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Corona-Pandemie: Aktuelle Probleme und Nöte von Präsenzmitarbeitenden

Nach zwei Jahren Corona-Krise denkt die Mehrheit der Beschäftigten, die vor Ort arbeiten, dass der Stress dieses Jahr nicht nachlassen wird. Viele Arbeitnehmende fühlen sich unzureichend unterstützt und zu schlecht bezahlt. Das geht aus einem Special Report zum “Work Trend Index 2022” im Auftrag von Microsoft hervor. Dafür wurden von Oktober bis November letzten Jahres 9.600 Beschäftigte in acht Ländern, darunter 1.200 in Deutschland, befragt. Die Studie stellt vor allem den Stellenwert der Technologie zur Behebung von Problemen heraus.

Beschäftigte leiden unter zu viel Arbeit und Stress

81 Prozent der Befragten in Deutschland geben an, dass sie sich sehr mit ihren Kolleginnen und Kollegen verbunden fühlen, da sie die Herausforderungen der Pandemie mit ihnen teilen konnten. Rund zwei von drei Studienteilnehmenden (68 Prozent) glauben jedoch, dass der Stress in diesem Jahr gleich bleiben oder sich sogar verschlimmern wird. Die größten Stressfaktoren sind zu viel Arbeit (53 Prozent), lange Arbeitstage (46 Prozent), niedrige Gehälter (44 Prozent), Corona-Vorschriften (34 Prozent) und Erwartungen der Führungskräfte (33 Prozent). Außerdem sagen 43 Prozent, dass ihnen Lieferkettenprobleme bei der Arbeit zu schaffen machen und 47 Prozent sind der Ansicht, dass nicht genug getan wird, um diese zu beheben.

Mangelnde Kommunikation und Wertschätzung

Gleichzeitig stimmen sechs von zehn Beschäftigten (61 Prozent) der Aussage zu, dass ihre Vorgesetzten dem Ausbau gemeinsamer Unternehmenswerte keine Priorität einräumen. Und gut drei Viertel (77 Prozent) der Mitarbeitenden in Führungspositionen (68 Prozent) räumen ein, dass das Management dem Aufbau einer Arbeitsplatzkultur keine Priorität beimisst. 61 Prozent der Mitarbeitenden geben an, dass Botschaften von der Führung sie nicht erreichen. Von den Führungskräften dieser Mitarbeitenden sagen sogar 77 Prozent, dass Nachrichten der Geschäftsleitung nicht bei ihnen ankommen. Darüber hinaus sagt insgesamt fast jeder zweite Befragte ohne Leitungsfunktion (46 Prozent), sich und seine Arbeit nicht wertgeschätzt zu fühlen. Knapp jeder Dritte der Frontline Workers (30 Prozent) hat den Eindruck, dass ihre Stimme nicht gehört wird, wenn es um die Kommunikation von Problemen am Arbeitsplatz geht. Sechs von zehn Beschäftigten wünschen sich, dass mehr getan wird, um ihnen bei körperlicher Erschöpfung zu helfen (62 Prozent) oder erwarten Unterstützung zur Förderung ihrer psychischen Gesundheit (61 Prozent). Eine Kultur der Fürsorge sei daher die neue Währung an vorderster Front, so die Studie.

Mitarbeitende wünschen sich mehr Geld und Entlastung

Die drei meist genannten Lösungen, um Stress und Probleme zu beheben, sind aus Sicht der Befragten eine Gehaltserhöhung (49 Prozent), bezahlte Mehrarbeit (47 Prozent), und mehr Personal (43 Prozent). Als Hauptgründe für einen Jobwechsel sehen sie die Chance auf bessere Bezahlung, eine ausgewogenere Work Life Balance und die Tatsache, dass sie bei ihrem aktuellen Arbeitgeber keine Gehaltserhöhung bekommen.

Unzureichende Technik für effektives Arbeiten

Die Studienteilnehmenden wurden insbesondere dazu befragt, wo ihnen Technik helfen könnte, Probleme zu bewältigen. 30 Prozent stimmten der Aussage zu, Technik könne bei der Einarbeitung neuer Mitarbeitenden unterstützen, 28 Prozent nannten die Einsatzplanung von Teammitgliedern, 27 das Abschalten von der Arbeit in der Freizeit und 26 Prozent weniger Anwendungen am Arbeitsplatz. 59 Prozent der Befragten seien begeistert von den neuen Möglichkeiten, die Technologie ihnen bei der Arbeit bieten kann, so die Studie. Ein Drittel (32 Prozent) gibt an, sogar mehr Wert auf solche Tools als auf Unterstützung und Wellness Leistungen zu legen. Ebenso viele monieren, im Job nicht über die passende Technik zu verfügen, um ihre Tätigkeit effektiv auszuüben. Auch musste sich fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) ohne formale Schulung in neue Technologien einarbeiten. 40 Prozent der Studienteilnehmenden fürchten den Verlust ihres Arbeitsplatzes, wenn sie sich nicht an neue Technologien anpassen.

Das Fazit der Studie lautet, Führungskräfte könnten mithilfe von Technologien – etwa virtuelle Kommunikations-Tools und Lern-Apps – dazu beitragen, die Kommunikations-, Kultur- und Schulungslücken zu schließen, mit denen Firstline Worker konfrontiert sind. Ob mehr technische Tools automatisch dazu führen, dass Mitarbeitende die gewünschte Wertschätzung seitens der Führungskräfte erfahren, ist eine andere Frage.

Zum vollständigen englischsprachigen Report geht es > hier.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.