Ganz unrecht haben sie damit nicht. Doch ist ist es umgekehrt nicht auch ein Armutszeugnis, dass so etwas jemals als Benefit gegolten hat? Als könne ein wenig Obst tatsächlich das Befinden der Mitarbeitenden verbessern.
Er war vielleicht gut gemeint, um auf leichte Art die Gesundheit der Angestellten zu unterstützen. Doch die tatsächliche Wirkung ist so hilfreich wie ein Trostpflaster. Man hätte eigentlich das Jobticket gebraucht, oder die Kinder pünktlich von der Schule abholen müssen, aber immerhin ist der Apfel auf der Arbeit umsonst.
Gerade in der heutigen Zeit wird ein Obstkorb den Anforderungen im Arbeitsalltag lange nicht mehr als Anreiz oder möglicher Ausgleich gerecht. Wirtschaftliche Entwicklungen und neue Modelle der Lebensgestaltung fordern zunehmend die Anpassung der Arbeit an das private Leben. Weniger hingegen werden Jobsuchende freiwillig ihr Leben auf den neuen Job ausrichten, oder sich an ein Unternehmen binden, wenn sie das Gefühl haben, dass es an sichtbarer Wertschätzung und Unterstützung mangelt.
Diverse Studien zeigen auf, worauf es Arbeitnehmenden im Job ankommt: Weiterbildungsmöglichkeiten, Work-Life-Balance, Homeoffice, Wertschätzung zum Beispiel. Da ist es kaum verwunderlich, dass – egal wo man schaut – der Mobilitätszuschuss und eine flexible Arbeitsgestaltung ganz oben unter den Top 10 der Mitarbeiter-Benefits zu finden sind.
Und auch wenn 0,3 Prozent auf den ersten Blick nach wenig klingt, sind es immerhin noch 4.400 öffentlich ausgeschriebene Stellen, deren Inserenten die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt haben.
Tonia Schöler ist Volontärin bei der Personalwirtschaft.

