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Personalchef Clemens Schmid: Musik begleitet den Lebenslauf

Personalwirtschaft: Was fasziniert Sie an der Branche und ihrem Arbeitgeber?
Clemens Schmid: Seit Beginn meiner Tätigkeit bewegt mich unser Purpose „Doing now what patients need next“. Als forschungsorientiertes Unternehmen sind wir darauf ausgelegt, uns immer weiterzuentwickeln, um echte Entlastung für unsere Patientinnen und Patienten zu erzielen, die meist an schwerwiegenden Erkrankungen leiden. Bei all dem spielt das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle. Die Schweizer Gründerfamilie, die nach wie vor eine Mehrheit der Stimmrechtsaktien hält, priorisiert langfristige Perspektiven über kurzfristige Gewinne. Das prägt auch unsere Kultur einer starken Mitarbeitenden-Orientierung.

Sie haben in Ihrer Karriere nie in einem anderen Unternehmen als dem Roche-Konzern gearbeitet. Hatten Sie nie das Bedürfnis, mal etwas anderes zu sehen?
Doch, so Phasen gab es auch. Natürlich hinterfragt man manchmal, was man beruflich tut. Das finde ich aber auch wichtig! Wenn ich darüber nicht reflektiere, bin ich auch weniger bewusst in meinem Tun.

Und doch haben Sie sich immer gegen einen Wechsel entschieden.
Wann immer es dann aber im Ansatz konkreter wurde, hat mein Bauch mir gesagt: Nein. Ich schätze die Werte und den Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Roche sehr und identifiziere mich damit. Wir haben eine stark menschenorientierte Kultur und arbeiten an Gesundheitslösungen für Millionen von Patientinnen und Patienten – wer will da nicht Teil davon sein und seinen Beitrag leisten?

Auch wenn Sie immer im Konzern geblieben sind, enthält Ihr Lebenslauf zahlreiche Stationen. Welche war die prägendste?
Ich hatte bei Roche die Möglichkeit, in verschiedenen Ländern weltweit zu arbeiten. Besonders prägend war meine Zeit in Lateinamerika. Hier habe ich viel über Entwicklungs- und Schwellenländer gelernt. Das hat mir eine ganz neue Perspektive für den Bedarf an HR gegeben, die mich bis heute immer wieder bereichert.

Inwiefern?
Wenn wir uns die vielen laufenden Veränderungen anschauen, die beispielsweise durch die Corona-Pandemie angestoßen wurden, steckt darin im Kern der Aspekt der Weiterentwicklung. Ich kann auf diese Erfahrungen zurückgreifen, kenne viele Best-Practice-Beispiele und vor allem habe ich dadurch ein gewinnbringendes Netzwerk zum weltweiten Austausch aufbauen können.

Gab es andere prägende Erlebnisse?
Von 2010 bis 2012 durfte ich drei Jahre als Global HR Business Partner in Nutley, USA, arbeiten. Hierbei kam es zur Schließung des gesamten Standortes. Das bedeutete, für die rund 2000 Mitarbeitenden eine Perspektive zu schaffen. Diese Zeit war schwierig und herausfordernd. Mich hat dabei tief beeindruckt, mit was für einer Solidarität und Willensstärke alle Beteiligten wirklich das Beste aus der Situation gemacht und sich gegenseitig unterstützt haben. Bis heute denke ich an die Begegnungen, die sehr lehrreich und eindrücklich waren – auch hinsichtlich der Zusammenarbeit mit verschiedenen Kulturen und mit Menschen mit den verschiedensten Hintergründen.

Insgesamt strotzt Ihr Lebenslauf vor Auslandserfahrung. Wie wichtig ist Internationalität in der Personalarbeit?
Die Globalisierung hat auch im beruflichen Kontext viel verändert. Zuvor war unsere Personalabteilung in lokalen Strukturen gebettet. Jetzt arbeiten wir in einem globalen Modell, dass sich in sechs „Chaptern“, also fachlichen Kompetenzbereichen, aufgestellt hat. Ziel dabei ist es, allen Mitarbeitenden weltweit Zugang zur gleichen Expertise zu bieten. Als HR Business Partner, wie ich es sehr lange war, ist man auch wirklich ein Partner: Weg vom „Ausführenden“ berät man frühzeitig die Gestaltung großer Themen. Vor allem hinsichtlich der Unternehmenskultur – deswegen nennen wir uns bei Roche auch „People & Culture“ – und nicht HR.

Gehen wir noch einmal ganz an den Anfang Ihrer Karriere. Sie haben ein Musiklehrer- und ein Dirigentendiplom. Wäre das eine Alternativkarriere gewesen?
Ja, ich denke schon. Musik ist meine versteckte Leidenschaft und gibt mir viel. Auch bekomme ich hier Inspiration für meine Tätigkeit bei Roche: Was braucht es für ein gutes Zusammenspiel? Wie kann man die Harmonien, aber auch Dissonanzen bestmöglich einsetzen und nutzen? Immer wieder inspiriert mich die Musik, darum könnte ich mir das auch als Haupttätigkeit vorstellen.

Stattdessen haben Sie sich aber für ein wirtschaftswissenschaftliches Studium entschieden. Welche zentralen Lehren helfen Ihnen heute noch?
Ich formuliere es mal so: Ein Studium der Wirtschaftswissenschaft mit Makro- und Mikroökonomie ist etwas, das ich als herausfordernd erlebt habe. Während ich mich damals manchmal fragte, warum ich mir das antue, war es rückblickend eine wunderbare Schule, um Komplexität verständlich zu machen und zu priorisieren, was in der heute so vernetzten Welt eine Kernkompetenz ist. Ob ich jede Klausur mit Bravour bestanden habe, lasse ich einmal offen. Aber: Im Studium habe ich auch viel über Fehler machen, „Dranbleiben“ und vor allem das Weitermachen gelernt. Auch das sind wertvolle Erfahrungen, von denen ich täglich profitiere.

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Unser Juli-August-Magazin

Das Interview erschien zuerst in der Sommerausgabe unseres Magazins. Dort finden Sie neben aktuellen relevante HR-Themen auch unsere Titelstrecke zu derzeitigen Chancen und Herausforderungen hinsichtlich Ausbildungen. 

Ist Redakteur der Personalwirtschaft und betreut das Magazin als Projektleiter. Er kümmert sich außerdem um die crossmediale Verbreitung der Inhalte. Seine Themenschwerpunkte sind Employer Branding, HR-Software sowie Betriebliches Gesundheitsmanagement.