Wird ein queerer Mensch auf der Arbeit aufgrund seiner geschlechtlichen oder sexuellen Identität diskriminiert, kann das für ihn ein Grund sein, um zu kündigen. 22 Prozent der queeren Community haben laut einer Umfrage von Indeed und der UHLALA Group schon einmal ihren Job aufgrund von Diskriminierungserfahrungen gewechselt. 11 Prozent von ihnen sogar mehrmals. Für die Studie wurden im Mai 2023 gut 1.000 Menschen aus der LGBTQI+-Community befragt.
Arten der Diskriminierung, die diese weitreichenden Konsequenzen mit sich zogen, nannten sie zahlreiche. Am häufigsten müssen sich queere Menschen abfällige Kommentare oder Witze über ihre geschlechtliche oder sexuelle Identität anhören. Ignoranz und Unverständnis wird ihnen auch häufig entgegengebracht. Mobbing, Mikroaggressionen, Isolation und Belästigung erfahren sie zudem recht oft (Aufzählung in abfallender Häufigkeit).
Arbeitgeber führen nur selten offizielle Untersuchungen durch
Erfährt ein Arbeitgeber, dass Mitarbeitende diskriminiert wurden, ist die Reaktion meistens zurückhaltend, sagen die Befragten. In 28 Prozent der Fälle werde die diskriminierende Situation von Führungskräften, HR und Kolleginnen sowie Kollegen heruntergespielt. In 39 Prozent der Fälle gab es zwar eine informelle Reaktion auf die Diskriminierung, aber keine offizielle Untersuchung oder Konsequenzen für die diskriminierende Person. Nur 18 Prozent der queeren Menschen, die diskriminiert wurden, geben an, dass ihr Arbeitgeber offizielle Untersuchungen eingeleitet hat und es Konsequenzen für die verantwortliche Person gab.
Wie die Kündigungen aufgrund von Diskriminierungserfahrungen implizieren und andere Zahlen der Umfrage zeigen, ist es für LGBTQI+-Menschen wichtig, dass es eine queerenfreundliche Unternehmenskultur gibt. Das gilt vor allem für Menschen, die bereits aufgrund ihrer geschlechtlichen oder sexuellen Identität benachteiligt wurden.
37 Prozent der queeren Menschen achten bei der Jobsuche darauf, dass sich der Arbeitgeber öffentlich für ihre Community einsetzt (bei den Menschen mit Diskriminierungserfahrungen sind es 81 Prozent). Dass in den Stellenanzeigen eine offene Unternehmenskultur für queere Menschen erwähnt wird, ist 32 Prozent (beziehungsweise 79 Prozent) wichtig. Doch Versprechen sind leer und bringen wenig, wenn hinter ihnen nichts steckt. In den meisten Fällen haben sie aber wohl Gehalt: 53 Prozent der queeren Menschen sagen, dass ihr Arbeitgeber sich in der Öffentlichkeit als offen gegenüber der LGBTQI+-Community zeigt. 87 Prozent von ihnen finden, dass ihr Unternehmen dieses Versprechen einhält.
Jüngere ziehen schneller ihre Grenze
Interessant ist auch, welche Rolle das Alter der queeren Menschen für ihren Umgang mit Diskriminierungserfahrungen spielt. Befragte unter 45 Jahren ignorieren deutlich seltener Diskriminierungen und wenden sich in solchen Fällen häufiger als ihre älteren Kolleginnen und Kollegen an ihre Vorgesetzten und Personalverantwortliche oder ergreifen rechtliche Schritte oder kündigen.
Zu den vollständigen Studienergebnissen gelangen Sie hier.
Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch das Thema Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit und das HR Forum Banking.

