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Ein Studienabschluss garantiert nicht immer das höchste Lebensentgelt

In Deutschland entscheiden sich Abiturientinnen und Abiturienten unter anderem wegen besserer Verdienstmöglichkeiten immer häufiger für ein Studium und gegen eine Ausbildung. Tatsächlich steigt mit dem Ausbildungsniveau auch oft das Gehalt an, jedoch ist das nicht immer der Fall. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) anhand eines Vergleichs der Brutto-Lebensentgelte.

Die Analyse des Lebensentgelts nach Qualifikationen, unabhängig vom Anforderungsniveau der ausgeübten Tätigkeit, ergibt, dass Beschäftigte mit Hochschulabschluss bei ununterbrochener Tätigkeit vom 25. bis 66. Lebensjahr im Schnitt 2,5 Millionen Euro verdienen. Beschäftigte mit einer Berufsausbildung kommen mit einem Fortbildungsabschluss auf  2,2 Millionen Euro und ohne Fortbildung auf 1,7 Millionen Euro. Wer keine Berufsausbildung mitbringt, kann in seinem oder ihrem Arbeitsleben 1,5 Millionen Euro einnehmen.

Je nach Beruf hohe Bandbreite beim Verdienst

Neben der formalen Qualifikation spielt jedoch auch das Anforderungsniveau der Tätigkeit eine Rolle. Und hier variieren die Lebensentgelte zum Teil erheblich. Das durchschnittliche Brutto-Lebensentgelt bei Beschäftigten mit Helfertätigkeiten, die keinen Abschluss voraussetzen, beträgt im Mittel 1,3 Millionen Euro. Am wenigsten in dieser Gruppe, mit rund einer Million Euro, verdienen Beschäftigte in Reinigungsberufen. Am anderen Ende der Skala nehmen Mitarbeitende in Helfertätigkeiten der Mathematik-, Biologie-, Chemie- und Physikberufe 1,59 Millionen Euro über ihr Arbeitsleben ein.

Fachkräfte haben in der Regel eine zwei- bis dreijährige Berufsausbildung absolviert und verdienen im Laufe ihres Arbeitslebens 1,7 Millionen Euro. Der Verdienst schwankt hier je nach Tätigkeit noch stärker als bei Helferberufen. So erhalten Fachkräfte in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen mit 1,2 Millionen Euro das niedrigste Lebensentgelt, während sie in IT-Berufen mit 2,52 Millionen Euro am meisten einnehmen.

Wie viel verdienen Spezialisten und Experten?

Spezialisten, die über ihre berufliche Ausbildung hinaus über einen Fortbildungsabschluss verfügen, etwa einen Meister-, Techniker-, Fachwirt- oder auch Bachelor-Abschluss, haben ein durchschnittliches Brutto-Lebensentgelt von 2,4 Millionen Euro. Die höchsten Brutto-Lebensentgelte mit durchschnittlich 2,7 Millionen Euro erreichen Experten, also Beschäftigte, die Tätigkeiten ausüben, für die in der Regel ein Hochschulabschluss benötigt wird.

Auch bei Spezialisten und Experten existieren starke Unterschiede des Brutto-Lebensentgelts zwischen den Branchen. Beide Gruppen erhalten mit 1,5 und 1,6 Millionen Euro ebenfalls in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen das niedrigste Brutto-Lebensgehalt. In IT-Berufen verdienen Spezialisten und Spezialistinnen mit durchschnittlich 2,7 Millionen Euro am besten. Experten und Expertinnen in Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen hingegen erzielen im Laufe ihres Erwerbslebens mit 3,1 Millionen Euro die besten Verdienstmöglichkeiten.

Spezialisten können durchaus mehr verdienen als Experten

In bestimmten Berufen können Beschäftigte ohne Hochschulabschluss jedoch mehr verdienen als jene mit akademischer Ausbildung. Beispielsweise in den MINT-Berufen kommen Spezialisten auf ein durchschnittliches Brutto-Lebensentgelt von gut 2,7 Millionen Euro – das ist mehr als das durchschnittliche Gehalt über das ganze Arbeitsleben von Experten. Auch erzielen Spezialisten in 29 und Fachkräfte in 13 Berufshauptgruppen, etwa in Papier- und Druckberufen sowie technischer Mediengestaltung ein Lebensentgelt von über 1,6 Millionen Euro, welches das der Experten in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen übersteigt.

Die Macher der Studie begründen dies unterem anderem damit, dass die Gruppen der Spezialisten und Experten sich über die letzten Jahre ähnlicher geworden sind, auch durch die stärkere Verbreitung des gestuften Studiums mit Bachelor- und Master-Abschlüssen. Dadurch hätten sich bisherige Abgrenzungen verschoben. Aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels in bestimmten Branchen erwartet das IAB außerdem, dass die Gehälter von Fachkräften und Spezialisten in den nächsten Jahren im Vergleich zur Steigerung der Löhne insgesamt überproportional zunehmen werden. Dennoch ziehen die Forscher grundsätzlich den Schluss, dass sich Bildung generell auszahlt, zumal mit einem höheren Anforderungsniveau eines Berufs auch die benötigte formale Qualifikation steigt.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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