Vorstände und Aufsichtsräte werden weiblicher – allerdings nur sehr langsam. In den vergangenen sieben Monaten ist der Frauenanteil in den beiden Gremien jeweils kaum mehr als ein Prozent gestiegen. Das geht aus dem aktuellen Women-on-Board-Index des Vereins FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte) hervor. Demnach lag der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 160 DAX-, MDAX- und SDAX- Unternehmen sowie in den 19 paritätisch mitbestimmten, im regulierten Markt notierten Organisationen im Mai 2023 bei 35,5 Prozent. Der Anteil stieg bis zum 1. Januar 2024 um 1 Prozent auf 36,5 Prozent. In den Vorständen besagter Unternehmen ist er noch weniger gestiegen – von 18,3 auf 18,9 Prozent.
Ein Anstieg, der nicht wirklich Hoffnung darauf macht, dass das vom Gesetzgeber angepeilte Ziel der gleichberechtigten Teilhabe bis zum Ende des Jahrzehnts erreicht wird. „Das Ziel der Parität ist noch in weiter Ferne und bei der aktuellen Veränderungsgeschwindigkeit kaum erreichbar“, sagt FidAR-Gründungspräsidentin Monika Schulz-Strelow, die den Women-on-Board-Index seit der Erstauflage 2011 federführend betreut. Sie fordert Unternehmen dazu auf, gleichberechtigte Teilhabe stärker zu fördern.
Diese Unternehmen sind Vorreiter
Einzelne Unternehmen sind dabei weitaus zielstrebiger, andere scheinen sich dem Konzept zu widersetzen. Denn wie viele Frauen sich auf den höchsten Management-Ebenen befinden, hängt stark vom Unternehmen ab. Einen besonders weiblichen Aufsichtsrat haben das pharmazeutische Wirkstoffforschungs-Unternehmen Evotec SE (66,67 Prozent sind Frauen), die Hornbach Holding (66,67 Prozent), die Rückversicherungsgesellschaft Hannover Rück SE (55,56 Prozent) sowie der Online-Versandhändler Zalando SE (55,56 Prozent). In neun Unternehmen (5 Prozent) hingegen gibt es keine einzige Frau im Aufsichtsrat. Das ist beispielsweise bei dem Dienstleister Rational AG oder beim Pharmaunternehmen Dermapharm Holding der Fall.
In den Vorständen der besagten deutschen Unternehmen ist der Frauenanteil noch etwas niedriger. Hier ist die Spanne zwischen den Arbeitgebern, die viele Frauen im Vorstand haben, und solchen, die keine haben, allerdings größer. So besteht bei den ÜSTRA Hannoverschen Verkehrsbetrieben der gesamte Vorstand aus Frauen. Beim biopharmazeutischen Unternehmen MorphoSys sind es zwei von drei (ein Frauenanteil von 66,67 Prozent). Ihnen gegenüber stehen 67 Unternehmen, in denen kein einziges Vorstandsmitglied weiblich ist.
Frauen scheiden schneller aus dem Vorstand aus
Wer es als Frau erstmal auf die höchste Managerebene geschafft hat, bleibt dort häufig auch nur für relativ kurze Zeit. Wie eine Untersuchung der Beratung Russel Reynolds Associates jüngst zeigte, waren 80 Prozent der 2023 ausgeschiedenen weiblichen Dax40-Vorstände drei Jahre oder weniger im Amt. Bei den Männern schieden nur 15 Prozent nach so kurzer Zeit aus. Für eine Parität braucht es folglich noch mehr Offenheit und Anstrengungen der Unternehmen.
Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch das Thema Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit und das HR Forum Banking.

