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Wie gelingt Gamification in der Weiterbildung?

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Frage an die HR-Werkstatt: Wie gelingt Gamification in der Weiterbildung?

Es antwortet: Florian Sailer, CEO Knowledge Hero

Gute Weiterbildungsmaßnahmen sind heute wichtiger denn je. Der Lerndruck ergibt sich durch zwei parallel stattfindende weitreichende Entwicklungen. Zum einen erreichen bis 2036 in Deutschland 12,9 Millionen Erwerbspersonen das Renteneintrittsalter, was mit einem erheblichen Verlust an Erfahrungswissen einhergehen wird. Besonders drastisch wird die Einbuße mit dem Ausscheiden der Babyboomer-Generation sein. Zum anderen gilt: Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt – und tut dies immer noch. Bis zum Jahr 2027 könnte sich fast ein Viertel der Arbeitsplätze grundlegend verändern und damit auch das Aufgabenspektrum der Arbeitskräfte. Beide Entwicklungen erfordern von den Mitarbeitenden eine kontinuierliche Anpassungs- und Lernbereitschaft. Der Fokus von HR muss daher auf einer nachhaltigen und attraktiven Gestaltung von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen liegen. 

Als einer der vielversprechendsten Ansätze hierfür gilt Gamification. Dabei werden spielerische Elemente in Lernprozesse integriert. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Methode die Motivation und das Engagement der Lernenden steigert und die individuelle Informationsaufnahme- und Merkfähigkeit fördert. Manche Gamification-Ansätze in der Mitarbeitendenbildung stärken auch die Bindung an das Unternehmen und die Teamfähigkeit. Klingt gut? Doch ohne eine durchdachte Strategie und Wissen über mögliche Stolperfallen kann die Einführung von Gamification beim Learning zur Herausforderung werden. Folgende Tipps können dabei helfen, dass Gamification die Wissensvermittlung fördert. Doch lassen Sie uns zunächst anschauen, was hinter Gamification steckt.

Was macht Gamification so besonders?

Gamification wird unter anderem dazu eingesetzt, Lernprozesse in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung anregend und interaktiv zu gestalten. Durch Elemente wie   Punktesysteme, Leistungsabzeichen, Fortschrittsbalken und Wettbewerbe wird die Lernbereitschaft der Mitarbeitenden erhöht. Außerdem können Teilnehmende durch Gamification Wissen besser aufnehmen und behalten und lernen, es direkt im Arbeitsalltag einzusetzen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Lernmethoden, die von vielen Mitarbeitenden oft als monoton empfunden werden, bietet Gamification eine dynamische und interaktive Lernerfahrung, welche die Lernenden aktiv einbezieht und sie dazu motiviert, sich ständig zu verbessern.

Gamification in meinem Unternehmen – ja oder nein?

Die Einbindung eines Gamification-Ansatzes in die Lernprozesse eines Unternehmens erfordert ein strukturiertes Vorgehen. Eine Ist-Zustand-Analyse ist unabdinglich. Sie kann sich an folgenden Fragen orientieren: Weshalb ist der Wissenstransfer in unserem Unternehmen so schwierig? Besteht die Gefahr, dass Wissen in den nächsten Jahren verloren gehen könnte? Welche Fehler entstehen immer wieder, die auf Wissensmangel zurückzuführen sind? 

Nachdem die aktuellen Probleme identifiziert worden sind, sollten im nächsten Schritt die Fragen geklärt werden: Was soll verändert werden? Und was möchte das Unternehmen konkret erreichen? Es müssen klare Ziele definiert werden, erst dann kann eine bewusste Entscheidung für oder gegen einen Gamification-Ansatz getroffen werden. 

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Der richtige Ansatz für mein Unternehmen

Verschiedene Punkte sollten bei der Wahl des richtigen Ansatzes und dessen Umsetzung beachtet werden.

Ziele:

Für die Wahl des richtigen Ansatzes sind klar gesteckte Ziele unabdinglich. Nur so kann auch langfristig gemessen werden, ob der Ansatz zielführend ist. Unternehmen müssen daher klar definieren, was sie mit Gamification erreichen wollen. Dies kann beispielsweise die individuelle Produktivitätssteigerung, ein verbessertes Learning im Onboarding-Prozess, die Förderung von Teamarbeit oder die Verbesserung spezifischer Fähigkeiten sein. 

Technologische Ressourcen:

Außerdem muss beachtet werden, welche technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Sollen Gamification-Lösungen in digitale beziehungsweise virtuelle Lernplattformen implementiert werden, muss sichergestellt werden, dass diese nahtlos in bestehende Systeme integriert werden können. Nur dann kann Zugänglichkeit und Benutzerfreundlichkeit gewährleistet werden. Wird ein Gamification-Ansatz in ein bestehendes System eingebunden, ist in der Regel die Interaktionsrate der Anwendung höher, als vor der Integration. Arbeitgeber müssen demnach beachten, dass die Infrastruktur der Anwendung entsprechend skalierbar ist.

Finanzielle Mittel:

Einen großen Einfluss auf die Art der umsetzbaren Gamification-Strategien kann das zur Verfügung stehende Budget haben. Im Vergleich zu einfacheren, traditionellen, spielbasierten Ansätzen können ausgefeilte Systeme, die an PC-Spiele erinnern, kostspieliger sein. 

Zielgruppenanalyse:

Eine sorgfältige Zielgruppenanalyse hilft beim Verständnis, welche Spielmechaniken (beispielsweise Punkte, Abzeichen, Ranglisten oder Herausforderungen) für die Mitarbeitenden am attraktivsten sind. In der Einzelhandelsbranche, in der das Lernen von Produktinformationen entscheidend ist, kann beispielsweise der Filial-interne Wettbewerb unter Mitarbeitenden helfen, Produktnummern zu lernen.

Inhaltliche Anforderungen:

Insbesondere die Art der zu vermittelnden Inhalte ist entscheidend für die Wahl der Gamification-Technik. Technische oder komplexe Inhalte lassen sich am besten durch detaillierte, simulationsbasierte Spiele vermitteln. Diese Ansätze bieten besonders die Möglichkeit, individuelles Wissen zu steigern, die Fortschritte des Einzelnen zu verfolgen und den Wettbewerb durch Ranglisten und Punktesysteme zu fördern. Soft Skills wie Teamarbeit können hingegen durch interaktive Gruppenaktivitäten effektiv gefördert werden. Dies trägt zur Entwicklung zwischenmenschlicher Fähigkeiten bei und stärkt die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt. Dabei spielt natürlich auch die jeweilige Unternehmenskultur eine wichtige Rolle. Wenn spezielle Situationen im Arbeitsalltag trainiert werden sollen, sind auch rollenbasierte Gruppenübungen sinnvoll. Diese bieten realitätsnahe Lernerfahrungen und stärken das soziale Miteinander.

Von der Implementation bis zu den ersten Erfolgen

Wie viel Zeit benötigt wird, um eine Gamification-Lösung in die betriebliche Weiterbildung einzubinden, variiert stark. Der zeitliche Aufwand hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel dem Projektumfang, der Komplexität der gewählten Spielelemente und der Integrationstiefe in bestehende Systeme. Viele Faktoren können positiv beeinflusst werden. Dazu gehört beispielsweise die Bereitschaft der Mitarbeitenden, neue Ansätze auszuprobieren. Hier hilft es auch, den Mitarbeitenden klare Ziele zu setzen und sie gegebenenfalls in die Wahl des Ansatzes einzubeziehen.

Kurzfristige Erfolge, wie verbesserte Teilnehmerquoten und eine erhöhte Interaktion mit den Nutzern und Nutzerinnen, können bereits wenige Wochen nach der Einführung sichtbar werden. Längerfristige Erfolge, wie bessere Lernergebnisse und veränderte Verhaltensweisen im Arbeitsalltag, können Unternehmen meist erst nach einigen Monaten bewerten. Es braucht hier eine große Menge Daten, um fundierte Schlussfolgerungen ziehen zu können. Wichtig ist es für Unternehmen auch, dass sie sich kontinuierlich Feedback von den Usern einholen, sodass Erfolg nicht nur an den Ergebnissen gemessen wird, sondern auch an der Zufriedenheit der Lernenden. Auf diesem Weg können Arbeitgeber die auf Gamification basierende Wissensvermittlung zügig anpassen.

Fazit

Ein Gamification-Ansatz kann Abwechslung in traditionelle Lern- und Weiterbildungsmaßnahmen bringen. Der Wettbewerbsfaktor wirkt motivierend. Die spielerische Umsetzung sorgt für eine vertiefte Informationsverarbeitung und die bessere Einbindung des erworbenen Wissens in die bestehenden Strukturen des Langzeitgedächtnisses. Dadurch werden stärkere Assoziationen hergestellt und das Wissen kann leichter abgerufen und im Arbeitsalltag angewandt werden. Gamification ist somit ein vielversprechender Ansatz – vor allem für Unternehmen, die ihre Teamfähigkeit stärken wollen, unternehmensspezifisches Wissen vermitteln müssen oder spezielle Situationen im Arbeitsalltag trainieren wollen.

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