Frage an die HR-Werkstatt: Welche Fähigkeiten brauchen (HR-)Führungskräfte und welche Rolle kommt ihnen in diversen Belegschaften zu?
Es antwortet: Lucia Ramminger, Director Human Resources bei Edenred Deutschland.
Unsere Gesellschaft ist vielfältig und dies zeigt sich auch in den Belegschaften. Doch nicht allein demografische Aspekte wie Alter, Berufserfahrung, Herkunft oder Ausbildung beeinflussen den Faktor „Team-Diversity“. Auch durch die steigende Berufstätigkeit von Frauen, Globalisierung, längere Lebensarbeitszeiten oder staatliche Regulierungen wie zum Beispiel Frauenquoten in Vorstandgremien werden unsere Teams zunehmend diverser. Aufgrund dieser Entwicklung kommt (HR-)Führungskräften als Schnittstelle zwischen Unternehmen und Mitarbeitenden eine tragende Rolle zu. Sie müssen einerseits strategisch agieren, dürfen jedoch die verschiedenen Bedürfnisse und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden diverser Teams nicht aus den Augen verlieren. Dies gelingt nur, wenn Führungskräfte neben der kognitiven Intelligenz auch über Empathie verfügen, um Menschen zu motivieren und diese in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung zu unterstützen.
Im Wandel: Das Rollenbild einer Führungskraft
Seit einigen Jahren unterliegt die Führungskultur einem fundamentalen Wandel – beispielsweise durch gesellschaftliche Veränderungen (zum Beispiel die Suche nach der Sinnhaftigkeit im Job, wachsendes ökologisches Bewusstsein), externe Einflussfaktoren wie hybrides Arbeiten, eine steigende Komplexität oder digitale Transformation. Während zunächst ein eher autoritärer Führungsstil mit top-down geprägten Entscheidungswegen vorherrschte, stehen heute kooperative und partizipative Führungsmodelle im Vordergrund. Hierbei erwarten insbesondere jüngere Mitarbeitende nicht nur klar geäußerte Vorgaben von Seiten der Vorgesetzten. Auch direktes Feedback, eine offene und ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe sowie ein wertschätzender Umgang im Arbeitsalltag und Verständnis für unterschiedliche Lebensentwürfe sind erwünscht.
Das geforderte Skillset
Mit Blick auf das Know-how sollten HR-Führungskräfte heute über grundlegende Kenntnisse zu aktuellen und künftigen Arbeitsmarktthemen verfügen sowie mit modernen Talent Acquisitions- und Entwicklungsthemen, neuen Arbeitsweisen und HR-Digitalisierung vertraut sein. Wer zudem diverse Teams erfolgreich führen will, muss sich Wissen über die jeweiligen Generationen im aktuellen Jobmarkt aneignen. Auch profitieren Führungskräfte von Skills, die aus den vielen Führungsmodellen oder systemischen Ansätzen (zum Beispiel „Neue Autorität“) hervorgehen. Im Hinblick auf die Mitarbeiterbindung in diversen Teams lohnt es sich, über die vielfältigen Benefit-Angebote Bescheid zu wissen, damit möglichst alle individuellen Bedürfnisse der Mitarbeitenden befriedigt werden können.
Hier folgt eine Liste mit den Top sechs wichtigsten Fähigkeiten, die Führungskräfte heute mitbringen sollten:
- Ehrliche Kommunikation und Dialogorientierung
- Transparenz hinsichtlich Erwartungen und getroffener Entscheidungen
- Klarheit bezüglich Anforderungen und Aufgaben an Mitarbeitende
- Wertschätzung (auch in Feedback und Kritik)
- Keinen Raum für Vorurteile
- Offenheit und Toleranz (gegenüber anderen Perspektiven, Herangehensweisen, Lebensentwürfen)
Aber: Diese Fähigkeiten lassen sich erlernen. So gibt es gute People Leadership und Kommunikationstrainings beziehungsweise -Coachings speziell für Führungskräfte, aber auch Weiterbildungsangebote für Themen rund um Diversity, Equity und Inclusion. Durchaus sinnvoll, gerade für den Führungskräftenachwuchs, sind Seminare zum Thema Mediation und Konfliktmanagement oder interkulturelle Trainings, um ein tiefgreifendes Verständnis hierfür zu entwickeln. Ferner eignen sich Achtsamkeitstrainings sehr gut, um unbewusste Vorurteile (Stichwort: Unconscious Bias) aufzudecken und abzubauen.
Aus Fehlern lernen
Die wohl größte Herausforderung, Diversität in Teams zu managen, ist die kontinuierliche Motivation der Mitarbeitenden. Leider liegt auf dem Weg dorthin der ein oder andere Stolperstein.
Hier ein Überblick der „Sieben (Tod)Sünden“:
- Unzureichende Kommunikation zwischen Mitarbeitendem und Führungskraft, aber auch innerhalb des Teams (Erfahrungen und Wissen werden nicht geteilt)
- Die unbewusste oder bewusste Ablehnung von Andersartigkeit
- Schubladendenken und Stereotypisierungen
- Aufgaben und Verantwortung nicht nach fachlicher Eignung, sondern persönlicher Sympathie verteilen
- Sich von dem Mitarbeitenden als Menschen zu distanzieren und seine individuelle Persönlichkeit zu ignorieren
- Kein Taktgefühl gegenüber dem Mitarbeitenden zeigen oder dessen Anliegen nicht erst nehmen
- Keine klaren Regeln und Vorgaben zum gegenseitigen Umgang im Berufsalltag definieren
Oftmals lassen sich diese Fehler schon anhand kleiner Stellschrauben vermeiden. Führungskräfte, die beispielsweise Aufgaben sinnvoll delegieren, fördern nicht nur das Selbstvertrauen des Mitarbeitenden in die eigenen Fähigkeiten, sondern schaffen sich selbst Freiräume, die sie für eigene Aufgaben und eine intensive Kommunikation nutzen können. Wem es zudem gelingt, unterschiedliche Perspektiven gleichberechtigt in sein Team einzubringen, profitiert – nicht nur im Hinblick auf ein positiveres Arbeitsklima. So zeichnen sich gut funktionierende heterogene Teams auch durch ein besseres Verständnis für Kundenanforderungen aus und erzielen dank Einbeziehung vielfältiger Sichtweisen in der Regel bessere Ergebnisse als homogene Teams.
Diverse Belegschaften – ein Gewinn für jedes Unternehmen
Gut funktionierende heterogene Teams fördern nicht nur Kreativität, Innovationsstärke sowie Mitarbeiterengagement, sondern schaffen auch ein lebendiges und respektvolles Umfeld in welchem sich Mitarbeitende wohlfühlen. Nicht zuletzt trägt ein vielfältiges Arbeitsleben auch zu einer positiven und starken Arbeitgebermarke bei und ist damit ein echter Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt.
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