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Längere Erwerbstätigkeit im Alter ist „kein Selbstläufer“

Wenn Beschäftigte länger arbeiten und später in Rente gehen, kann dem Fachkräftemangel teilweise entgegen gewirkt werden. Unter anderem basierend auf dieser Annahme versucht die Bundesregierung gerade neue Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Wirtschaft vor den Auswirkungen der derzeitigen und kommenden Personalknappheit zu schützen. Ob der Plan aufgeht, hängt davon ab, inwieweit die Mitarbeitenden länger tätig sein wollen. Und das wollen derzeit nicht viele, wie eine Auswertung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt.

Der Anteil derjenigen Beschäftigten, die auch im höheren Alter noch erwerbstätig waren, stagniert seit 2016. Viele scheiden im Alter von 63 oder 64 aus dem Berufsleben aus und damit früher als die Rentenaltersgrenze, die bis 2031 stufenweise auf 67 Jahre angehoben wird (für die meisten liegt sie derzeit zwischen 65 und 67 Jahren). Im Detail heißt das: 2021 haben rund 40 Prozent der Männer im Alter von 64 Jahren noch gearbeitet, bei den Frauen im selben Alter waren es etwa 33 Prozent. Mit 65 Jahren sind bei den Frauen noch rund 24 Prozent berufstätig und bei den Männern knapp 31 Prozent. Im vergangenen Jahr arbeiteten zudem rund 22 Prozent der 66-jährigen Männer und etwa 14 Prozent der 66-jährigen Frauen.

Schafft die „Rente mit 63“ falsche Anreize?

Grund für die frühzeitige Niederlegung der Arbeit ist laut BiB-Expertinnen und -Experten vor allem die „Rente mit 63“. Diese Regelung ermöglicht es Beschäftigten bei einer Versicherungszeit von mindestens 45 Jahren frühzeitig Rente zu beziehen, ohne dabei Abschläge zu haben. Laut der BiB-Auswertung lief 2021 fast jeder dritte Zugang zur Altersrente über diesen Weg. Viele ältere Beschäftigte nahmen aber auch Abschläge in Kauf (rund ein Viertel). Sie gingen im Mittel 28 Monate vor ihrer Rentenaltersgrenze in den Ruhestand.

„Die stagnierenden Zahlen zeigen, dass die Ausweitung der Erwerbstätigkeit in höhere Alter kein Selbstläufer ist“, sagt Elke Loichinger, Forschungsgruppenleiterin am BiB. Um Arbeitskräfte länger im Erwerbsleben zu halten, müssten Anreize deutlich vor dem Eintritt in den Ruhestand erfolgen. „Wenn der Ruhestand erst einmal erfolgt ist, kommen nur wenige ins Erwerbsleben zurück.“

Das scheint auch die Politik so zu sehen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) teilte jüngst gegenüber der Funke Mediengruppe mit: „Es gilt den Anteil derer zu steigern, die wirklich bis zum Renteneintrittsalter arbeiten können.“ Wie genau dies gefördert werden soll, ließ er offen. Eine Möglichkeit wurde allerdings unter anderem vom Sozialverband Deutschland geäußert. „Es ist richtig, mehr zu tun, damit Ältere länger arbeiten können, etwa durch Umschulungen oder bessere Arbeitsbedingungen“, sagte die Vorstandsvorsitzende des Verbands, Michaela Engelmeier ebenfalls gegenüber der Funke Mediengruppe.

Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch Themen aus den Bereichen Recruiting, Employer Branding und Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit.