Menstruation ist für viele am Arbeitsplatz ein Tabuthema. Das zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag von Voiio (Eigenschreibweise voiio), Anbieter der gleichnamigen Employee-Assistance-Plattform. Dafür wurden 1051 Frauen im Durchschnittsalter von 36 Jahren befragt. Mit 78 Prozent gab eine große Mehrheit an, dass Menstruationsbeschwerden einen Einfluss auf ihren Arbeitsalltag haben.
Diese umfassen ein weites Spektrum und können von Kopfschmerzen über Muskelkrämpfe auch schnellere Erschöpfung zur Folge haben. Zwei Drittel der Befragten geben Letzteres für ihren Arbeitsalltag an, über die Hälfte berichtet von schwankender Leistungsfähigkeit, 48 Prozent von Konzentrationsproblemen.
Gleichzeitig haben 45 Prozent aller Befragten den Eindruck, diese Probleme auf der Arbeit nicht ansprechen zu können. 47 Prozent sagen, sie versuchen normal weiterzuarbeiten. 36 Prozent nehmen Medikamente ein. Lediglich 18 Prozent haben sich wegen Menstruationsbeschwerden bereits einmal krankgemeldet, und nur 5 Prozent tun dies regelmäßig.
Die Umfrage zeigt, dass es hier bei HR einen großen Nachholbedarf gibt. Denn nur 8 Prozent der Befragten können offen mit ihrer HR-Abteilung über ihre Menstruationsbeschwerden sprechen. 59 Prozent wünschen sich hier einen offeneren Umgang. „Gerade Personalabteilungen und Führungskräfte sollten hier stärker als bisher ihrer Verantwortung gerecht werden und Rahmenbedingungen schaffen, die betroffene Frauen entlasten, ohne sie zusätzlich unter Rechtfertigungsdruck zu setzen“, sagt Kerstin Michels, Geschäftsführerin von Voiio.
Kurzkommentar zum Thema
Ob es darum geht, offen über körperliche Beschwerden zu sprechen oder sich beim Arbeitgeber als queer zu outen: Aktuelle Umfragen zeigen wiederholt, dass sich eine hohe Prozentzahl von Mitarbeitenden dies nicht traut. Offensichtlich vermittelt ein großer Anteil an Führungskräften das Gefühl, bei Gesprächen über sensible persönliche Themen nicht verständnisvoll und unterstützend zu reagieren.
Sorgen in sich hineinzufressen und möglicherweise in Angst vor Repressalien unter Druck oder Schmerzen weiterzuarbeiten, kann kaum förderlich für Arbeitsklima oder die Produktivität sein. Es ist an den Führungskräften, hier entgegenzuwirken und den Arbeitsplatz zu einem Ort der psychologischen Sicherheit zu machen.
Schon kleine Gesten der Führungskraft können dabei einen großen Unterschied machen: Regelmäßige kurze Check-ins mit den Mitarbeitenden, offen Verständnis für Probleme signalisieren, respektlose Bemerkungen im Team sofort unterbinden. All dies kann helfen, ein Fundament für mehr Vertrauen zu legen.
[Hinweis: Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Magazin-Ausgabe für September/Oktober. Hier gelangen Sie direkt zum E-Paper.]
Angela Heider-Willms verantwortet die Berichterstattung zu den Themen Transformation, Change Management und Leadership. Zudem beschäftigt sie sich mit dem Thema Diversity.

