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Hohe Mieten in den Städten – Problem für viele Arbeitnehmer

Frankfurt am Main, Westhafen mit neuen Häusern und Bootsanlegern
Wohnungen werden zwar gebaut, doch oft im hochpreisigen Segment wie hier am Frankfurter Westhafen – zu teuer für Durchschnittsverdiener. Foto: © ShutterDivision/StockAdobe

37 Prozent der Deutschen arbeiten in einer Großstadt, doch nur jeder Vierte lebt auch dort. Mit dem Arbeitsmarkt in der Rhein-Main-Region sind zwei Drittel der Einwohner (67 Prozent) zufrieden. Allerdings halten 38 Prozent ihre Miete bereits heute für zu hoch. Sechs von zehn Bürgern sind mit den Immobilien- und Mietpreisen sowie dem Angebot an freien Wohnungen unzufrieden. Das gilt vor allem für die Menschen im Alter zwischen 35 und 49 Jahren. 82 Prozent denken, dass es sich nur noch Topverdiener leisten können, in Großstädten zu leben. Ebenso viele erwarten, dass die Mietpreise in den nächsten Jahren weiter steigen, und neun von zehn Einwohnern halten es inzwischen für reine Glückssache, in ihrer Region eine bezahlbare Wohnung zu finden. Das geht aus einer aktuellen Umfrage von PwC unter 400 berufstätigen Bürgern zwischen 18 und 65 Jahren im Rhein-Main-Gebiet hervor.

Jobwechsel und Umzug für zwei Drittel der Jüngeren eine Option

Die Situation verschärft sich noch dadurch, dass die Mieten schneller gestiegen sind als die Gehälter: 90 Prozent der Befragten geben dies an. Und die Gehälter, so die Studie, seien bei einigen dringend gesuchten Berufsgruppen ohnehin schon nicht allzu hoch. Im Notfall sind die Menschen durchaus bereit, wegen zu hoher Mieten den Job zu wechseln. Jeder zwölfte Befragte hat dies bereits getan. Jeder Zweite würde bei einer kräftigen Mietpreiserhöhung darüber nachdenken und kann sich auch vorstellen, eine Arbeit in einer anderen Stadt anzunehmen – von den jüngeren Berufstätigen zwischen 18 und 34 Jahren geben das sogar zwei Drittel (65 Prozent) an.

Bezahlbare Mieten sind das Hauptkriterium bei der Entscheidung für eine neue Arbeitsstelle

Bei der Entscheidung für eine neue Arbeitsstelle spielen bezahlbare Mieten mit 55 Prozent die wichtigste Rolle,  gefolgt von der Länge des Anfahrtsweges (45 Prozent) und den Kosten für Wohneigentum (41 Prozent). Was die Pendelzeit betrifft, so gelten für die Befragten im Durchschnitt 40 Minuten als maximal akzeptable Dauer. Allerdings sagen zwei Drittel der Studienteilnehmer (66 Prozent) auch, dass es mittlerweile überall schwer sei, eine passende und bezahlbare Wohnung zu finden, auch außerhalb der Großstädte, was die Lage zunehmend erschwert.

Dass die junge Generation die Arbeitsplatzwahl auch von der Wohnsituation abhängig macht, sei für Unternehmen in teuren Ballungsräumen durchaus riskant, sagt Michael Burkhart, Standortleiter Frankfurt und Managing Partner Region Mitte von PwC. Vor allem wenn es um die Digitalisierung gehe, würden junge Fachkräfte ganz besonders gesucht.

Pflegekräfte und Handwerker werden sich perspektivisch Wohnungen in den Großstädten und Ballungsräumen nicht mehr leisten können,

so Burkhart. Die Anfahrtszeiten würden von vielen als zu lang empfunden, was die Bereitschaft für einen Jobwechsel fördere.

Ursachen für die angespannte Wohnungssituation aus Arbeitnehmersicht

Gefragt nach den Gründen dafür, dass es immer weniger bezahlbaren Wohnraum gibt, antworteten 57 Prozent der Studienteilnehmer, die öffentliche Hand kümmere sich zu wenig um den sozialen Wohnungsbau. 56 Prozent sehen die Schuld bei der Politik, die zu spät auf das Problem reagiert habe. 53 Prozent sagten, der Schwerpunkt bei den Investoren liege im Luxussegment; im Zuge von Sanierungen finde ein Verdrängungswettbewerb nicht so vermögender Mieter durch wohlhabendere Mieter statt (zunehmende Gentrifizierung). 42 Prozent stellen fest, dass es in ihrer Region einen verstärkten Zuzug von Gutverdienern und vermögenden Ausländern gibt.

Problemlösungen: Nach Ansicht der Mitarbeiter müssen auch Arbeitgeber unterstützen

Von den befragten Berufstätigen glauben 70 Prozent, dass die angespannte Wohnungssituation auch für Arbeitgeber eine Herausforderung darstellt und es ihnen erschwert, Mitarbeiter zu rekrutieren oder zu halten. Als Lösungsmöglichkeit, um Fachkräfte in Ballungsgebieten trotz hoher Mieten zu halten, nannten die meisten (86 Prozent) Wohnungsbauprogramme mit stärkerem Schwerpunkt auf Mietwohnungen für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen. Die Befragten nehmen aber auch Arbeitgeber in die Pflicht und denken, dass auch sie Möglichkeiten haben, dem Problem entgegenzuwirken. 84 Prozent sind der Meinung, dass Unternehmen ihren Beschäftigten Betriebswohnungen stellen könnten. Eine Bezuschussung der Miete nannten 83 Prozent. Dass Arbeitgeber die Fahrtkosten zwischen Wohn- und Arbeitsort übernehmen, ist für81 Prozent ein Ansatzpunkt. Außerdem können sich gut zwei Drittel der Berufstätigen (69 Prozent) vorstellen, dass die Unternehmen Mieterhöhungen durch eine entsprechende Gehaltserhöhung ausgleichen.

Auch Burkhart empfiehlt es Arbeitgebern, angesichts der angespannten Situation auf dem Arbeitnehmermarkt selbst aktiv zu werden. Es müsse nicht immer die Betriebswohnung sein; eine Möglichkeit könne zum Beispiel auch die Schaffung von Homeoffice-Möglichkeiten für Pendler sein.

Die vollständigen Studienergebnisse stehen > hier zum Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.