Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber in Deutschland, die sich um eine Ausbildungsstelle beworben haben, ist laut Bundesagentur für Arbeit (BA) zwischen 2013 und 2022 um rund ein Viertel (22 Prozent) gesunken. Diese Entwicklung verlief jedoch nicht in allen Berufen gleich. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die den Fokus daraufgelegt hat, wie sich der Ausbildungsmarkt für Berufe mit umwelt- und klimafreundlichen sowie -schädlichen Tätigkeiten in dieser Zeit entwickelt hat. Danach ist die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber in Berufen mit sogenannten Brown Skills von etwa 59.000 auf unter 30.000 zurückgegangen, während die Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden für Berufe mit Green Skills nur leicht, von 218.000 auf 210.000, gesunken ist.
Green Skills versus Brown Skills
Für die Studie verwenden die IAB-Forscher den sogenannten Greenness-of-Jobs-Index (GOJI), der auf Basis der Kompetenzangaben im BERUFENET den Grad der potenziellen Umwelt- und Klimafreundlichkeit eines Berufs jeweils für die Jahre 2013 bis 2022 berechnet. Danach werden zum Beispiel Berufe in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, der regenerativen Energie- und Umweltschutztechnik, der Dachdeckerei, sowie der Beruf Schornsteinfegerin beziehungsweise Schornsteinfeger positiv bewertet, während etwa Berufe in der Kunststoffherstellung, der Baustoffherstellung und der Nutztierhaltung, die zum Teil mit hohen Abgasemissionen oder hohem Energieeinsatz einhergehen, negativ indiziert sind. Daneben gibt es neutrale Berufe, zu denen vor allem Gesundheits- und Dienstleistungsberufe zählen, sowie solche, die sowohl umweltfreundliche als auch -schädliche Tätigkeitsinhalte beinhalten.
Zahl der Ausbildungsverhältnisse für Berufe mit Green Skills gestiegen
Trotz der rückläufigen Zahl an Azubis auch in diesem Bereich hat die Zahl der neu besetzten Ausbildungsstellen für Berufe mit umwelt- beziehungsweise klimafreundlichen Tätigkeiten zugenommen. Die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse für Berufe mit Green Skills lag 2021 um rund 14 Prozent höher als 2013. Dagegen hatte sich die Zahl der neu besetzten Ausbildungsstellen in Berufen mit Brown Skills um rund 15 Prozent verringert. Diese Entwicklung könne, so das IAB, sowohl durch Änderungen in der Wirtschafts- und Berufsstruktur oder der veränderten Ausrichtung einzelner Berufe bedingt sein als auch durch Änderungen im Verhalten der Bewerbenden und Unternehmen.
Zwar kamen bei den Berufen mit Green Skills 2013 auf eine offene Ausbildungsstelle noch durchschnittlich etwa 1,1 Bewerbende gegenüber nur 0,8 im Jahr 2022, doch dieser Rückgang erklärt sich laut Studie dadurch, dass die Zahl der Ausbildungsstellen für solche Berufe in diesem Zeitraum wegen des stark gewachsenen Bedarfs an Fachkräften mit Green Skills von 198.000 auf 251.000 angewachsen ist.
Alle Berufe umweltfreundlicher machen, um mehr Azubis anzuziehen
Viele Berufe, die momentan noch umwelt- oder klimaschädliche Tätigkeiten beinhalten, würden auch in Zukunft gebraucht, räumt Markus Janser, Mitarbeiter im IAB-Forschungsbereich „Regionale Arbeitsmärkte“, ein. In allen Berufen könnten jedoch über die Zeit mehr umwelt- und klimafreundliche Tätigkeiten hinzukommen.
Auf jeden Fall lege die positive Entwicklung der Auszubildendenzahlen in Berufen mit Green Skills nahe, dass das „Greening” von Ausbildungsberufen auch deren Attraktivität erhöhen kann. Um auch Berufe, in denen Brown Skills noch eine große Rolle spielen, wieder anziehender für junge Menschen zu machen, müssten sie insgesamt umweltfreundlicher werden. Außerdem sollten die Aus- und Weiterbildungsinhalte aller Berufe so angepasst werden, dass die Azubis auf zukünftig ökologisch nachhaltigere Tätigkeiten vorbereitet werden.
Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

