5 Prozent der Deutschen machen „Quiet Vacationing“

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Endlich einmal schönes Wetter und kein Urlaub in Sicht, obwohl es verlockend wäre, jetzt Sonne und Meer oder Berge zu genießen? Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice könnten dazu verleiten, als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin für ein paar Tage in den Urlaub zu fahren und von dort zu arbeiten, ohne dies mit dem oder der Vorgesetzten abzusprechen. In den USA soll das Phänomen „Quiet Vacation“ laut Medienberichten ein Trend sein. Nun hat YouGov im Auftrag der Jobplattform Monster in Deutschland nachgefragt, was die Erwerbstätigen hierzulande davon halten. Danach findet es nur eine Minderheit okay, sich auch mal ungenehmigten Arbeitsurlaub zu gönnen, jüngere Beschäftigte gehen mit dem Thema allerdings lockerer um als ältere – sofern es sie selbst betrifft. An der repräsentativen Umfrage nahmen zwischen dem 25. und 27. Mai dieses Jahres 1.330 Erwerbstätige ab 18 Jahren teil.

Jeder Zehnte hält heimlichen Urlaub für okay, wenn die Arbeit nicht leidet

Quiet Vacationing ist ein Phänomen, das nicht alle Beschäftigten betrifft. Knapp jeder vierte Befragte (23 Prozent) gibt an, dass es im eigenen Beruf gar nicht möglich ist, während der Arbeitszeit in den Urlaub zu fahren, weil Tätigkeit oder Branche dies ausschließen. Und vor allem Angehörige der Babyboomer und der Generation X sagen, dass es auffallen würde, wenn sie während ihrer regulären Arbeitszeit nicht anwesend wären, wohingegen für die jüngeren Altersgruppen der eigenen Wahrnehmung nach offenbar deutlich mehr Spielraum für Abwesenheiten vorhanden ist.

So viel zum Können. Doch was ist mit dem Wollen? Altersübergreifend findet es ein Drittel (32 Prozent) der Arbeitnehmenden überhaupt nicht in Ordnung, heimlich zu verreisen und die Arbeit von dort aus zu erledigen und würde das selbst auch niemals tun. Jeder Zehnte (zehn Prozent) hingegen findet es nicht so schlimm, solange der Job nicht darunter leidet. Und fünf Prozent der Beschäftigten geben zu, dass sie schon einmal ungenehmigten Arbeitsurlaub gemacht haben.

Welche Generation ist weniger offen für ungenehmigte Auszeiten?

Die Antworten der Befragten zeigen jedoch je nach Alter deutliche Unterschiede. Während von den Beschäftigten ab 55 Jahren 37 Prozent und von den 45- bis 54-Jährigen 38 Prozent heimlichen Urlaub verurteilen und auf jeden Fall darauf verzichten würden, sind es bei den 25- bis 34-Jährigen lediglich 23 Prozent und bei den 18- bis 24-Jährigen 25 Prozent. Die beiden jüngsten Altersgruppen finden auch häufiger als die älteren, es sei nichts dabei, ohne Abstimmung eine Auszeit zu nehmen, wenn die Arbeit nicht beeinträchtigt wird. Entsprechend häufiger haben sie sich einen solchen Urlaub auch schon selbst genehmigt: 14 Prozent der Millennials und zwölf Prozent der Generation Z geben dies an, gegenüber nur zwei Prozent der Angehörigen der Generation X und einem Prozent der Babyboomer.

Wenn es um die Kolleginnen und Kollegen geht, so ist es 14 Prozent der Deutschen egal, ob diese einmal unabgesprochen verreisen, wenn sie selbst nicht dadurch benachteiligt sind, etwa durch Mehrarbeit. Andererseits würden es sieben Prozent dem Arbeitgeber melden, wenn sie mitbekämen, dass jemand aus dem Kollegium sich dieses Verhalten erlaubt. Interessant ist, dass ausgerechnet die jüngeren Beschäftigten, die sich insgesamt lockerer geben hinsichtlich der „Quiet Vacation“, am ehesten andere verraten: 14 Prozent der 18- bis 24-Jährigen und elf Prozent der 25- bis 34-Jährigen würden es an Vorgesetzte weitergeben, wann jemand heimlich verreist. Zum Vergleich: Bei den 35- bis 44-Jährigen würden lediglich neun Prozent petzen, bei den 45- bis 54-Jährigen fünf und bei den ab 55-Jährigen nur zwei Prozent.

Info

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.