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Fachkräftemangel und nicht Inflation sorgt für Gehaltsanstieg

Nicht etwa die Inflation treibt die Gehälter derzeit hauptsächlich in die Höhe, sondern der Fachkräftemangel. Wie der aktuelle Report „Salary Budget Planning“ der Unternehmensberatung Willis Towers Watson (WTW) zeigt, haben im April und Mai 2022 zwei Drittel von rund 700 befragten deutschen Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen geplant, in diesem Jahr ihr Gehaltsbudget aufzustocken. Die meisten von ihnen (67 Prozent), um neue Mitarbeitenden zu gewinnen.

Durchschnittlich sind in den Unternehmen Gehaltserhöhungen von 3,5 Prozent für 2022 geplant. Dies ist zwar ein höherer Anstieg als er für Beginn dieses Jahres von vielen Arbeitgebern geplant war – ursprünglich waren durchschnittlich 3,1 Prozent vorgesehen – aber immer noch eine geringere Steigerung, als die der Lebensunterhaltskosten aufgrund der Inflation. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts liegt die Inflationsrate derzeit bei 7,5 Prozent.

Drei Gründe für die Diskrepanz

Dass die Werte momentan nicht übereinstimmen, lässt sich laut WTW anhand von drei Faktoren erklären: Nicht jedes Unternehmen kann es sich erstens nach mehr als zwei Jahren Pandemie und inmitten einer weiterhin unsicheren wirtschaftspolitischen Lage leisten, die Personalkosten zu erhöhen. Zweitens treibt laut Florian Frank, Head of Work & Rewards bei WTW, erst eine langfristig hohe Inflation die Vergütungsbudgets nachhaltig nach oben und dafür dauert der derzeitige Inflationsanstieg noch nicht lange genug an. Und drittens ist die Inflation nur der zweithäufigste Grund, warum Unternehmen die Gehälter erhöhen.

Die Ursachen für den Gehaltsanstieg

Nach Schwierigkeiten bei der Mitarbeitergewinnung und der Inflation sind der dritthäufigste Grund für eine Lohnerhöhung entsprechende Erwartungen der Beschäftigten – Mehrfachnennungen waren möglich. 43 Prozent der Unternehmen gaben bei der Umfrage an, zukünftig höhere Gehälter zu zahlen, weil die Mitarbeitenden dies fordern.

Obwohl die Mitarbeitendengewinnung der Nummer 1 Antreiber für eine Gehaltssteigerung ist, muss und kann andersherum nicht unbedingt der Lohn erhöht werden, um neue Talente zu finden. „Da die Möglichkeiten zur Erhöhung der Gehälter aus wirtschaftlicher Sicht oftmals limitiert sind, suchen Unternehmen neue Möglichkeiten, ihre Arbeitgeberattraktivität zu stärken und somit Fachkräfte zu gewinnen“, sagt Frank. Dazu zählt vor allem, die Arbeitsbedingungen zu flexibilisieren – dies tun 67 Prozent der Unternehmen – und die Bemühungen für mehr Diversity, Equity und Inclusion (DEI) auszuweiten (57 Prozent).

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.