Warum Karriereseiten KI-optimiert sein müssen

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Karriereseiten müssen künftig nicht nur Google-tauglich sein – sondern auch LLM-tauglich“, schreibt HR-Tech-Experte Daniel Mühlbauer auf LinkedIn. LLM ist die Abkürzung für Large Language Models, gemeint sind damit Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude oder Perplexity, die zunehmend als Informationsquelle genutzt werden. „Für Unternehmen bedeutet das: Ihre Inhalte müssen strukturiert, aktuell und eindeutig zuordenbar sein – sonst werden sie von KI-Systemen nicht ausgewertet oder angezeigt.“ 

Die Realität sieht vielerorts allerdings noch anders aus, glaubt Thorsten Piening, Gründer der Recruiting-Marketing-Agentur Persomatch: „Mehr als 90 Prozent aller Karriereseiten werden bei Google, Bing oder LLMs nicht gefunden“, sagt er. Der erfahrene Online-Marketer weiß, wovon er spricht: Seit 25 Jahren unterstützt er Unternehmen bei der digitalen Sichtbarkeit – inzwischen speziell im Recruiting. Was für ihn zählt, ist nicht der Look, sondern das Gefunden werden. Sein Credo: „Etwas schön zu finden heißt vor allen Dingen, es zu finden.“ 

Die klassische Suchmaschinenoptimierung (kurz SEO), so effektiv sie über Jahre war, stößt an ihre Grenzen. Eine neue Disziplin hat sich etabliert: GEO. GEO steht für Generative Engine Optimization und zielt darauf ab, Inhalte für KI-Tools zu optimieren, damit sie direkt in generierten KI-Antworten erscheinen. Klassische SEO hingegen optimiert für Suchmaschinen wie Google und Bing mit Fokus auf organische Suchergebnisse, Keywords und Backlinks. 

Die nächste Evolutionsstufe der Sichtbarkeit 

Was bedeutet das für Unternehmen und deren Arbeitgebermarken? Wer nicht Teil der KI-generierten Antwort wird, ist in vielen Fällen gar nicht mehr sichtbar. Immerhin greifen laut einer Studie des Leibniz-Instituts aus dem Jahr 2024 bereits 44 Prozent aller Internetuser auf Künstliche Intelligenz zu, um Informationen zu suchen. Inhalte sollen so gestaltet werden, dass sie nicht nur in Suchergebnissen auftauchen, sondern auch direkt in die Antworten von KI-Systemen einfließen. Dazu müssen sie nicht nur thematisch relevant sein, sondern auch technisch und sprachlich strukturiert – etwa durch FAQs, semantische Markierungen oder leicht extrahierbare Fakten. 

Lornah Ngugi vom SEO-Anbieter seo.com spricht im Zusammenhang mit GEO von einer „ergänzenden Disziplin“: Die neue Technik ersetze nicht die Suchmaschinenoptimierung, sondern erweitere sie um die Dimension der KI-Zugänglichkeit. Das Ziel sei klar: In einer Welt, in der „Zero Click“-Antworten dominieren, müsse man nicht nur auffindbar, sondern direkt antwortfähig sein. 

„GEO ist eine wertvolle Ergänzung“ 

Lisa Bolz, SEO-Expertin und Projektleiterin beim Softwareanbieter Atloss, beschäftigt sich bereits intensiv mit der neuen Disziplin. „Wir sehen GEO als spannende Ergänzung zum klassischen SEO “, schreibt sie. Allerdings sei es wichtig, „dass beides Hand in Hand geht”. Für Unternehmen, die auf ihren Karriereseiten um neue Mitarbeitende buhlen, bedeutet das: Inhalte müssen künftig nicht nur keyword-, sondern auch struktur- und kontextoptimiert sein. Nur dann könnten KI-Systeme sie als relevante Antwortbausteine erkennen. 

Entscheidend sei die Qualität der Inhalte, aber auch ihre technische Umsetzbarkeit: klare Überschriften, FAQs, strukturierte Daten, autorisierte Quellen und eindeutige URL-Pfade. Viele Karriereseiten seien durch ihre Einbettung in komplexe Bewerbermanagementsysteme jedoch technisch schwer zugänglich. 

(Noch) kein Teil der strategischen Planung 

Einige Unternehmen haben begonnen, ihre Karriereseiten daraufhin zu überarbeiten. Ein Blick auf die Karriereseiten zahlreicher Dax-Unternehmen zeigt, dass Unternehmen wie SAP, Zalando, Siemens oder BMW bereits zentrale technische Grundlagen für GEO-Optimierung bieten – etwa durch strukturierte Inhalte, semantische Navigation oder saubere URL-Logik. Ob diese Maßnahmen gezielt auf KI-Zugänglichkeit hin umgesetzt wurden, bleibt jedoch offen. 

Die meisten Karriereseiten jedoch zeigen kaum Anzeichen, dass GEO bereits Teil der strategischen Planung ist. Gerade strukturelle Mängel – fehlende Meta-Daten, nicht sprechende URLs, ausgelagerte Bewerberportale – machen es KI-Systemen schwer, relevante Inhalte korrekt zu erfassen. 

Kein Weg führt daran vorbei 

GEO ist mehr als ein Trend. Die Verschiebung der Aufmerksamkeit hin zu generativen Antworten ist messbar. Laut Daten der Agentur Profilwerkstatt.de sank die organische Klickrate auf Google-Ergebnisse in bestimmten Bereichen um bis zu 84 Prozent. „Unternehmen, die nicht frühzeitig auf GEO setzen, riskieren, mit ihren Karriereseiten schlicht nicht mehr aufzutauchen – weder bei Google, noch bei ChatGPT“, warnt Ralf Ansorge, Geschäftsführender Gesellschafter und Gründer der Agentur. 

Bedeutet GEO angesichts der immensen Vorteile gar das Ende von SEO? Nein, meint Ansorge. „Absehbar nicht. Klassische Suchmaschinen sollten weiterhin eine Rolle spielen. Doch die Gewichtung dürfte sich verschieben – und damit auch die Anforderungen an die Content-Strategie. GEO erfordert zusätzliche Maßnahmen und ein Verständnis dafür, wie KI-Crawler Inhalte erfassen, bewerten und verarbeiten.“

Sven Frost betreut das Thema HR-Tech, zu dem unter anderem die Bereiche Digitalisierung, HR-Software, Zeit und Zutritt, SAP und Outsourcing gehören. Zudem schreibt er über Recruiting und Employer Branding. Er verantwortet weiterhin die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.