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DKV Mobility überarbeitet Bonussystem

„Es war sehr viel Wildwuchs und Chaos.“ So beschrieb Bentje Grünewald, Team Manager Compensation and HR Systems, die früheren Bonusstrukturen bei DKV Mobility. Diese galten bei dem Mobilitätsdienstleister bis Sommer 2020. Dann startete er die Überarbeitung der Boni. Am 1. Januar 2022 stellte er schließlich die Strukturen endgültig um. Wie ihr Team das Projekt Bonusstrukturen innerhalb von anderthalb Jahren durchführte, erklärte Grünewald auf dem 6. Praxisforum Total Rewards in Frankfurt am Main.

Neues Bonussystem sollte leicht verständlich sein

Es habe zwei wichtige Intentionen bei der Umstellung gegeben: Das neue System sollte leicht verständlich sein, und kein Beschäftigter sollte schlechter gestellt sein als zuvor. Die Verständlichkeit habe es vorher nicht gegeben: Von den 700 damals in der Zentrale bei DKV Mobility Beschäftigten seien ungefähr 500 bonusberechtigt gewesen, nämlich alle außer Vertrieb, Executives und Senior Leadership. Somit habe das Unternehmen 500 Mal individuelle Ziele vereinbart, fünf Stück pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter, sodass es 2.500 Ziele gegeben habe, die es zu überprüfen galt. Die Überprüfung fand auf fünf Skalen statt. Somit musste jedes der 2.500 Ziele fünfmal kontrolliert werden. Damit habe sich ein hoher administrativer Aufwand sowohl für die Zielvereinbarungen als auch für die Berechnung, wann Bonusstufen erreicht werden, ergeben – besonders, weil die Ziele in einer Excel-Tabelle festgelegt worden seien.

„Bei individuellen Zielen wurde sehr viel gefragt: Brauchen wir die noch, und machen wir die noch?“, erzählte Grünewald. Die Antwort sei ein klares Ja gewesen. Die Zielvereinbarungen seien wichtig, jedoch seien die Boni mit der Umstellung auf das neue System nicht länger daran gekoppelt. Stattdessen hingen die Bonuszahlungen nun von den erreichten Finanzzielen der DKV Group ab. Die individuellen Ziele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien jetzt ein Führungsinstrument. Außerdem würden sie inzwischen in einem HR-Managementsystem verwaltet.

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Ablauf der Umstellung

Wie war Grünewalds Team vorgegangen, um die Bonusstruktur zu überarbeiten? Von den 500 bonusberechtigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern habe jeder einzelne einen Bonus zwischen fünf und 20 Prozent vom Grundgehalt erhalten. „Nach welcher Logik jemand fünf oder 20 Prozent erhielt, konnte mir niemand sagen“, kommentierte Grünewald. Die High Performer habe das komplizierte System nicht zuverlässig identifiziert. Deshalb die Überarbeitung des Systems: Man habe die Beschäftigten in Grades von sieben bis 15 aufgeteilt. Von Januar 2022 an seien dann nur noch Grade elf und höher bonusberechtigt gewesen. Der Bonus wurde auf 10 Prozent vereinheitlicht. Die Grades sieben bis elf seien hauptsächlich Tarifmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Bei diesen seien die Boni im Tarifvertrag geregelt – sodass diese Beschäftigten nicht im neuen Bonussystem berücksichtigt werden müssten.

Voller Erfolg: 100 Prozent Zustimmung

Dem neuen Bonussystem mussten alle Beschäftigten zustimmen. Der Ablauf sei der folgende gewesen: Zunächst habe das Unternehmen eine Betriebsvereinbarung geschlossen. Anschließend habe es Infotermine mit den Senior Executives und Bereichsleitern gegeben. Dann habe das Team um Grünewald die Betriebsvereinbarung im Intranet veröffentlicht – inklusive FAQs. Es habe viele individuelle Rückfragen gegeben. „Wir haben Sprechstunden für die Mitarbeiter angeboten, die auch sehr gut angenommen wurden“, erzählte Grünewald.

Nachdem alle offenen Fragen geklärt worden seien, habe ihr Team individuelle Schreiben verschickt. Diese klärten die Angestellten über ihre neue Bonusumrechnung auf. Außerdem habe man mitgeteilt, dass Grading Reports angefragt werden könnten. Einige hätten diese Stellenbewertung der eigenen Stelle auch angefordert.

Schließlich holte Grünewalds Team die Zustimmung der Mitarbeitenden ein: 100 Prozent waren mit der neuen Bonusstruktur einverstanden. Grünewald betonte, dass bei keinem Beschäftigten das Gesamtgehalt reduziert worden sei – niemand habe weniger Lohn erhalten als vorher.

Stefanie Jansen ist Volontärin in der Redaktion der Personalwirtschaft. Dort betreut sie unter anderem die Newsletter und schreibt Artikel zu verschiedenen Themen.

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