„Strategisches HR beginnt mit einem Verständnis des Geschäftsmodells“

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Personalwirtschaft: HR muss einen Platz am Vorstandstisch haben und strategischer Partner des Business sein. Diese Forderung hört man schon seit Jahren in der HR-Szene. Warum ist es vielerorts noch nicht gelungen, dies Realität werden zu lassen?
Christine Neuberger: Dieser Wunsch ist offensichtlich, doch gleichzeitig braucht HR eine klare Antwort auf die Frage: „Welches Problem lösen wir damit besser?“. In der Vergangenheit standen häufig Instrumente, Einzelmaßnahmen und Projekte im Vordergrund. Das ist aber nur semi-zielführend.

Wie geht es besser?
Besser ist es, wenn wir aus der Geschäftsstrategie eine HR-Strategie ableiten, wenn wir umfassende Lösungen konzipieren, Wachstums- und Kostenhebel aufzeigen und Steuerungsimpulse liefern. Das trägt maßgeblich dazu bei, dass HR den hohen Stellenwert im Unternehmen bekommt, den es auch verdient.

Wie muss sich HR verändern, um strategischer zu arbeiten?
Strategisches HR beginnt für mich mit einem tiefen Verständnis des Geschäftsmodells und dessen Chancen und Risiken, einer tiefen Einbindung in die Prozesse im Unternehmen, sowie der Einschätzung von externen Rahmenbedingungen und der jeweiligen Wettbewerbssituation. Wir müssen nachvollziehen können, wie Regulatorik, Digitalisierung und KI, Zinsumfeld sowie Demografie die Bedarfe und Rollenprofile in unseren Banken verändern, und daraus Aufgaben für uns ableiten.

Welche Aufgaben sind das beispielsweise?
Zum Beispiel schauen wir uns an, welche Kompetenzen erfolgskritisch sind, wo sich potenzielle Engpässe ergeben und wie wir diesen frühzeitig begegnen – ob durch interne Entwicklung von Talenten, gezieltes Recruiting oder neue Arbeitsformen. So wird HR gemeinsam mit den Führungskräften zum aktiven Manager der zentralen Erfolgsressource: qualifizierten und ambitionierten Mitarbeitenden.

Wie muss sich HR aufstellen, um strategisch gestalten zu können?
Eine strategische HR-Organisation braucht Transparenz darin, wo sie welchen Wertbeitrag leistet und wo sie sich verschlanken kann. Standardisierte Prozesse und Self-Services sollten dort greifen, wo es um wiederkehrende Aufgaben geht. So können Kapazitäten für professionelle HR-Beratung und Mitgestaltung von Innovationen – zum Beispiel im Themenfeld Lernen und Change – freigesetzt werden. Dabei sollte HR nicht nur ein attraktives Lernumfeld für Mitarbeitende schaffen, sondern sich selbst auch als lernende HR-Organisation verstehen.

Welche Situation gab es in Ihrer beruflichen Laufbahn, in der Sie sich dafür einsetzen mussten, dass HR als Gestalter ernstgenommen wird?
Gestalten bedeutet für mich, sich intensiv mit der Situation auseinanderzusetzen, auch unkonventionelle Lösungswege mitzudenken und auf fundierter Datengrundlage zu entscheiden – und dies oft unter Zeitdruck. Ein Beispiel: Ich habe mich in der Bank dafür eingesetzt, unseren Fokus auf Zukunftssicherung und Mitarbeiterqualifizierung zu erweitern sowie das Binden von Talenten, Nachwuchs und Experten aktiv zu beleuchten. Sicher war das nicht immer ein bequemer Standpunkt, jedoch ein notwendiger. Gerade diese Diskussionen haben dazu beigetragen, uns als verantwortungsvollen Gestalter und Wertetreiber der Arbeitgebermarke zu positionieren.

Worauf freuen Sie sich beim HR Forum Banking am meisten?
Am meisten freue ich mich darauf, beim HR Forum Banking über das zu sprechen, was jenseits von Schlagworten tatsächlich Wirkung entfaltet. Wir alle stehen vor ähnlichen strukturellen Herausforderungen am Arbeitsmarkt und wählen unterschiedliche Wege, damit umzugehen. Diese Vielfalt an Ansätzen – von innovativen Recruitingstrategien über lebensphasenorientierte Angebote bis hin zu neuen Lernformaten – möchte ich kennenlernen, teilen und konstruktiv diskutieren. Genau dieser Mix aus Anspruch, Gestaltungswillen und fachlicher HR-Expertise macht das Format für mich besonders attraktiv.

Info

Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch das Thema Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit und das HR Forum Banking.