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Auch für Junganwälte ist Geld oft nicht alles

Die hohen Gehälter amerikanischer Spitzenkanzleien führen auch hierzulande zu Rekordvergütungen für Junganwälte. So sind bei Willkie Farr & Gallagher in Frankfurt schon im ersten Berufsjahr bis zu 175.000 Euro drin. „Das ist natürlich unverschämt viel, aber letztlich sind das Marktpreise“, sagt Georg Linde, Geschäftsführender Partner im Bereich Corporate & Financial Services, gegenüber unserem Schwestermagazin FINANCE. Getrieben werden die Gehaltssprünge demnach vor allem vom US-Markt, wo die Kanzleien dank höherer Stundensätze profitabler seien und guten Juristen hohe Summen zahlen könnten. Darüber hinaus sieht Linde, der sich auf M&A-Transaktionen spezialisiert hat, den Kanzleinachwuchs aber auch als Mitunternehmer, die neben den Partnern ebenfalls an der positiven Entwicklung der Kanzlei in den vergangenen Jahren profitieren sollen.

Doch geht es dem Gros der Nachwuchsjuristen bei der Wahl ihres Arbeitgebers tatsächlich nur ums Geld? „Nein“, sind sich Marcel Fejer und Thiemo Brennenstuhl sicher. Die beiden Wirtschaftsjuristen haben sich mit ihrer Personalberatung Legal Kings auf die Suche nach dem passenden Personal für Großkanzleien spezialisiert. Neben dem Gehalt seien den Berufseinsteigern noch andere Kriterien wichtig.

Hohe Arbeitsbelastung

Denn die Arbeitsbelastung ist in der Regel in allen Kanzleien hoch: Auch Willkie-Partner Linde erwartet von seinen Associates für das hohe Gehalt hervorragende Leistungen und viel Flexibilität. „Wenn am Freitagabend der Staatsanwalt bei einem Mandanten vor der Tür steht und Unterlagen mitnehmen will, kann das eben nicht bis Montag warten“, erläutert er knapp. Und angesichts vierstelliger Stundensätze, wäre dies den Klienten auch unmöglich zu vermitteln.

Spitzen ließen sich bei vielen Mandaten nicht vermeiden, betont Headhunter Marcel Fejer. „Die Frage ist, wie ist das zwischen den Deals – und da gibt es bei den Kanzleien schon eklatante Unterschiede.“ Der momentane „Bewerbermarkt“ kommt dem Kanzlei-Nachwuchs an dieser Stelle durchaus zu Gute. Im Kampf um Talente versuchen viele Kanzleien inzwischen etwa mit zusätzlichen, voll bezahlten Elternzeitwochen, Angeboten zum Stressabbau oder mehr freien Tagen zu punkten. Wenngleich diese guten Vorsätze dem Vernehmen nach im Alltagsgeschäft nicht selten unter die Räder kommen.

Mehr zu den Rekordgehältern für Junganwälte und darüber, was ihnen neben einer hohen Bezahlung wichtig ist oder sein sollte, lesen Sie bei FINANCE.