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Wie oft geht es in Stellenanzeigen um die Ukraine?

In ungefähr einer von vierhundert ausgeschriebenen Stellen ging es Ende März auch um den Krieg in der Ukraine. Das ist das Ergebnis einer Auswertung von index Research, die uns exklusiv vorliegt. Für die Auswertung hatte die Berliner Agentur ihre Datenbank dahingehend untersucht, in wie vielen Stellenanzeigen ukrainische Sprachkenntnisse oder der Landesname „Ukraine“ vorkam.

Dabei änderte sich der Anteil der Suchtreffer im Laufe des Krieges: Während es vor Beginn des Krieges ab Ende Februar in rund einer von 4.000 bis 6.000 ausgeschriebenen Stellen etwa um Sprach- oder Landeskenntnisse ging, war dies wenige Wochen später mehr als zehnmal so oft der Fall. Den größten Anteil bis dato machten solche Anzeigen in der zwölften Kalenderwoche, also zwischen dem 21. und 27. März aus. Hier gab es 959 von 362.970 ausgeschriebene Stellen – also eine von 378 – mit einem Ukraine-Bezug.

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Krieg in der Ukraine

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine beschäftigt auch Personalabteilungen in deutschen Unternehmen: Die Belegschaft in Deutschland ist besorgt ob der Entwicklungen, Abteilungen und Standorte im Kriegsgebiet müssen geschlossen und Kolleginnen und Kollegen evakuiert werden – und geflüchtete Menschen in den Arbeitsmarkt integriert.

„Die Flüchtlinge aus der Ukraine wollen auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen. Unternehmen aller Branchen kommen ihnen entgegen, indem sie in ihren Stellenanzeigen schreiben, dass ukrainische Sprachkenntnisse ausreichend oder sogar wünschenswert sind“, sagt Stefan Hackel, PR & Media Consultant bei der index Gruppe, zu den Zahlen.

Um was für Stellen geht es?

Allerdings könnte ein signifikanter Anteil der Stellenanzeigen auch aus anderen Gründen einen Hinweis auf ukrainische Sprachkenntnisse enthalten. Denn besonders groß war zwischen 1. Februar und 10. April der Anteil der „Suchtreffer“ in der Auswertung unter anderem in der öffentlichen Verwaltung (1 von 160 Anzeigen) sowie in Sozialberufen (1 von 111 Anzeigen) – also jenen Berufen, die sich unter anderem um die ankommenden Geflüchteten aus der Ukraine kümmern.

Das bestätigt auf Nachfrage auch index-Sprecher Hackel. Er weist aber darauf hin, dass beides der Fall ist: So finden sich in der Datenbank sowohl Stellenanzeigen etwa für Sicherheitsmitarbeiter in einer Flüchtlingsunterkunft, bei denen ukrainische Sprachkenntnisse gewünscht sind, als auch Anzeigen, in denen nach IT-Fachkräften (auch) aus der Ukraine gesucht werden, obwohl der Job im Prinzip wohl auch von jemand anders erledigt werden könnte.

Aus der Ukraine geflüchtete Menschen dürfen in vielen Fällen in Deutschland eine Arbeit aufnehmen. Schon kurz nach Kriegsbeginn waren erste spezialisierte Jobbörsen gestartet. Mittlerweile warnt etwa der Deutsche Gewerkschaftsbund davor, dass Geflüchtete mancherorts als billige Arbeitskräfte missbraucht werden könnten.

Ist Chef vom Dienst der Personalwirtschaft Online und kümmert sich unter anderem um die Themenplanung der Webseite. Texte schreibt er vor allem über Themen aus den Bereichen Arbeitsrecht, Digitalisierung und dem Mittelstand.