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Beschäftigte kritisieren schwierige Jobsuche

Jobsuchende haben derzeit gute Karten – so könnte man meinen. Zum einen sorgt der Fachkräftemangel dafür, dass es mehr offene Stellen gibt als Bewerbende. Zum anderen hatte gerade kürzlich eine EY-Studie ergeben, dass die Wechselbereitschaft der Berufstätigen gestiegen ist und somit bald neue Positionen freiwerden könnten. Von Enthusiasmus auf der Seite der Jobsuchenden kann allerdings laut einer aktuellen Befragung des Personaldienstleisters Robert Half nicht die Rede sein. Die Mehrheit der Umfrageteilnehmenden gab an: Es sei derzeit schwieriger, einen Job zu finden.

Für sechs von zehn Deutschen ist der Wechsel schwieriger geworden

An der Umfrage vom vergangenen Dezember nahmen hierzulande 750 Beschäftigte zwischen 18 und 65 Jahren teil. 60 Prozent von ihnen sind der Ansicht, dass es heute schwieriger ist, einen passenden Arbeitsplatz zu finden als in der Zeit vor Corona. Das sind deutlich mehr als im Jahr 2019: Damals sagten 40 Prozent, dass die Jobsuche problematischer sei als noch fünf Jahre zuvor. Dass es seit 2020 einfacher gewesen ist, einen neuen Arbeitgeber zu finden, geben aktuell zwölf Prozent an.

Weniger Angebote, schlechtere Arbeitsbedingungen

Als Hauptgrund dafür, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt für sie verschärft hat, geben 43 Prozent an, sie hätten den Eindruck, es stünden derzeit weniger freie Stellen zur Verfügung. Zum Vergleich: Vor der Krise sagten dies 28 Prozent. Der am zweithäufigsten genannte Grund sind für ein Drittel der Befragten (34 Prozent) verschlechterte Rahmenbedingungen in den Unternehmen. Die Studienteilnehmenden führen hier vor allem befristete Arbeitsverträge, geringe Urlaubsanteile und weniger Zusatzleistungen an. Fast ebenso viele (33 Prozent) haben festgestellt, dass die Bewerbungsprozesse derzeit länger dauern. Für mehr als ein Viertel (29 Prozent) sind unterschiedliche Gehaltsvorstellungen von Jobsuchenden und Arbeitgebenden ein Hindernis. Gut jeder Fünfte (22 Prozent) denkt, dass sich die für den Job erforderlichen Qualifikationen geändert haben. Darüber hinaus führen einige wenige die mögliche Impfpflicht, die für einzelne Branchen diskutiert wird, als problematisch bei der Stellensuche an.

Marlene Pöhlmann, Managing Director bei Robert Half, ordnet die Befragungsergebnisse ein: „Wirtschaftliche Unsicherheiten auf Seiten der Unternehmen führen teilweise zu befristeten Arbeitsverträgen oder weniger Zusatzleistungen. Durch die beschleunigte Digitalisierung und zunehmende Komplexität der Aufgaben steigen zudem die Anforderungen.“

Von den zwölf Prozent der Befragten, die es momentan für einfacher halten, den Arbeitgeber zu wechseln, stimmte rund die Hälfte (49 Prozent) der Aussage zu, dass Unternehmen aufgrund des Fachkräftemangels schneller über Neueinstellungen entscheiden. 43 Prozent denken, dass Telearbeit und Homeoffice mehr Flexibilität bei der Terminierung von Vorstellungsgesprächen ermöglichen. Überdies haben 40 Prozent von ihnen den Eindruck, dass es seit Krisenbeginn mehr Stellenangebote für sie gibt.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.