KI-Transformation: Nicht alle Mitarbeitenden gleich aufgestellt

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Die KI-Transformation verläuft weitaus langsamer ab, als durch die öffentliche Debatte suggeriert wird. Lediglich drei Prozent mehr Menschen als im Vorjahr nutzen KI-Tools bei der Arbeit. Zudem nimmt die Motivation ab, sich in diesem Themengebiet weiterzubilden. Generell ist die KI-Nutzung ungleich verteilt. Das geht aus einer aktuellen Studie der Universität Konstanz hervor, die gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Bilendi durchgeführt wurde. Seit Frühjahr 2024 wurden jährlich zwischen 1.105 und 2.019 Personen befragt. 

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Wie schnell verbreitet sich KI wirklich am Arbeitsplatz? 

Die Ergebnisse aus diesem Jahr zeigen: Die Nutzung von KI ist bei den Befragten im Vergleich zur ersten Erhebungswelle zwar von 24 Prozent auf 38 Prozent gestiegen, gegenüber dem Vorjahr jedoch nur um 3 Prozent. Gleichzeitig schätzen bei der dritten Erhebungswelle weniger Befragte den Einfluss der Technologie auf ihre eigene Arbeit als positiv ein. Auch die Motivation, sich in diesem Themengebiet fortzubilden, ist bei den Teilnehmenden stark gesunken.  

Betrachtet man die Studienergebnisse genauer, wird deutlich, dass KI zwar in allen Unternehmen ankommt, ihr Einsatz jedoch erheblich je nach Tätigkeitsprofil, Bildungsniveau und Unternehmensgröße variiert. 

Wer nutzt KI am häufigsten – welche Rolle spielt das Bildungsniveau? 

Die Studie unterscheidet zwischen Büro- und Wissensarbeit sowie Produktions- und körperlicher Arbeit. Der Unterschied ist deutlich: Mit 49 Prozent wird die KI 2026 bei Büro- und Wissensarbeit fast doppelt so häufig eingesetzt als bei Produktions- und körperlicher Arbeit (25 Prozent), wenn auch bei beiden Zielgruppen eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr von jeweils vier Prozentpunkten zu verzeichnen ist.  

Auch hinsichtlich der Bildungsniveaus liegen Unterschiede vor. Befragte mit einem hohen Abschluss verwenden KI den Zahlen zufolge in diesem Jahr wie auch in den Vorjahren am häufigsten im Arbeitsalltag (56 Prozent), während nur 21 Prozent mit niedrigem Abschluss auf die Technologie zurückgreifen.  

Wie beeinflusst die Unternehmensgröße den KI-Zugang der Beschäftigten? 

Einen Einfluss auf die KI-Nutzung scheint auch die Unternehmensgröße zu haben. Je größer das Unternehmen, desto mehr Beschäftigten stehen unternehmenseigene KI-Tools zur Verfügung. Bei kleinen (weniger als 50 Beschäftigte) und mittelgroßen Unternehmen (50-249 Beschäftigte) gibt es bei knapp jedem zehnten beziehungsweise jedem fünften interne KI-Tools. Bei Organisationen mit einer Unternehmensgröße von 250-1000 Beschäftigten, können 29 Prozent auf eigene KI-Anwendungen zugreifen, bei Konzernen (mehr als 1000 Beschäftigte) sind es sogar 36 Prozent. Nicht allein das Angebot von KI-Tools, sondern auch das von Weiterbildungen, Nutzungsregeln und Kommunikationsstrukturen ist bei den größeren Unternehmen breiter aufgestellt, wie die Studienautorinnen und -autoren betonen.  

Was ist der Gender-AI-Gap – und wie groß ist er laut IAB? 

Andere Studien, etwa die vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung  (IAB) und der Initiative D21 vom April 2026, machen auf weitere Unterschiede aufmerksam, welche die KI-Nutzung beeinflussen. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass Frauen KI-Anwendungen seltener als Männer nutzen. Der konkrete Abstand beträgt rund 8 Prozentpunkte. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sprechen hier vom Gender-AI-Gap.  

Der Unterschied, der bei der Generation Z am größten ist, sei Britta Matthes zufolge auf „strukturelle, organisationale oder soziokulturelle Einflussfaktoren“ zurückzuführen. Sie ist Leiterin der IAB-Forschungsgruppe „Berufe in der Transformation“ und Mitautorin der Studie.  

Was folgt aus der ungleichen KI-Transformation  für HR? 

Es gibt also vielerlei Unterschiede – zwischen Berufsgruppen, Unternehmensgrößen und Geschlechtern. Talanx-Personalvorständin Caroline Schlienkamp hat im Gespräch mit der Personalwirtschaft über KI-Transformation erklärt, dass sie genau darin die größte Herausforderung im KI-Wandel sieht: „Die unterschiedliche Geschwindigkeit, mit der Menschen Veränderungen annehmen.“ Ihr zufolge gehe es weniger um die Technik, entscheidend sei die Herangehensweise. „Manche legen sofort los, andere fragen sich erst einmal, was KI für ihren Arbeitsplatz bedeutet“, fährt die Vorständin fort.  

Bei der KI-Transformation handelt es sich um einen „Prozess der schrittweisen, ungleich verteilten und häufig informellen Integration von KI in den Arbeitsalltag“, wird es in der Studie der Universität Konstanz beschrieben. Zwar sei die Technologie zunehmend Teil des Arbeitsalltags, ihre Verbreitung verlaufe jedoch deutlich weniger abrupt und gleichförmig, als öffentliche Debatten häufig suggerieren. 

Wie gelingt KI-Transformation trotz unterschiedlicher Voraussetzungen? 

Talanx-Vorständin Schlienkamp setzt auf Transparenz und eine zielgruppengerechte Qualifizierung, um den Unterschieden im Unternehmen entgegenzuwirken. Die Belegschaft bei der Transformation außer Acht zu lassen, sei ihr zufolge ein Fehler. „KI-Transformation gelingt dann, wenn wir Menschen befähigen, statt ihnen KI einfach „verordnen“ zu wollen, und wenn wir konkrete Anwendungsfälle zeigen, statt abstrakte Zukunftsbilder zu malen“, sagt die Personalvorständin.  

Auch in der Studie wird eine „offene Kommunikationsstruktur“ empfohlen, um „Wissen sichtbar zu machen, gegenseitiges Lernen zu fördern und zugleich Risiken beim Einsatz von KI frühzeitig zu erkennen“. Zudem müssten kleinere Unternehmen bei der KI-Transformation mehr Unterstützung erhalten, da diese hinter den großen Organisationen hinterherhinken.  

Tim Verhoeven, Senior Manager Talent Intelligence bei Indeed, schließt sich der Forderung der Universität Konstanz an: Seiner Einschätzung nach werde es problematisch, wenn Beschäftigte von sinnvollen Anwendungen ausgeschlossen blieben. Mangelt es an Kenntnissen, brauche es Lernangebote sowie Zeit zum Üben. Bei Unsicherheiten erfordere es ihm zufolge klare Regeln zur KI-Nutzung und ansprechbare Führungskräfte, die Auskunft geben sowie die Mitarbeitenden begleiten können. Passe das Werkzeug nicht, müsse das Angebot angepasst werden. 

Hinsichtlich des ungleichen Nutzungsverhaltens empfiehlt Verhoeven, dass HR-Abteilungen mit denjenigen im Unternehmen sprechen müssen, die KI bislang wenig einsetzen. „Entscheidend ist, dass Beschäftigte an ihren eigenen Aufgaben erleben können, welchen Nutzen KI für sie hat“, bringt er es auf den Punkt. 

Paula Heidemann

Paula Heidemann ist Volontärin bei der Personalwirtschaft.