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Anbandeln im Büro: Wenn es zwischen Kollegen funkt

Ein Kolleg und eine Kollegin an einem Schreibtisch, ein großes rotes Herz verdeckt ihre Gesichter
Zwei Kollegen, die sich gefunden haben.
Foto: © ViDi Studio/Fotolia.de

Im beruflichen Umfeld verbringt man mehr Zeit als mit Freunden – und Gelegenheit macht bekanntlich Liebe: Nicht wenige Menschen lernen ihren Partner im Job kennen. Viele haben sexuelle Fantasien über Kolleginnen oder Kollegen, andere lassen sich auf einen One-Night-Stand ein, wie eine Studie zeigt.

Rund zwei Drittel der Berufstätigen hierzulande (65 Prozent) hatten bereits einmal sexuelle Fantasien über jemanden aus dem Kollegenkreis. Bei den Männern läuft das Kopfkino hier allerdings eher an, denn von ihnen geben gut drei Viertel (77 Prozent) an, dass Kolleginnen schon Objekt ihrer Begierde waren, während es von den Frauen immerhin circa jede zweite (53 Prozent) sagt. Mittelpunkt der Fantasien sind mit 43 Prozent die eigenen Teamkollegen oder -kolleginnen. Auf Vorgesetzte sind nur noch 15 Prozent scharf und CEOs sind mit fünf Prozent am wenigsten begehrt.

Beziehung zu Vorgesetzten für Männer eher vorstellbar als für Frauen

Geht es aber um das Thema Beziehung, sieht es schon anders aus: Von den Mitgliedern der Unternehmensleitung würden 55 Prozent eine Beziehung zu einem Vorgesetzten in Betracht ziehen, von den leitenden Angestellte können sich das 37 Prozent vorstellen und von Mitarbeitern im mittleren Management ist es immerhin ein Drittel (33 Prozent). Lediglich Zeitarbeitnehmer, Aushilfskräfte und Trainees sind zurückhaltender; nur für rund jeden Fünften (21 Prozent) käme die Beziehung zu einem Vorgesetzten in Frage. Interessant ist, dass insgesamt knapp vier von fünf Männern nichts gegen eine Beziehung mit einer weiblichen Führungskraft hätten, während sich das nur ungefähr jede fünfte Frau vorstellen kann. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Auftrag von > Viking. Dafür wurden im August und September dieses Jahres 1000 deutsche Arbeitnehmer ab 18 Jahren befragt.

Jeder Fünfte verpartnert sich langfristig mit Kollegen

Soweit die Theorie, doch wie sieht es in der Praxis aus? Mit Kollegen ausgegangen sind bereits 42 Prozent und 32 Prozent der Befragten haben schon Kollegen geküsst. Außerdem gibt jeder fünfte Mann zu, schon einen One-Night-Stand mit einer Kollegin gehabt zu haben. Von den weiblichen Studienteilnehmerinnen sagt das nur jede zehnte. In einem anderen Punkt stimmen die Angaben von Frauen und Männern jedoch überein: Fast jede/r Fünfte berichtet über langfristige Beziehungen mit Kollegen. Zur Eheschließung kam es jedoch nur bei fünf Prozent. Hier gibt es allerdings Unterschiede je nach Altersgruppe: Von den Mitarbeitern ab 45 Jahren haben 15 Prozent einen Kollegen geheiratet.

Von allen Befragten, die an ihrem Arbeitsplatz eine Beziehung eingegangen sind, haben 45 Prozent eine Liebesbeziehung mit Kollegen aus dem eigenen Team begonnen. 33 Prozent waren mit Mitarbeitern aus einer anderen Abteilung liiert.

Neben Ausbildung und Freundeskreis zählt der Job als die dritte große Partnerbörse. Kein Wunder, denn nirgendwo sonst verbringt man so viel Zeit wie bei der Arbeit. Paare, die zusammenarbeiten, teilen Berufs- und Privatleben miteinander,

kommentiert Diplom-Psychologe Markus Ernst die Studienergebnisse.

Wo die Liaison beginnt

Und wo lernt man sich näher kennen? Für rund jeden vierten Studienteilnehmer (26 Prozent) begann die Romanze direkt im Büro. Fast ebenso viele (25 Prozent) entwickelten außerhalb der Arbeitszeit und des Arbeitsumfelds Gefühle für Kollegen. 17 Prozent sagten, es habe bei Unternehmensfeiern geknistert. Auf Geschäftsreisen, die in der allgemeinen Wahrnehmung eine gute Chance für die Anknüpfung von Beziehungen gelten, hat es lediglich bei zwölf Prozent der Befragten gefunkt, obwohl dort mehr Privatsphäre gegeben ist. Weitere zehn Prozent gaben an, man habe sich bei einer Unternehmensveranstaltung näher kennengelernt und sechs Prozent gaben andere Zeitpunkte oder Gelegenheiten an.

Herausforderung: Geheimhaltung und Trennung von Arbeit und Privatem

Obwohl im Arbeitsumfeld entstandene Beziehungen häufig vorkommen und im Grunde nichts Anrüchiges haben, sind sie doch häufig tabuisiert oder bringen Probleme zwischen den Verbandelten mit sich – vor allem, wenn Gefühle im Spiel sind. So ist es für rund 46 Prozent die größte Herausforderung, die Beziehung vor den anderen Mitarbeitern geheim zu halten. 39 Prozent sagten, es sei schwierig, Berufliches und Privates voneinander zu trennen. Den Umgang mit der Wahrnehmung von Kollegen/Tratsch halten 28 Prozent für problematisch. Außerdem ist es für jeden Vierten (23 Prozent) eine Herausforderung, sich während der Arbeitszeit gegen die physische Anziehung des anderen zu wehren. Kam es zu einem Streit oder einer Trennung, stellt die Zusammenarbeit danach für 21 Prozent ein Problem dar. Tatsächlich ist fast jede zweite Bürobeziehung der Studienteilnehmer (48 Prozent) in die Brüche gegangen. Davon haben sich 16 Prozent nicht im Guten getrennt. In solchen Situationen Abstand voneinander zu halten, ist nicht immer einfach, aber oft notwendig.

Verhaltensregeln bei Streit und Beziehungsaus

Markus Ernst empfiehlt als Verhaltensmaßnahmen in solchen Situationen, eventuell zunächst Urlaub zu nehmen, Arbeitspausen an unterschiedlichen Orten zu verbringen, klare Regeln im Umgang miteinander aufzustellen und bei hoher psychischer Belastung durchaus eine Versetzung im Unternehmen zu erwägen – die Kündigung sollte der letzte Ausweg sein. Darüber hinaus sei es hilfreich, anderen Kollegen das Ende der Beziehung offen zu kommunizieren, um Gerüchten vorzubeugen.

Einen ausführlichen Beitrag zum Thema “Liebe am Arbeitsplatz” gibt es > hier.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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