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Wer hat hier Probezeit, Mitarbeiter oder Arbeitgeber?

junge Frau in Officekleidung sitzt allein auf einer Treppe in einem Bürogebäude
Frisch rekrutiert und bei Arbeitsantritt gleich im Stich gelassen – auch das kommt vor.
Foto: © DragonImages/Fotolia.de

Viele Unternehmen klagen darüber, dass sie für vakante Jobs nicht so leicht geeignetes Personal finden und stärker um Mitarbeiter werben müssen als früher. Doch wenn die zeitaufwändige Rekrutierung erfolgreich war, hört das “gewinnende” Verhalten oft schlagartig auf. Die Neuen sehen sich alleingelassen, werden unfreundlich behandelt, bisweilen sogar komplett übersehen oder die Arbeit hat mit der Stellenbeschreibung nicht allzu viel zu tun, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Welche Erfahrungen machen neue Mitarbeiter während der ersten 100 Tage im Job und wie würden sie sich die Einarbeitung wünschen? Softgarden befragte dazu im Februar und März 2761 Bewerber. Die Ergebnisse zeigen, dass der Elan und die Einsatzbereitschaft neuer Mitarbeiter oft verpuffen, weil manches Unternehmen sich in der Eingliederungsphase wenig Mühe gibt, die Neueinsteiger für sich einzunehmen. So haben 11,6 Prozent der Befragten schon einmal in den ersten 100 Tagen gekündigt. Zu den Gründen zählten zwar auch Umzug und ein besseres Jobangebot, doch firmeninterne Gründe spielten die Hauptrolle. Weitere 15,7 Prozent waren kurz davor zu kündigen. 200 Teilnehmer mit Kündigungserfahrungen kurze Zeit nach dem Arbeitsantritt führten vor allem das Verhalten der Vorgesetzten, eine schlechte Einarbeitung oder falsche Versprechungen als Motive an. Ein Drittel der Studienteilnehmer (33,9 Prozent) machte die Erfahrung, dass der neue Job in der Stellenbeschreibung und im Bewerbungsprozess als vielversprechend dargestellt wurde, die Arbeitsrealität aber nicht damit übereinstimmte. Ein Befragter moniert das “unprofessionelle Verhalten der Vorgesetzten”, zu dem “Beleidigungen” und “Anschreien” gehörten. Ein weiterer beklagte sich über einen “unfairen Chef” und die “Diskrepanz” zwischen “Aussagen und Verhalten”.

Mit dem Arbeitsklima steht und fällt der Neueinstieg

Die Studienteilnehmer wurden auch danach gefragt, welche Faktoren am ehesten dazu führen könnten, während der ersten 100 Tage zu kündigen. Dafür konnten sie acht vorgegebene Faktoren nach ihrer Wichtigkeit bewerten. An erster Stelle der Kündigungsgründe steht die Arbeitsatmosphäre, dicht gefolgt vom Verhalten des Vorgesetzten und, mit etwas Abstand, dem Verhalten der Kollegen oder des Teams.

Die Motive, länger bei einem Arbeitgeber zu bleiben, wurden ebenfalls unter die Lupe genommen. Die Befragten nannten am häufigsten atmosphärische Gründe wie ein freundliches Miteinander oder nette Kollegen. Auch Wertschätzung spielt eine wichtige Rolle: Rund drei Viertel (74,3 Prozent) der Teilnehmer priorisieren diesen Aspekt hoch. Tatsächlich fühlte sich aber nicht einmal jeder Zweite (44,2 Prozent) während der Einstiegsphase wertgeschätzt.

Neuankömmlinge brauchen persönliche Ansprechpartner

Wenn es um die konkreten Wünsche beim Arbeitsantritt geht, steht ein persönlicher Ansprechpartner im Unternehmen im Vordergrund; für 63,9 Prozent der Befragten ist dieses Angebot wichtig. Für 57,3 Prozent ist es von Bedeutung, dass sie am ersten Tag den Kollegen vorgestellt werden. Außerdem wünscht sich fast jeder Zweite (48,9 Prozent) einen konkreten Einarbeitungsplan. Die Praxis sieht jedoch anders aus: Jeder vierte Neueinsteiger wird am ersten Tag nicht den Kollegen vorgestellt, 42,7 Prozent bekommen keinen persönlichen Ansprechpartner unter den Kollegen genannt und für zwei Drittel gibt es keinen konkreten Einarbeitungsplan.

Wie bestellt und nicht abgeholt

Ein Befragter berichtet: “Man sitzt die ersten drei Tage ohne große Aufgabe rum, die Kollegen sind beschäftigt und niemand wurde für die Einarbeitung abgestellt. Man wartet zudem auf die IT, dass der E-Mail-Account und das Telefon eingerichtet werden.” Andere sprechen von “Verwirrung pur”, zu wenig Unterstützung bei gleichzeitig sehr hoher und zu früh gegebener Verantwortung und Führungskräften, die die neuen Mitarbeiter schlicht “vergessen” hatten: “Der Einzige, der scheinbar von mir wusste, war der Geschäftsführer, aber der war die nächsten zwei Wochen auf Dienstreise”, schreibt ein Teilnehmer.

Angesichts dieser Ergebnisse sind die Studienautoren der Meinung, dass die ersten 100 Tage immer mehr zu einer Probezeit für Arbeitgeber werden, wenn sie ihre neuen Mitarbeiter nicht sofort wieder vergraulen wollen. Das Whitepaper “Probezeit für Arbeitgeber”, das auch Tipps für Arbeitgeber für ein gelungenes Onboarding enthält, kann > hier heruntergeladen werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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