Simon Schnetzer: Azubis wollen Sinn – nicht weniger leisten 

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Personalwirtschaft: Herr Schnetzer, die Studie „Azubi-Recruiting Trends 2026“ zeigt erhebliche Unterschiede zwischen der Selbstwahrnehmung junger Menschen und dem Bild, das Ausbilder von ihnen haben. War diese Lücke schon immer so groß? 
Simon Schnetzer: Unsere generationenvergleichenden Daten zeigen zwischen den Einstellungen zu Arbeit, Tugenden oder Bedürfnissen kaum grundsätzliche Unterschiede zwischen den Generationen. Was sich aber zwischen den Altersgruppen unterscheidet, ist das Verständnis von Begriffen wie Zuverlässigkeit, Leistung oder Belastbarkeit. Ein Kreuz an derselben Stelle kann sehr unterschiedliche Dinge bedeuten. Es gibt also eine erstaunliche Konstanz in den Werten über Generationen hinweg — aber hinter der Statistik verschiebt sich etwas. 

Was hat sich am Leistungsverständnis der Gen Z konkret verändert? Können sie das erläutern?  
Ein junger Mensch, der sich mit Gleichaltrigen vergleicht, kann sich als sehr zielstrebig wahrnehmen. Ältere Menschen, die Jugendliche mit ihrer eigenen damaligen Reife vergleichen oder selbst höheren Zwängen ausgesetzt waren, sehen das anders. Wer eine Wohnung finanzieren oder eine Familie ernähren muss und keine elterliche Absicherung mehr hat, muss funktionieren. Das ist bei vielen Jungen heute anders. 

Erhebliche Teile der Gen Z sehen bei sich selbst psychische Probleme. Was hat sich verändert? Sind es Spätfolgen der Pandemie, Dauerkrisen, Social Media? 
Der Blick junger Menschen auf die Zukunft hat sich verändert. Aufgrund der Pandemie, der hohen psychischen Belastung, der Kriege und des getrübten Blicks auf die Zukunft. Vieles davon gab es früher auch, aber man wurde damit nicht non-stop konfrontiert, sondern die Tagesschau hat einen Filter darübergelegt, was man Menschen zumuten kann. Mit der Dauerbeschallung durch Social Media und Games sowie dem permanenten Vergleich damit, wie toll die anderen sind und wie gut es denen geht, kommen viele nicht klar. Wer heute mit Eltern junger Menschen spricht, merkt schnell, dass bei wenigen die Pandemie, Social Media und Dauerkrisen keine Spuren hinterlassen haben. In der Trendstudie sehen wir, dass etwa 30 Prozent der jungen Menschen das Gefühl haben, professionelle psychische Unterstützung zu benötigen.  

Warum sind Gen-Z-Azubis nicht weniger motiviert – sondern nur anders? 
Es hat sich verändert, mit welchem Leistungsverständnis junge Menschen aufwachsen. Der Spruch „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ funktioniert nicht mehr, weil junge Menschen dazu erzogen wurden, eine eigene Meinung zu haben und mitzugestalten. 

Was heißt das konkret für Ausbildungsbetriebe? 
Ein großer Teil der Unterschiede liegt darin, wie gut Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Führungskräfte es schaffen, junge Menschen abzuholen. Die sind nicht weniger motiviert — aber sie wollen verstehen, warum eine Aufgabe wichtig ist, und sie brauchen häufigeres Feedback, weil sie das gewohnt sind. Ich kenne Betriebe, die begeistert über ihre jungen Kolleginnen berichten. Dort gibt es eine bestimmte Kultur und Menschen, die gut mit jungen Menschen umgehen können. 

Haben Sie Tipps für Betriebe? 
Arbeitgeber haben eine konkrete Stellschraube: Wer klare Kommunikationsregeln etabliert, sorgt dafür, dass sich Azubis in der Arbeitszeit auf die Arbeit konzentrieren können. Wer das nicht tut, vermischt Arbeitsbelastung und die allgemeine Kommunikationsbelastung durch Social Media — mit vorhersehbaren Folgen für Konzentration und Wohlbefinden. 

Info

Christina Petrick-Löhr betreut das Magazinressort Talent & Learning sowie die Berichterstattung zur Aus- und Weiterbildung. Zudem ist sie verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft sowie den Deutschen Personalwirtschaftspreis. Foto: FBM

Christina Petrick-Löhr betreut das Magazinressort Talent & Learning sowie die Berichterstattung zur Aus- und Weiterbildung. Zudem ist sie verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft sowie den Deutschen Personalwirtschaftspreis.