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Frauen fühlen sich beruflich überlastet und ausgebremst

Zwei Jahre Corona-Krise haben bei Mitarbeiterinnen negative Spuren hinterlassen. Sie fühlen sich stärker überlastet als zuvor und sehen weniger Karrieremöglichkeiten für sich. Beides sorgt dafür, dass sie unzufriedener sind. Das geht aus der aktuellen Studie „Women @ Work“ von Deloitte hervor. An der Befragung des Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens nahmen von November 2021 bis Februar dieses Jahres 5.000 berufstätige Frauen in Deutschland, Großbritannien, Kanada, den USA, Australien, Brasilien, China, Indien, Japan und Südafrika teil, davon 500 in Deutschland. Die Studienergebnisse hierzulande weichen insgesamt kaum von den weltweiten ab.

Jede zweite Frau ist im Job gestresster als vor einem Jahr

Das Ergebnis: Das Energie- und Motivationslevel ist bei vielen Frauen niedriger geworden. Rund jede zweite befragte Deutsche (49 Prozent) gibt an, ihr Stresslevel im Job sei im vergangenen Jahr noch einmal gestiegen. Immerhin 42 Prozent bezeichnen sich gar als ausgebrannt. Das gilt besonders für die jüngeren Frauen. Bei den jüngsten Arbeitnehmerinnen von 18 bis 25 Jahren ist das Stresslevel und die Müdigkeit eigenen Aussagen nach mehr als doppelt so hoch wie bei den 55- bis 64-Jährigen.

Gleichzeitig beklagen die Frauen, dass es ihnen an beruflichen Perspektiven mangelt: Fast die Hälfte (46 Prozent) schätzt ihre Karriereaussichten schlechter ein als im Vorjahr. Dies mag auf den ersten Blick dem Umstand geschuldet sein, dass die Krise die deutsche Wirtschaft erheblich geschädigt hat und Unternehmen bei ihrer Personal- und Entwicklungsplanung zurückhaltender geworden sind, sodass sich die Beschäftigten unsicherer fühlen. Doch Unsicherheit allein kann nicht der Grund sein, denn sie würde nicht so eine starke Wechselbereitschaft bewirken, wie sie sich hierzulande abzeichnet: Jede zweite Frau (49 Prozent) hat die Absicht, ihren derzeitigen Arbeitgeber innerhalb von zwei Jahren zu verlassen und sich einen neuen Job zu suchen. Nur acht Prozent sagen, dass sie noch länger als fünf Jahre bei ihrem aktuellen Unternehmen bleiben wollen.

Flexible Arbeitsmodelle eher kontraproduktiv als hilfreich?

Dass flexible Arbeitsmodelle die Situation verbessern können, sieht eine Minderheit der Mitarbeiterinnen. Mit 82 Prozent befürchtet die große Mehrheit der Frauen, dass eine Umstellung auf flexible Modelle die Arbeitsbelastung nicht verringern wird. Doch es gibt noch einen weiteren Grund, warum Frauen flexiblen Arbeitsmodellen kritisch gegenüberstehen. Fast alle Studienteilnehmerinnen (94 Prozent) denken, dass sich ihre Aussichten auf eine Beförderung verschlechtern, wenn sie solch eine Umstellung erfragen oder in Anspruch nehmen würden.

Hybrides Arbeiten bewirkt Ausgrenzung

Überhaupt ist Ausgrenzung momentan ein wichtiges Thema, das auch bei hybriden Jobmodellen zum Tragen kommt. 48 Prozent der befragten Frauen nutzen die Möglichkeit, ihrer Tätigkeit sowohl im Homeoffice als auch vor Ort im Betrieb nachzugehen. Doch fast zwei Drittel von ihnen (63 Prozent) geben an, dass sie im vergangenen Jahr aus informellen Treffen ausgeschlossen oder während ihrer Redebeiträge unterbrochen wurden. Von den Befragten, die vollständig von Zuhause aus arbeiten, berichten „nur“ 40 Prozent von solchen Ausgrenzungen und von denen, die ausschließlich vor Ort tätig sind, hat gut ein Drittel (35 Prozent) diese sogenannten Mikroaggressionen erlebt. Die Umsetzung hybrider Modelle scheint mit besonderen Herausforderungen und Risiken einherzugehen, die Arbeitgeber meistern und berücksichtigen müssen, wenn sie die beruflichen Aussichten ihrer Mitarbeiterinnen nicht ausbremsen wollen.

Das ist allerdings laut den Studienverfassern nur ein Teil der Lösung. Frauenförderung könne ein weiterer Teil sein. Die Studie zeigt, dass sich Frauen in Unternehmen, die sich besonders für deren Gleichstellung engagieren – hierzulande seien das sieben Prozent – deutlich weniger gestresst und ausgebrannt fühlen und sehr viel loyaler dem aktuellen Arbeitgeber gegenüber sind. „Wellbeing-Maßnahmen, klare Perspektiven für die berufliche Weiterentwicklung sowie eine respektvolle und integrative Unternehmenskultur spielen eine wichtige Rolle“, sagt Elisabeth Denison, Chief People Officer von Deloitte Deutschland.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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