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Wie haben sich Materialengpässe auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt?

Ob Volkswagen, Mercedes oder BMW – einige Unternehmen der Automobilbranche haben große Teile ihrer Belegschaft seit der Corona-Pandemie in Kurzarbeit geschickt. Aufgrund von Materialengpässen konnte die Produktion nicht im gewohnten Umfang weitergehen und Beschäftigte hatten plötzlich weniger Aufgaben. Handelt es sich hierbei nur um isolierte Fallbeispiele oder stehen die Fälle für eine Entwicklung der gesamten Industriebranche? Dieser Frage sind drei Forscher des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) mittels einer Datenanalyse nachgegangen. Dabei fanden sie heraus, dass die Materialengpässe zwischen April 2021 und Januar 2022 einen Anstieg der Arbeitslosigkeit im verarbeitenden Gewerbe verursachten und Kurzarbeit aufleben ließen.

Die Analyse der drei Forscher Markus Hummel, Dr. Christian Hutter und Prof. Dr. Enzo Weber basiert auf Daten aus vierteljährlichen ifo-Konjunkturumfragen, aus monatlichen Erhebungen des ifo-Instituts zum Bauhauptgewerbe sowie auf Daten der Bundesagentur für Arbeit. Sie beziehen sich auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie und bilden mögliche Konsequenzen des Ukraine-Kriegs nicht ab.

Wo die Engpässe am schlimmsten waren

Die Daten aus den ifo-Umfragen zeigen, dass es vor allem in den Branchen Mineralölverarbeitung (94 Prozent der befragten Unternehmen bestätigen eine Knappheit) und der Herstellung von elektronischen Ausrüstungen (82 Prozent) zu Materialengpässen kam. Infolgedessen litten auch die Bereiche der Herstellung von Kraftwagenteilen und Kraftwagen (79 Prozent) sowie der Fahrzeugbau an sich (81 Prozent) an einem Rohstoffmangel. Eine Ausgangssituation, die in dieser Form laut den Forschern in den vergangenen 30 Jahren in ihrem Ausmaß einmalig ist.

Diese historische Herausforderung wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus. Ohne die Materialengpässe wären innerhalb der vergangenen Monate 47.000 Menschen weniger arbeitslos geworden (oder 21 Prozent). Durch den Mangel an Rohstoffen sei es zudem 29.000 Menschen weniger gelungen, aus der Arbeitslosigkeit zu kommen (17 Prozent). Am meisten wirkt sich die Materialknappheit allerdings auf die Zahl der Kurzarbeitenden aus. Ohne die wirtschaftlichen Herausforderungen hätten sich von April 2021 bis Januar dieses Jahres 446.000 Menschen weniger (71 Prozent) in Kurzarbeit befunden. Auf die Frage, wieso manche Mitarbeitende ihren Job verloren haben und andere in Kurzarbeit geschickt worden sind, gehen die Forscher in ihrer Analyse nicht ein.

„Offenbar wird überwiegend Kurzarbeit genutzt, um sich Materialengpässen anzupassen“, sagen die Forscher. „Die Wirkungen auf die Arbeitslosigkeit dahingegen sind spürbar, aber noch relativ begrenzt.“ Das wissenschaftliche Team geht nun auch davon aus, dass die Ukraine-Krise ähnliche Folgen haben wird.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.