Frage an die HR-Werkstatt: Wie können Unternehmen Paid Social Media richtig und effektiv fürs Recruiting nutzen?
Es antwortet: Hartmut Deiwick, Geschäftsführer der Löwenstark Online-Marketing GmbH
Bei der Suche nach neuen Mitarbeitenden ist zunehmend Kreativität gefragt. So gewinnt der passive Bewerbermarkt angesichts des Fachkräftemangels in zahlreichen Branchen an Bedeutung: 37 Prozent der Beschäftigten sind bereit, ihren Arbeitgeber zu wechseln. Das ergibt eine forsa-Studie im Auftrag von XING (2024). Der überwiegende Teil dieser Menschen ist aber lediglich latent wechselbereit. Das heißt, sie sind noch nicht aktiv auf der Suche nach einer neuen Stelle. Dieses Potenzial können Unternehmen für sich nutzen. Der Schlüssel: Social Recruiting. Mit der Methode ist es möglich, frühzeitig Interessenten in den sozialen Netzwerken anzusprechen, Beziehungen zu ihnen aufzubauen und mit niedrigschwelligen Maßnahmen einen qualifizierten Kandidatenpool zu generieren.
Die Bedeutung von Social Recruiting in der Personalbeschaffung
Social Media ist inzwischen ein wichtiges Instrument für das Recruiting talentierter neuer Mitarbeitender und die Stärkung der Arbeitgebermarke. Neben organischen Social-Media-Beiträgen sind bezahlte Anzeigen bestens dafür geeignet, potenzielle Bewerber und Bewerberinnen auf sich aufmerksam zu machen. Sie erscheinen prominent in den Feeds der Nutzer und Nutzerinnen. In Kombination mit organischen Recruiting-Bemühungen und einer durchdachten Strategie erreichen Arbeitgeber so eine größere Zielgruppe, generieren Leads in Form von Kontaktdaten, steigern dadurch letztlich die Anzahl der Bewerbungen und verbessern das Employer Branding.
Durch die gezielte Präsenz auf sozialen Plattformen können Unternehmen ihre Unternehmenswerte, Karrieremöglichkeiten und offene Stellen ansprechend präsentieren, etwa durch Bild- und Videoanzeigen. Interessenten erhalten so einen authentischen Einblick in den Arbeitsalltag, die Firmenkultur, die Gestaltung der Arbeitsplätze oder die Work-Life-Balance-Angebote.
Social Media Ads: Effizienz und Zielgenauigkeit im Recruiting
Insbesondere hinsichtlich passiver Bewerber und Bewerberinnen ist Paid Social Media Recruiting ein effektives Werkzeug für die Fachkräftegewinnung. Die Vorteile sind vielfältig:
- Größere Zielgruppe: Mit gezielten Ads-Kampagnen kann ein breiterer und oft qualifizierterer Bewerberpool angesprochen werden, der über traditionelle Kanäle nicht erreichbar ist.
- Erhöhte Reichweite: Soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram haben eine große User-Community, die Unternehmen nutzen können, um ihre Zielgruppe zu erreichen.
- Zielgenaue Ansprache: Dank detaillierter Targeting-Optionen ist es möglich, die Anzeigen auf Kandidaten und Kandidatinnen mit relevanten Fähigkeiten, Erfahrungen und Interessen auszurichten.
- Passgenauigkeit: Durch die Erstellung von Personas lassen sich Wunschkandidaten und -kandidatinnen definieren und so die Passgenauigkeit zwischen Stellenprofil und bewerbender Person erhöhen.
- Geringere Kosten: Social Media Ads sind im Vergleich zu anderen Recruiting-Methoden und Anzeigen in Zeitungen oder Jobportalen oft kostengünstiger und effizienter.
- Hohe Skalierbarkeit: Die Kampagnen können flexibel an die Bedürfnisse und das Budget des Unternehmens angepasst werden.
- Effizienter Bewerbungsprozess: Social Media ermöglicht eine schnelle und einfache Kontaktaufnahme mit potenziellen Kandidaten und Kandidatinnen, was den Bewerbungsprozess beschleunigen kann.
- Positive Candidate Experience: Ein unkomplizierter Bewerbungsprozess wiederum verbessert das Bewerbererlebnis und erhöht die Zufriedenheit potenzieller Mitarbeitender
LinkedIn, Facebook und Co.: Relevante Kanäle und Anzeigenformate
Um die Vorteile von Social Recruiting voll auszuschöpfen, ist es wichtig, die richtigen Plattformen und Anzeigenformate zu wählen. Denn verschiedene Kanäle sprechen unterschiedliche Zielgruppen an und bieten Arbeitgebern vielseitige Möglichkeiten, auf sich und konkrete Stellenangebote aufmerksam zu machen.
LinkedIn ist das größte Business-Netzwerk der Welt. Unternehmen stehen hier verschiedene Werbeformate und Funktionen zur Verfügung. Stellenanzeigen mit dem Ziel Bewerbungen werden direkt und personalisiert an Kandidaten und Kandidatinnen mit bestimmten Fähigkeiten oder Berufserfahrungen ausgespielt, die auf die ausgeschriebene Position passen könnten. Ein Call-to-Action leitet die User direkt zum Stellenangebot weiter. Die sogenannten „Work with us“-Anzeigen bewerben die Karriereseite des Unternehmens und eignen sich sowohl für das Employer Branding als auch das Bewerben von offenen Stellen.
Auf Facebook und Instagram ist es möglich, Bild- und Videoanzeigen zu schalten, die als „Werbung“ oder „gesponsert“ gekennzeichnet sind. In sogenannten Carousel Ads können Unternehmen mehrere Bilder und Videos präsentieren. Die Ausspielung der Anzeigenformate in den Stories der Nutzer und Nutzerinnen sorgt für eine besonders hohe Reichweite und ein hohes Engagement. Durch gezieltes Targeting können potenzielle Bewerbende mit einem bestimmten Bildungsabschluss, einer ausgewählten Berufsbezeichnung oder anderen relevanten Kriterien angesprochen werden, wenn sie diese Informationen in ihren Profilen hinterlegt haben. Zudem ist das Interessen-Targeting rund um das Berufsfeld sehr erfolgreich: Arbeitgeber können ihre Anzeigen gezielt an Nutzer und Nutzerinnen ausspielen, die bestimmte Interessen haben.
TikTok ist besonders interessant, um Schüler und Schülerinnen sowie Studierende mit verschiedenen Werbeformaten zu erreichen, wie zum Beispiel Videoanzeigen, die im persönlichen TikTok-Feed der User auftauchen (In-Feed-Ads) oder direkt beim Öffnen der App angezeigt werden (TopView Ads). Anzeigen, die im Vollbildmodus erscheinen, wenn User die App öffnen, heißen Brand Takeover. Auf TikTok gibt es die Option, benutzerdefinierte Zielgruppen über das Kampagnenziel „Traffic“ zu erstellen und gezielt für Werkstudententätigkeiten, Ausbildungs- oder Traineestellen zu werben.
Lead Ads sind ein besonderes Werbeformat auf Facebook, Instagram und TikTok. Sie zielen darauf ab, Kontaktdaten von potenziellen Kandidaten und Kandidatinnen datenschutzkonform zu generieren. Dafür ist in der Anzeige ein Call-to-Action und ein Formular eingefügt. Interessierte können das Formular direkt in der Anzeige ausfüllen, ohne die Plattform verlassen zu müssen oder eine aufwendige Bewerbung mit aktuellem Lebenslauf zu erstellen. Das steigert nicht nur die Conversion-Rate, sondern vereinfacht auch den Prozess der Kontaktaufnahme beziehungsweise der Bewerbung. Der potenzielle Arbeitgeber erhält die Daten automatisiert in Echtzeit und kann direkt per E-Mail oder Telefon Kontakt zu den Kandidaten und Kandidatinnen aufnehmen, wenn deren Interesse an der Stelle am größten ist.
Best Practices für erfolgreiche Paid Social Media Kampagnen
Der Erfolg von Social Media Ads steht und fällt mit der richtigen Herangehensweise, durch die sich die Wirkung der bezahlten Anzeigen maximieren lässt. Folgende Best Practices helfen Unternehmen dabei, die Effektivität der Paid Social Media Ads zu steigern:
- klare Definition der Zielgruppe, der Interessen, Region und Sprache
- authentische und ansprechende Inhalte erstellen, die unter anderem die Unternehmenskultur, verschiedene Arbeitsbereiche, Core Values, Benefits und den Arbeitsalltag widerspiegeln
- Verwendung hochwertiger Bilder und Videos
- kurze und prägnante Texte mit einem aussagekräftigen Call-to-Action, zum Beispiel„Jetzt bewerben“
- Landingpages mit klarem Fokus auf die Conversion, zum Beispiel Bewerbungsformular
- A/B-Testing verschiedener Anzeigenformate und Texte
- regelmäßige Analyse der Kampagnenleistung und Anpassung der Strategie bei Bedarf
- Social Media Tools nutzen, um Kampagnen zu automatisieren und zu optimieren
Fazit
Paid Social Media Recruiting erweist sich als eine strategisch wichtige Methode zur Gewinnung qualifizierter Fachkräfte. Die Nutzung von sozialen Netzwerken ermöglicht es Unternehmen, auch passive Bewerbende zu erreichen, die zwar wechselbereit, aber nicht aktiv auf Jobsuche sind. Durch gezielte Werbekampagnen können sie eine größere und spezifischere Zielgruppe ansprechen, was die Reichweite und Qualität der Bewerbungen steigert. Die Auswahl der richtigen Plattformen und Anzeigenformate ist dabei entscheidend, um die gewünschten Talente effektiv zu erreichen. In Kombination mit anderen Recruiting-Maßnahmen sind bezahlte Anzeigen ein vielversprechendes Instrument, mit dem sich Unternehmen im War for Talents einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können.
Autor

