Kommunalwahlen: So wollen KfW und Helaba die Demokratie fördern  

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Sie wollen demokratische Teilhabe stärken. Dafür haben mehrere Unternehmen in Hessen die Initiative „Charta der Demokratie“ gestartet. Kerngedanke ist es, Mitarbeitende zu unterstützen, die ehrenamtlich kommunalpolitische Mandate übernehmen. Die Arbeitgeber wollen eigenen Aussagen nach Raum für das Ehrenamt schaffen und gleichzeitig im Unternehmen den Austausch über demokratische Werte fördern.  

Die Initiative ist aber auch ein klares Statement der beteiligten Unternehmen für demokratische Grundwerte. Das scheint gerade kurz vor den Kommunalwahlen in Hessen am 15. März von Bedeutung zu sein. Seit Jahren steigt der Wahlerfolg der AfD, die zwischenzeitlich als rechtsextremistische Partei eingestuft wurde, seit Februar 2026 aber nur noch als rechtsextremistischer Verdachtsfall bezeichnet werden darf. Viele sehen in den Vorhaben der Partei einen Angriff auf demokratische Grundwerte.  

Fünf Tage Sonderurlaub für politisches Engagement 

Wie genau die an der Initiative beteiligten Unternehmen die demokratische Teilhabe in ihrer Organisation stärken wollen, ist jeweils unterschiedlich. Bei der Initiatorin der „Charta der Demokratie“, der Bank KfW, gibt es für besagte Beschäftigte einen bezahlten Sonderurlaub und ein begleitendes Coaching. Mitarbeitende, die bei der hessischen Kommunalwahl in eine Gemeindevertretung, Stadtverordnetenversammlung oder in den Kreistag gewählt werden, können für die Legislaturperiode einen Sonderurlaub von bis zu fünf Tagen pro Jahr beantragen, erklärt Erika Holz von der KfW und Projektleiterin der Initiative. Für Wahlhelfer und Wahlhelferinnen gilt dieses Angebot nicht.

Resilienz-Coaching für Amtsträger 

„Kommunalpolitik verlangt viel – sowohl zeitlich als emotional“, sagt Holz unserer Redaktion auf Anfrage. Das sei auch bei dem Workshop herausgekommen, den die KfW im Vorfeld des Starts der Initiative durchgeführt hat. Auf die emotionale Komponente möchte die Bank durch das Angebot von Coachings eingehen. KfW-Mitarbeitende mit einem kommunalpolitischen Amt können ein Gruppen- oder Einzelcoaching (zwölf Stunden) in Anspruch nehmen.

Gecoacht werden sie von externen Coaches, die auch für das Führungskräftetraining bei der KfW verantwortlich und nicht politisch geprägt seien. Worüber gesprochen wird, können die entsprechenden Mitarbeitenden laut Holz selbst wählen. Mögliche Themen seien etwa Resilienz oder die Abgrenzung des politischen Amts vom Job und dem Familienleben.

Angebote der KfW für Mitarbeitende ohne Ehrenamt 

Beide Angebote richten sich ausschließlich an Mitarbeitende mit einem ehrenamtlichen politischen Amt. Das ist bei Weitem nicht der einzige Weg, um demokratisches Engagement als Arbeitgeber zu fördern. Doch die KfW hat sich bewusst auf diesen Aspekt fokussiert. „Kommunalpolitik bildet die Grundlage demokratischer Prozesse und ist zugleich ein wichtiger Pool für künftige Landtags- und Bundestagsabgeordnete“, sagt Holz.  

Trotz dieser Überzeugung will die KfW auch den Rest der Belegschaft dazu motivieren, sich für ein demokratisches Miteinander einzusetzen. Dafür hat sich die Bank mit der Hertie-Stiftung zusammengetan, die Programme zur politischen Bildung für Unternehmen anbietet – etwa solche zum Umgang mit und dem Erkennen von Verschwörungstheorien sowie Hassreden. Auch gebe es Weiterbildungen für Nachwuchskräfte mit politischem Engagement sowie monatliche „Digi-Talks“ zu verschiedenen Themen. Damit solle das Know-how der Beschäftigten aufgebaut werden.

Diese Unternehmen sind bisher Teil der „Charta der Demokratie“  

Die „Charta der Demokratie“ haben neben der KfW bisher die Deutsche Börse Group, die Fraport, die HEAG Holding, die Hessische Landesbank (Helaba), die Kion Group, PwC Deutschland und Samson unterzeichnet. Die Schirmherrschaft hat die Hessische Staatskanzlei. „Damit sich auch weiterhin Menschen in der Kommunalpolitik einbringen können, schaffen wir bei Fraport die passenden Rahmenbedingungen und unterstützen das Engagement unserer Mitarbeitenden“, schreibt etwa Fraport-Personalvorständin Julia Kranenberg auf Linkedin

Demokratieförderung: Es kommt auf die Unternehmenskultur an  

Viele der beteiligten Unternehmen scheinen aktuell noch konkret auszugestalten, wie genau die Förderung von politischem Engagement bei ihnen aussehen soll. So auch die Helaba. Bisher hat sie sich auf die Unterstützung von sozialen Projekten fokussiert – etwa dadurch, dass sich Mitarbeitende für soziale Freiwilligenarbeit bis zu zwei Tage pro Jahr freistellen lassen können – oder auf den Aufbau von Diversity-Netzwerken.   

Von Helaba-Seite heißt es, dass man die neuen, noch nicht feststehenden Aktivitäten in ein bereits vorhandenes kulturelles Konzept einbauen möchte. Bisher habe sich die Bank bei der Förderung einer demokratischen Kultur im Unternehmen auf folgende Pfeiler gestützt:  

  • ein offener und wertschätzender Umgang miteinander 
  • das Willkommenheißen unterschiedlicher Perspektiven 
  • finanzielle Unterstützung von Netzwerken für entsprechende Aktionen und Weiterbildung 
  • ein regelmäßiger Austausch zwischen den Netzwerken und dem Vorstand sowie  
  • eine transparente Kommunikation über Angebote und Haltung.  

„Die Förderung demokratischer Werte ist kein einzelnes Projekt, sondern ein langfristiger, kontinuierlicher Prozess, der von der gesamten Organisation getragen wird“, heißt es vonseiten der Helaba. Auch bei der KfW ist Erika Holz davon überzeugt, dass die Initiative „Charta der Demokratie“ an bestehende kulturelle Aspekte in der Bank angeknüpft werden muss. „Die wichtigste Grundlage für eine demokratiefördernde Unternehmenskultur ist das starke Commitment und die Überzeugung des Vorstands“, sagt die Projektleiterin. Sie müssen davon überzeugt sein, dass Arbeitgeber über die reine Verantwortung für das wirtschaftliche Wohlergehen ihres Unternehmens hinaus auch gesellschaftliche Verantwortung tragen. 

Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch das Thema Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit und das HR Forum Banking.