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Arbeitsmarkt: Stellenbesetzungs-Probleme nehmen zu

Die Stellenbesetzungsprobleme in vielen Branchen nehmen zu. Dies geht aus einer Analyse der Online-Recruiting-Plattform Stepstone hervor, bei der regelmäßig der Umfang der auf dem Portal ausgeschriebenen Jobs gemessen wird. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass selbst mittels Fischens aus dem Pool der Arbeitslosen die steigende Zahl an neuen Arbeitskräften nicht ausgeglichen werden kann. Denn obwohl die Zahl der Arbeitslosen sinkt, steigt die Anzahl der Stellenanzeigen.

Genau genommen hat sich die Zahl der Stellenangebote im März dieses Jahres gegenüber dem Vorjahresmonat um 55 Prozent erhöht. Wie schwer es ist, Stellen zu besetzen, zeigt sich wohl auch daran, dass immer mehr Menschen gesucht werden, die genau diese Aufgabe lösen: Im Vergleich zum Gesamttrend fiel die Nachfrage im HR-Bereich deutlich überdurchschnittlich aus: Sie lag um 85 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Ebenfalls höher als im Mittel wuchs der Personalbedarf in der Logistik (plus 82 Prozent), der Pflege (Anstieg um 70 Prozent) und im Handwerk (Zunahme von 67 Prozent).

Prognose: Zahl der Vakanzen steigt weiter

Gleichzeitig geht die Zahl der Arbeitslosen laut Stepstone zurück. Für April dieses Jahres gingen die Jobmarktexperten davon aus, dass die Anzahl im Vergleich zum März um 25.000 auf 2.337.000 abnimmt. Die Arbeitslosenquote sinkt demnach gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent auf fünf Prozent – das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Corona-Krise. Die Unternehmen suchten bereits heute händeringend neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in allen Bereichen, sagt Dr. Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei Stepstone. Weil die Erwerbsbevölkerung hierzulande dramatisch schrumpfe, werde die Zahl der offenen Jobs in den kommenden Jahren noch steigen. Zimmermann prognostiziert, dass sich die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt trotz der aktuellen Unsicherheiten bezüglich Corona und des Kriegs in der Ukraine weiter fortsetzen und in den nächsten Jahrzehnten keine Trendumkehr stattfinden wird.

„Die Kennzahl für den Arbeitsmarkt der Zukunft und seine Herausforderungen wird bald nicht mehr die Zahl der Arbeitslosen sein, sondern die Zahl der Arbeiterlosigkeit – also die Zahl der unbesetzten Stellen”,

sagt Zimmermann.

Er ist überzeugt, dass sich die „Machtverhältnisse“ zugunsten der Beschäftigten grundlegend verändern werden und es für Unternehmen gelte, schnell das richtige Personal zu finden. Arbeitgeber müssten nicht nur stärker ins Recruiting, sondern auch in langfristige Mitarbeiterbindung investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Hohe Kosten für Unternehmen durch unbesetzte Stellen

Die Situation sei auch deshalb problematisch, weil die Unternehmen wegen der langen Besetzungsdauer bereits heute Umsatzeinbußen haben, sagt der Arbeitsmarktexperte. Eine neue Stepstone-Analyse hat ermittelt, dass Unternehmen für jede unbesetzte Stelle durchschnittlich 29.000 Euro Kosten entstehen, in großen Firmen mit mehr als 250 Beschäftigten sogar mehr als 73.000 Euro. Überdurchschnittlich hoch sind die Kosten laut Berechnung im Gesundheitsbereich mit durchschnittlich rund 37.700 Euro sowie in der IT mit 37.300 Euro, aber auch im Vertrieb (36.600 Euro) sowie in Handwerk (32.600 Euro) und Produktion (30.800 Euro).

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.